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RAUCHHAUS LESEECKE OKTOBER 2009

 

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In acht Atomkraftwerken
drohen Störfälle

Die Laufzeitverlängerungen bei den AKWs scheinen in der neuen Koalition eine beschlossene Sache. Inzwischen zeigt sich ein Sicherheitsproblem in acht der 17 deutschen Atomreaktoren.

Die Unterhändler der neuen Regierungsparteien CDU und FDP sind sich einig: Im Koalitionsvertrag soll eine Laufzeitverlängerung für diejenigen Kernkraftwerke (KKW) festgeschrieben werden, die als sicher gelten. Vielleicht aber stehen mehrere deutsche KKW gerade deshalb vor dem Aus. Es handelt sich um Druckwasserreaktoren. Zu diesem Typ gehören elf der insgesamt 17 deutschen Kernkraftwerke. Bei acht von ihnen - Grohnde, Unterweser, Emsland, Neckarwestheim, Philippsburg, Isar 2, Grafenrheinfeld und Brokdorf - besteht ein nur schwer behebbares Sicherheitsproblem: Tritt in ihrem Kühlkreislauf ein Leck auf, kann es zur Kernschmelze kommen, dem sogenannten GAU (für ´Größter Anzunehmender Unfall´).

Die Ursache dafür ist die besondere Konstruktion der Druckwasserreaktoren. Bei ihnen wird das Kühlmittel Wasser in einem geschlossenen System geführt, dem Hauptkühlmittelkreislauf. Die Hauptkühlmittelpumpen pressen es von unten nach oben durch den Reaktorkern, der im Reaktordruckbehälter sitzt. Dabei heizt es sich auf 320 Grad Celsius auf. Doch der in dem Behälter herrschende Druck von etwa 160 bar verhindert, dass das Wasser siedet (daher die Bezeichnung dieses Reaktortyps). Durch Rohrleitungen gelangt es zu den Dampferzeugern, wo seine Wärme auf das Wasser des Sekundärkreislaufs übergeht. Darin ist der Druck geringer. Deshalb siedet das Nass, der entstehende Dampf treibt die Turbine zur Stromerzeugung an.

Reaktorkern kann überhitzen

Tritt nun durch ein Leck oder einen anderen Schaden im Hauptkühlmittelkreislauf Wasser aus, verringert sich die Kühlung, sodass sich der Reaktorkern überhitzen kann. Im schlimmsten Fall beginnt er, nach etwa 35 Minuten zu schmelzen. Nach etwa einer Stunde haben sich schließlich 80 Prozent des Kernmaterials zu einer Schmelze verflüssigt, die auf den Boden des Druckbehälters stürzt. Hält dieser der Belastung nicht stand, gelangen - wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - radioaktive Substanzen in die Umwelt.

Deshalb sollen bei einem solchen Störfall Notkühlsysteme die Kernschmelze verhindern. Dazu zählen Druckspeicher, aus denen passiv Wasser in den Kühlkreislauf gepresst wird, sobald der Druck darin aufgrund des Lecks unter bestimmte Werte fällt. Hinzu kommt das eigentliche Notkühlsystem. Es soll das durch das Leck ausströmende Wasser im Reaktorkern nachliefern. Doch um die Kühlung über längere Zeit aufrechtzuerhalten, muss das Kühlmittel im Kreis geführt werden. Deshalb befördern Pumpen das Wasser, das sich im sogenannten Reaktorsumpf am Grund des Sicherheitsbehälters sammelt, zurück nach oben.

Und da liegt das Problem

Schießt Wasser mit hohem Druck durch ein Leck, kann es Isoliermaterial - meist handelt es sich um Mineralwolle - zerfetzen, das zur Isolation von Rohrleitungen dient, die heißes Kühlmittel befördern. Im Sicherheitsbehälter gibt es eine Reihe von Rohren, die von einem Leckstrahl getroffen werden könnten. Das zerbröselte Material wird dann vom ablaufenden Wasser in den Reaktorsumpf gespült. Von dort aus gelangt es in den Kühlkreislauf, wobei größere Teile, aber auch Bruchstücke der Leitungsrohre die Kühlpumpen beschädigen könnten. Deshalb sollen Siebe im Reaktorsumpf solche Trümmer ebenso zurückhalten wie die Fasern des Isoliermaterials. Doch diese könnten die Siebe verstopfen, sodass kein Wasser mehr hindurchgeht. Der Kühlkreislauf wäre unterbrochen - mit einer Kernschmelze als mögliche Folge.

Bekannt ist dieses Szenario seit 1992, als ein solcher Störfall im schwedischen KKW Barsebäck auftrat. Ein Leckstrahl hatte 200 Kilogramm Dichtungs- und Dämmmaterial von den umgebenden Rohrleitungen gerissen und zerbröselt. Trümmer und Fasermaterial verstopften die Siebe, über die Notpumpen das Kühlwasser ansaugen sollen. Diese liefen irgendwann leer. Die Schweden entgingen nur knapp einer Katastrophe.

Atomaufsicht der Länder muss Rechenschaft ablegen

In der Folge versuchten Kraftwerksbetreiber und Aufsichtsbehörden, das Problem mit konstruktiven Änderungen an den Sumpfsieben in den Griff bekommen. In Deutschland wurden sie unter anderem vergrößert und zugleich ihre Maschenweite verringert. Doch Experimente, die der französische Reaktorbaukonzern Areva auf einem Teststand seines früheren Partners Siemens in Erlangen durchführte, ließen eine neue Gefahr erkennen: Die Dämmstoff-Fasern können sich zusammen mit Korrosionsprodukten an den Halterungen für die Brennelemente ablagern. Dabei bilden sie eine Art Filz, der die Kühlung des Kerns behindert.

Die kleine Lösung ist keine Lösung

Die Versuche zeigten auch, dass ein technischer Trick das Problem lösen könnte. Bei einer Verstopfung der Siebe müsste die Pumprichtung kurzfristig umgekehrt werden. Dann spült der gewissermaßen rückwärts laufende Kühlwasserstrom die Fasern vom Sieb. Doch sogleich tauchte ein neues Risiko auf: Möglicherweise muss für diesen Prozess die aktive Kühlung des Reaktorkerns kurzfristig unterbrochen werden. ´Ob bei der Rückspülung die Kühlung unterbrochen wird, hängt von einigen Randbedingungen ab´, erklärt der Reaktorexperte Christoph Pistner vom Öko-Institut in Darmstadt. ´Die Nachkühlsysteme sind vierfach redundant ausgelegt. Sind alle vier bei einem Kühlmittelverluststörfall voll funktionsfähig, kann man einzelne benutzen, um die Rückspülung durchzuführen. Dann muss die Kernkühlung möglicherweise nicht vollständig unterbrochen werden.´

´Störfallbeherrschung ist nicht gegeben´

Doch für die Sicherheitsanforderungen werden bestimmte Ausfälle unterstellt. Etwa, dass eine Pumpe nicht läuft, weil sie unbemerkt kaputtging, und eine zweite gerade gewartet wird. Dann bleiben zwei Pumpen. ´Sind diese an derselben Sumpfkammer angeschlossen, kann es passieren, dass sie gleichzeitig zur Rückspülung eingesetzt werden müssen. In diesem Fall würde die Kernkühlung unterbrochen´, so Pistner weiter. ´Es hängt auch davon ab, wie schnell die Rückspülung erforderlich ist, also wie schnell sich die Sumpfsiebe zusetzen und ob der Kern schon für eine gewisse Zeit gekühlt wurde, sodass eine Unterbrechung für kurze Zeit möglich ist.´

´Die Rückspülung ist ein Spiel mit dem Feuer zu einem Zeitpunkt, zu dem es ohnehin schon lichterloh brennt´, warnt indes Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). ´Man versucht, die Kühlung mit einer Maßnahme sicherzustellen, die sie selbst wieder infrage stellt. Wehe, wenn die Umkehrung der Pumpenrichtung in die ursprüngliche Richtung nicht funktioniert.´ Dass diese Maßnahmen untauglich sind, glaubt offenbar auch die deutsche Reaktor-Sicherheitskommission. Im Dezember 2008 stellte sie jedenfalls fest, der erforderliche Nachweis der Störfallbeherrschung sei nicht gegeben. Daraufhin forderte das Bundesumweltministerium im März dieses Jahres die Atomaufsichtsbehörden der Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, in denen die betroffenen Druckwasserreaktoren stehen, zum Handeln auf.

Koalitionsgespräche verschleppen Zuständigkeiten

Nun legten diese technische Unterlagen vor, mit denen sie die Sicherheit der Reaktoren nachweisen wollten. Doch vor den Experten fanden die Papiere keine Gnade, sie stellten Sicherheitsdefizite fest. Anfang Juli dieses Jahres veröffentlichte die DUH diesen Sachverhalt. Jetzt erst machte Umweltminister Sigmar Gabriel richtig Druck. Er setzte den Ländern bis zum 11. Oktober eine Frist zur Nachbesserung der Nachweise und auch zu begründen, warum sie den Weiterbetrieb betroffener KKW trotz der Gefahr dulden.

Wiederum antworteten die Länder laut dem Umweltministerium fristgerecht, die Schreiben werden derzeit ausgewertet. ´Kann der Nachweis nicht erbracht werden, ist nach dem Atomgesetz die Stilllegung die notwendige Maßnahme, bis die Sicherheit endgültig nachgewiesen ist. Dazu müssen möglicherweise auch Nachrüstungsmaßnahmen durchgeführt werden´, erläutert DUH- Bundesgeschäftsführer Rainer Baake, der früher Staatssekretär im BMU war.

Biblis droht das endgültige Aus

Dies lässt den Betreibern eine Hintertür, die gefährlichen Meiler länger am Netz zu halten. Deshalb fordert Baake, sie unverzüglich endgültig abzuschalten. ´Während in den Koalitionsgesprächen über Laufzeitverlängerungen für angeblich sichere Atomkraftwerke verhandelt wird, zeigt sich, dass bei acht Reaktoren der Nachweis einer Störfallbeherrschung fehlt´, kritisiert er.

Das Berliner Umweltministerium könnte zwar die Länder anweisen, die Stilllegung der Reaktoren zu veranlassen. Dass dies vor dem Regierungswechsel noch geschieht, ist aber unwahrscheinlich, zumal eine atomfreundliche neue Regierung die Entscheidung sofort rückgängig machen könnte.

Zumindest dem Block B des südhessischen KKW Biblis droht jedoch das endgültige Aus. Nach Gabriels erster Anforderung der Sicherheitsnachweise im Juli musste Hessens für die Atomaufsicht zuständiges Umweltministerium eingestehen, den Sicherheitsnachweis nicht führen zu können. Der Betreiber RWE sagte zwar eine Nachrüstung mit verbesserten Sumpfsieben zu. Doch der wegen einer Revision schon zuvor abgeschaltete Meiler ging bis heute nicht wieder ans Netz.

Biblis B steht jedoch nicht nur wegen dieses Problems im Zentrum der Kritik von Kernkraftgegnern. In der deutschen KKW -Pannenstatistik liegt der Meiler, der noch nicht einmal dem Aufprall eines kleinen Verkehrsflugzeugs standhalten würde, auf Platz vier. Die atomkritische Organisation ´Ärzte gegen den Atomkrieg´ (IPPNW) dokumentierte über 200 schwerwiegende Sicherheitsmängel. Deshalb beantragte sie bereits 2005 bei der hessischen Atomaufsicht die Stilllegung des Meilers. Da diese den Antrag ablehnte, reichten die IPPNW-Aktivisten im Dezember 2008 beim hessischen Verwaltungsgerichtshof eine Klage ein.

Laut IPPNW-Sprecher Henrik Paulitz räumte selbst das Wiesbadener Ministerium in einem internen Vermerk ein, dass Biblis B ´selbstverständlich´ nicht dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Paulitz: ´Damit genügt dieses Atomkraftwerk nicht dem vom Atomgesetz geforderten Sicherheitsstandard.´ Zwar ist laut Atomkonsens für Biblis A die endgültige Abschaltung für Ende 2009 vorgesehen, von Biblis B für 2010. Doch durch die von RWE geplante Übertragung von Reststrommengen würde sich die Laufzeit von Biblis B bis 2013 verlängern.

Kernkraft ist keine Brückentechnologie

In den Augen der Kritiker ist die Kernkraft auch keine Brückentechnologie, wie es die Berliner Koalitionäre einschließlich der Bundeskanzlerin Angela Merkel gern darstellen. Sie wollen die KKW laufen lassen, bis die erneuerbaren Energien zuverlässig den in Deutschland benötigten Strom erzeugen. ´Dafür brauchen wir weder Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken noch zusätzliche Kohlekraftwerksblöcke´, argumentiert die DUH. Vielmehr können aus Altersgründen oder wegen des gesetzlich festgelegten Atomausstiegs stillgelegte Großkraftwerke bis 2020 durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und neue flexible Gaskraftwerke ersetzt werden. Das bestätige ein Zwischenbericht einer Energiestudie des Solar-Instituts Jülich und der Fachhochschule Aachen.

´Das Festhalten an unflexiblen Großkraftwerken auf Basis von Kohle oder Atomkraft erschwert den von der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger gewünschten Ausbau der erneuerbaren Energien zunehmend´, urteilt DUH-Mann Baake. Der Grund: Der naturgemäß unstet anfallende Strom aus Wind und Sonne lasse sich nur dann in das Netz integrieren, wenn flexible, schnell regelbare Kraftwerke den Ausgleich zwischen schwankendem Strombedarf und dem ebenfalls schwankenden Stromangebot schaffen. Für eine Übergangszeit seien dazu mehr flexible Gaskraftwerke notwendig, später könnten Stromspeicher und ein internationaler Stromverbund den notwendigen Ausgleich bewerkstelligen.

Auch Albert Filbert, Vorstandsvorsitzender der Südhessischen Energie AG, deren Tochterfirma Entega zu den Ökostromanbietern zählt, wendet sich gegen die Laufzeitverlängerung der KKW. Sie seien nicht in der Lage, notwendige Schwankungen bei der Einspeisung aus regenerativen Quellen auszugleichen. Zugleich würden wichtige Investitionen in die Moderni­sierung der Erzeugungsstrukturen, insbesondere der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, mit dem Ausstieg aus dem Ausstiegsbeschluss obsolet. ´Die Kernenergie ist als Brückentechnologie vollkommen ungeeignet´, sagt Filbert. Auch eine Differenzierung in sicherere und weniger sichere Kernkraftwerke sei zu einfach. Nicht nur der laufende Betrieb, sondern auch die Endlagerung sei in die Betrachtung einzubeziehen. Filbert: ´Wer von sicheren Kernkraftwerken spricht, der muss auch belastbar sagen können, wo er den Atommüll sicher endlagert.´

Milliardengewinne für die Stromkonzerne

Beide Experten skizzieren den unvermeidlichen Systemkonflikt zwischen den erneuerbaren und den alten Energietechniken. Er zeigte sich bereits mehrfach an der Strombörse EEX in Leipzig. Ab September 2008 sank der Strompreis wiederholt auf null und sogar darunter, weil vor allem Windkraftanlagen kräftig in das Netz einspeisten. In der Nacht zum 4. Oktober 2009 erreichte der Strompreis ein Allzeittief von minus 500,02 Euro pro Megawattstunde. Der Grund ist laut DUH, dass die Stromkonzerne ihre Kraftwerke auch dann weiterlaufen lassen, wenn die Erneuerbaren den Großteil des Strombedarfs decken. Deshalb müssen sie zahlen, damit ihnen jemand den überschüssigen Strom abnimmt.

Dass Deutschland mit viel weniger der störanfälligen Atommeiler auskommt, ohne dass die Lichter ausgehen, zeigt sich auch daran, dass seit Jahresbeginn zumeist fünf bis acht der insgesamt 17 KKW aufgrund von Pannen, Reparaturen oder Wartungsarbeiten stillstanden. Auch jetzt sind sechs Reaktoren vom Netz, sodass insgesamt nur 64 Prozent der nuklearen Kraftwerkskapazität zur Stromerzeugung verfügbar ist. Der einzige Grund für die Betreiber, um die verlängerten KKW-Laufzeiten zu kämpfen, sind die zu erwartenden Milliardengewinne. Die neue Regierung möchte sie den Konzernen offenbar gewähren. Immerhin plant sie, einen Teil davon abzuschöpfen. Die genaue Ausgestaltung - etwa, ob die erneuerbaren Energien davon profitieren oder vielleicht auch einmal die Verbraucher - steht aber noch in den Sternen.

quelle   contratom.de  .  datum  23.10.2009

 

Biblis
Zum Pfusch gezwungen

Ein amtliches Gutachten bestätigt die Vorwürfe von groben Schlampereien im alten AKW Biblis A. Die hessische Atomaufsicht hält eine Nachrüstung des etwas neueren Biblis B für ´unmöglich´.

Im AKW Biblis A kam es Ende 2002 bei umfangreichen Änderungsarbeiten an sicherheitsrelevanten Anlagenteilen zu groben Schlampereien. Das belegt ein im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstelltes Gutachten des Öko-Instituts. Es sei nicht auszuschließen, so warnen die Experten, ´dass derzeit noch weitere Planungsfehler in der Anlage vorhanden´ seien.

Auslöser für die Untersuchung waren die Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters von Areva/Siemens. Der Elektromonteur war mit der Aufsicht über Arbeiten im AKW Biblis betraut gewesen. Da er nicht die Verantwortung für die Schlampereien übernehmen wollte, wandte er sich im Jahr 2007 an die Organisation Ärzte gegen Atomkrieg (IPPNW), die die Hinweise an das Bundesumweltministerium weiterleitete.

Die hessische Atomaufsicht wies die Vorwürfe seinerzeit noch als haltlos zurück und sprach von ´längst abgearbeiteten Mängeln´. Das Gutachten belegt nun das Gegenteil. Auf 99 Seiten listet es ´Planungsfehler in der Elektro- und Leittechnik´ sowie Montagefehler in den ´Schaltschränken und an den Armaturantrieben´ auf. Die Fehler seien bereits für mehrere Störungen verantwortlich gewesen. Außerdem sei es ´möglich´, dass ´nicht alle potenziellen Montagefehler´ bereits behoben wurden. Dokumente des Landesumweltministeriums belegen, dass dieses selbst bis Ende 2007 rund 1.600 ´fehlerhafte Pläne´ überprüfen ließ. Das CDU-Ministerium sei damit ´der Lüge überführt´, urteilt IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz.

Wie aus dem Gutachten hervorgeht, hatte der Elektromonteur von einem ´organisatorischen Chaos´ und einer ´durch Streit, Schuldzuweisungen, gegenseitige Vorwürfe, Intrigen, Lügen und Bedrohung bis hin zur Nötigung´ vergifteten Arbeitsatmosphäre berichtet. Die Mitarbeiter seien zum Pfusch ´gezwungen´ gewesen. Dabei sei es etwa zu Kurzschlüssen gekommen, ´bei denen ganze Anschlussstifte und Leitungsverbindungen schmolzen und erheblich beschädigt´ und nur ´notdürftig wiederhergestellt´ wurden. Sein Team habe beim Einbau im Reaktor sogar an bereits getesteten Bauteilen ´Montageänderungen´ durchführen müssen, berichtete der Monteur. Die Gutachter empfehlen daher ´Verdrahtungs- und Funktionsprüfungen´. Insbesondere müsse sichergestellt werden, dass die Steuersignale des Reaktorschutzsystems für wichtige Ventile, Klappen und Schieber stets Vorrang vor den Eingriffen des Betriebspersonals hätten.

RWE wies alle Vorwürfe zurück und teilte mit, Sicherheit habe stets ´oberste Priorität´. Biblis ist das älteste deutsche AKW, das noch in Betrieb ist. Die beiden Reaktoren sind allerdings wegen Reparaturen seit Anfang des Jahres vom Netz.

Im Rechtsstreit über die Abschaltung des zwei Jahre jüngeren Reaktorblocks Biblis B räumte das hessische Umweltministerium unterdessen ein, dass dieser wie Block A ´nicht dem heutigen Stand der Wissenschaft und Technik entspricht´. In einem am Dienstag bekannt gewordenen Schreiben von Ende August äußert sich das Ministerium auch skeptisch zu Überlegungen, die Sicherheit der Uraltmeiler nennenswert zu verbessern. Den Reaktor, wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert, auf den ´neuesten Stand von Wissenschaft und Technik´ nachzurüsten, sei ´mit den Naturgesetzen unvereinbar´ und daher ´unmöglich´.

quelle   contratom.de  .  datum  23.10.2009

 

Protestmail gegen AKW-Subventionen
Unfassbar! Neue Bundesregierung plant: Atomexporte sollen wieder staatlich gefördert werden

Was sind das nur für Menschen diese Politiker, die das eigene Volk ausbluten lassen und den Tod unzähliger Kinder und Staatsbürgern, um der Atommafia in den Arsch zu kriechen, die Milliardengewinne einfährt aber nicht bereit ist, für die Folgekosten der mörderischen kernkraft gerade zu stehen.
Ich werde demnächst auch meinen ganzen Müll in die Bayreuther Fussgängerzone schmeissen und die Stadt Bayreuth auffordern, diesen zu entsorgen.

Dringender Aufruf: Bitte unbedingt noch heute protestieren!

Nicht nur, dass schwarz-gelb die deutschen Atomreaktoren länger laufen lassen will. Im Ausland, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, wollen sie sogar den Neubau von Atomkraftwerken fördern. Schwarz-gelb will die Hermes-Umweltleitlinien abschaffen, dies soll im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden. Die Leitlinien verbieten bisher, dass Atomexporte durch staatliche Hermesbürgschaften gefördert werden. Der Atomindustrie hat das nie geschmeckt, denn sie braucht alle Subventionen, die sie kriegen kann. Dass sie damit zur globalen Unsicherheit beiträgt, ist ihr egal.

Wir bitten Euch deshalb, protestiert bei den Verantwortlichen von CDU/CSU und FDP gegen diese Pläne. Bitte schnell, denn der Koalitionsvertrag soll am nächsten Montag schon unter Dach und Fach sein.

Leitet diesen Aufruf unbedingt weiter, wir bekamen heute diese Informationen, es blieb keine Zeit, den Aufruf gemeinsam mit Partnerorganisationen zu verbreiten.

BITTE BEACHTEN: DIES IST KEINE AUTOMATISIERTE PROTESTAKTION.
Der Text muss manuell kopiert werden und in die E-Mail an die 3 Empfänger selber eingefügt werden!

internetpost@bundeskanzlerin.de
Horst.Seehofer@csu-bayern.de
guido.westerwelle@bundestag.de

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Westerwelle, sehr geehrter Herr Seehofer,

ich habe mit Bestürzung wahrgenommen, dass mit dem Koalitionsvertrag de facto die Hermes-Umweltleitlinien abgeschafft werden sollen. Dies bedeutet, dass künftig wieder Atomexporte mit staatlicher Unterstützung möglich sind. Mir ist unbegreiflich, dass Sie das verantworten wollen, denn die Gefahren sind enorm:

1. Die Atomkonzerne Siemens und Rosatom wollen ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Damit könnten zukünftig Hermesbürgschaften für die weltweite Verbreitung von russischen Reaktoren erteilt werden, deren Unsicherheit der Unfall von Tschernobyl eindrücklich bewiesen hat und deren neuere Modelle ebenfalls mit zahlreichen Schwierigkeiten kämpfen.

2. Der iranische Atomreaktor Buschehr wurde mit Hermesbürgschaften abgesichert. Deutschland ist an den Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm beteiligt, um die Gefahr einer neuen Atomwaffenmacht zu bannen. Da der Weg zur Atombombe fast immer über zivile Atomprogramme läuft, können neue Bürgschaften für neue Reaktoren in Ländern mit unsicheren politischen Verhältnissen viele neue ´Irans´ schaffen.

3. Konkret könnte der unverantwortliche Reaktor ´Belene´ in Bulgarien gefördert werden, ein Projekt, das in einer Erdbebenregion gebaut werden soll. Zwölf internationale Privatbanken sind aus dem Projekt schon ausgestiegen, weil die ökologischen und wirtschaftlichen Risiken zu groß sind. Die neue bulgarische Regierung musste feststellen, dass in der allerersten, vorbereitenden Bauphase bereits 400 Millionen Euro unauffindlich versickert sind. Aktuell ist die Realisierung des Projekts wegen der zahlreichen Probleme und der unsicheren Finanzierung unklar. Mit einer Hermes-Bürgschaft würden die wirtschaftlichen Risiken auf deutsche Steuerzahler übertragen und somit der Bau wieder attraktiver.

Ignorieren Sie diese Probleme nicht! Die Atomkraft ist eine Technologie mit einzigartigem Katastrophenpotenzial. Als Steuerzahler möchte ich nicht dazu beitragen, dass sie in Entwicklungs- und Schwellenländer mit hoher Korruption, niedrigem Sicherheitsniveau und schwachen Aufsichtsbehörden exportiert wird. Verhindern Sie, dass die Hermes-Umweltleitlinien abgeschafft werden.

quelle   contratom.de  .  datum  23.10.2009

 

SchwarzGelbe Energiepolitik
Schattige Zeiten für Solarenergie

Schwarz-Gelb will "ökologische Fehlanreize" mit einem neuen "Energiekonzept" korrigieren. Die Vergütung beim Solarstrom soll gesenkt werden. VON NADINE MICHEL

Ob erneuerbare Energie oder Atomkraft - viele energiepolitische Entscheidungen will die schwarz-gelbe Koalition mit Verweis auf ein noch zu erstellendes "Energiekonzept" in die Zukunft verschieben. Nur bei einem Thema soll es schneller gehen: Bei der Förderung von Solarstrom, die Union und FDP schon im Wahlkampf als überhöht kritisiert hatten.

Im Entwurf des Koalitionsvertrags findet sich nun die Formulierung, man werde mit der Solarbranche darüber sprechen, "mit welchen Anpassungen kurzfristig Überförderungen bei der Fotovoltaik vermieden werden können". Das klingt zwar weniger scharf als frühere Entwürfe, die bereits konkrete Daten für geringere Fördersätze genannt hatten. Dennoch ist nun klar, dass der Solarbranche deutliche Einschnitte drohen.

Der Streit um die Vergütungssätze schwelt schon seit Monaten. Angeheizt wurde er durch eine Studie des Rheinisch -Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Demnach müssten die deutschen Stromkunden allein für die in den Jahren 2000 bis 2008 installierten Fotovoltaik-Anlagen insgesamt 35 Milliarden Euro zusätzlich bezahlen, verteilt über einen Zeitraum von 20 Jahren. So lange gilt die gesetzlich vorgeschriebene Vergütung für den Solarstom.

Während der Koalitionsverhandlungen hatte das RWI mit einem neuen Papier nachgelegt. Die Stromproduktion auf Basis von erneuerbaren Energietechnologien sei "mit enormen Kosten verbunden. Infolgedessen zählen diese Technologien zu den am wenigsten effizienten Klimaschutzmaßnahmen", heißt es darin. Die deutsche Art der Förderung der erneuerbaren Energien, die ansonsten international oft als vorbildlich bezeichnet wird, dient dem RWI zufolge als "Paradebeispiel für eine extrem verschwenderische Umwelt- und Energiepolitik".

Derzeit liegt die Höhe der Einspeisevergütungen für Solarstrom je nach Anlagengröße zwischen 32 und 43 Cent pro Kilowattstunde . Die Mehrkosten, die gegenüber dem konventionellem Strom entstehen, werden auf die Stromkunden umgelegt. Das EEG sieht jedoch auch vor, dass aufgrund wachsender Effizienz der garantierte Strompreis für neue Anlagen jährlich um 9 Prozent sinkt. Diese Degression wird zum einen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls weiter verstärkt, zum anderen ist sie dynamisch angelegt: Wächst die Branche stärker als erwartet, beträgt die Degression automatisch 10 statt 9 Prozent, fällt das Wachstum geringer aus, sinkt sie auf 8 Prozent.

Die Solarindustrie lehnt die Forderung nach niedrigeren Sätzen ab - und schießt mit ihren Zahlen zurück. Vom Wachstum der Solarbranche profitiere nicht nur das Klima, sondern auch der Staat, argumentiert der Bundesverband Solarwirtschaft und verweist darauf, dass sich allein 2008 Steuereinnahmen in Höhe von knapp 3 Milliarden Euro aus der direkten und indirekten Besteuerung deutscher Solarstromunternehmen ergeben hätten. Die im selben Jahr über das EEG gewährten Zahlungen hätten hingegen rund 2 Milliarden Euro betragen.

Der Geschäftsführer des Solarverbandes, Carsten König, erklärt zudem, dass zwar die Produktionskosten gesunken seien, jedoch nicht so stark wie die Preise. Vor allem ein Einbruch des spanischen Marktes habe zu einem großen Überangebot geführt, da der europäische Südstaat kaum noch Anlagen abgekauft hat. "Wegen des Wettbewerbsdrucks waren die Unternehmen gezwungen, unter ihren Kosten zu verkaufen", sagte König. Aufgrund dieses Preiswettbewerbs gebe es keinen Anlass, die Förderungsregelung aufzubrechen. Die Unternehmen und die Forschung bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen.

Andreas Bett vom Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme unterstützt die Argumente des Verbandes. "Man hat die Entwicklung der Solarbranche vorhergesehen. Dass die Preise so schnell runtergehen, hat man sicherlich nicht vorgesehen." Deshalb sehe das EEG genau die richtige Maßnahme vor, da die Vergütungen sowieso automatisch jährlich zurückgefahren würden. "Das war sehr schlau gemacht von den Politikern", sagt Bett. Ob diese Kürzungen insgesamt ausreichend seien, dafür wiederum, so findet Bett, sei es jetzt noch zu früh.

Durch die derzeitig niedrigen Modulpreise habe sich lediglich eine Verschiebung ergeben. Die Gewinnmarge für die Industrie sei geschrumpft, so Bett; dafür erhielten die privaten Haushalte mehr Rendite. "Die Modulhersteller haben geringere Renditen; das Wachstum hat sich verlangsamt; Q-Cells entlässt Mitarbeiter - das ist ein normales Marktgeschehen", sagt Bett. "Man sollte abwarten und gucken, wie sich das weiter entwickelt."

Das sieht auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) so. "Es gäbe sonst eine ständige Unsicherheit für Investoren", sagt Verbandssprecher Daniel Kluge. Das Bundesumweltministerium erstelle ohnehin alle vier Jahre einen Erfahrungsbericht, um eine eventuelle Über- oder Unterförderung zu vermeiden. Diese Überprüfung soll nun allerdings nach Plänen der schwarz-gelben Koalition häufiger durchgeführt werden: Alle zwei Jahre statt wie bisher alle vier Jahre.

Viel entscheidender wird aber vermutlich sein, welches Ministerium dafür zuständig ist. Die Wirtschaftspolitiker würden die erneuerbaren Energien gern vom Umwelt- ins Wirtschaftsministerium verlagern, doch dieser Machtkampf ist noch offen.

Erneuerbare Energien

Etwa 15 Prozent des deutschen Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen. Weil die Stromerzeugung aus Wind, Wasser, Biomasse und Sonne derzeit noch teurer ist als aus konventionellen Kraftwerken, wird sie über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert.

Die Erzeuger: Die Produzenten alternativer Energien erhalten für den Zeitraum von 20 Jahren garantierte Preise für ihren produzierten Strom. Die Mehrkosten werden auf alle Stromkunden umgelegt. Vom durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 23 Cent pro Kilowattstunde macht dieser Mehrpreis etwa 2 Cent aus.

Die Vergütung: Beträgt derzeit pro Kilowattstunde je nach Größe und Standort der Anlage bei Windkraft 5 bis 15 Cent, bei Wasserkraft 3,5 bis 13 Cent, bei Biomasse 8 bis 18 Cent und bei Solarstrom 32 bis 43 Cent.

quelle   taz.de  .  datum  23.10.2009

 

Programm gegen Extremismus
Schwarz-Gelb verharmlost Nazigewalt

Die Koalition will das bisherige Programm gegen Rechtsradikalismus auch zum Kampf gegen Linke und Islamisten nutzen. Aktivisten gegen rechts sind entsetzt. VON PAUL WRUSCH

Union und FDP wollen künftig die Programme gegen rechts auch zur Bekämpfung von Linksextremismus und Islamismus nutzen. Das geht aus dem Entwurf des Koalitionsvertrags hervor, der der taz vorliegt.

Darin heißt es, dass "die Aufgabenfelder des Fonds für Opfer rechtsextremistischer Gewalt sowie des Bündnisses für Demokratie und Toleranz auf jede Form extremistischer Gewalt ausgeweitet werden". Die vom Bund geförderten Programme gegen Rechtsextremismus sollen zudem in Zukunft als "Extremismusbekämpfungsprogramme unter Berücksichtigung der Bekämpfung linksextremistischer und islamistischer Bestrebungen" fortgeführt werden. Aus dem Entwurfstext für den Bereich Justiz und Inneres geht hervor, dass Rechtsextremismus nicht mehr explizit genannt wird, sondern mit Extremismen jeder Art gleichgestellt wird.

"Wenn es denn so kommt, ist das ein dramatischer Schritt", erklärt Timo Reinfrank, Geschäftsführer der antirassistischen Amadeu -Antonio-Stiftung. Letztlich führe diese Gleichsetzung dazu, dass Rechtsextremismus verharmlost wird. "Die Bundesprogramme werden so in ihrer bisherigen Form infrage gestellt", sagt Reinfrank. Es sei fraglich, ob es überhaupt nennenswerte Opferzahlen vermeintlich linksextremer Gewalt gebe.

Auch Grüne und die Linkspartei kritisieren das Vorhaben scharf. "Union und FDP haben schon im Vorfeld mehrfach Rechts- und Linksextremismus gleichgesetzt", sagt Daniel Gollasch, Rechtsextremismusexperte der Berliner Grünen. Damit werde der Nationalsozialismus relativiert.

"Die Union versucht schon seit langem, den Kampf gegen rechts staatlich zu kontrollieren", sagt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linken. Das Vorhaben sei völlig verfehlt. Links- und Rechtsradikalismus auf eine Ebene zu stellen trage zur Verharmlosung von rechter Gewalt bei. "Seit 1993 sind über 140 Menschen durch Gewalt von rechts ums Leben gekommen, aber kein Einziger durch Gewalt von links", erklärt Jelpke.

Christian Ahrendt, Extremismusexperte der FDP, verteidigt den Entwurf. "Die Programme können nicht breit genug aufgestellt werden, man darf sich nicht nur auf Rechtsradikalismus konzentrieren", so Ahrendt zur taz. Es ginge nicht um die Abschaffung der Programme, sondern um ihre Verfestigung und darum, sie auch auf andere Bereiche auszuweiten. Ob die finanziellen Mittel zur Bekämpfung von rechts künftig gekürzt würden, konnte Ahrendt nicht beantworten.

Seit 2001 werden Mittel zur Entschädigung von Opfern rechtsextremer Gewalt bereitgestellt. Für 2008 und 2009 wurden für die "Härteleistungen für Opfer rechtsextremistischer Übergriffe", wie der Fonds offiziell heißt, je 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Zum Kampf gegen Rechtsextremismus sind im Haushalt für 2009 und 2010 Mittel in Höhe von 19 Millionen Euro vorgesehen.

quelle   taz.de  .  datum  23.10.2009

 

Banken-AGB mit Fallstricken
Daher: Konto auflösen und das Geld unters Kopfkissen - dann kommen die Nassgekämmten wieder gekrochen

Zum 31.10. gleichen die Finanzinstitute ihre Geschäftsbedingungen an europäisches Recht an: Kunden müssen nun besser aufpassen – und sind bei EC-Karten-Missbrauch selbst verantwortlich. VON BEATE WILLMS

Viele Bankkunden finden einen Umschlag im Briefkasten, andere nur einen Verweis auf dem Kontoauszug. Ernst nehmen sollten sie die Informationen auf jeden Fall: Die Finanzinstitute ändern zum 31. Oktober ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) - und damit die Rechte ihrer Kunden. Anlass ist eine EU-Richtlinie, die den Zahlungsverkehr in Europa vereinheitlichen soll. Verbraucherschützer befürchten jedoch, dass manch eine Bank die Gelegenheit genutzt und gleich auch ein paar andere Änderungen ihrer Geschäftsgrundlagen vorgenommen hat.

Prinzipiell kann jeder Kunde den neuen AGB widersprechen. "Für die Banken geht es jedoch um ein Massengeschäft", sagt Edda Costello von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Die kündigen einfach." Fraglich sei, ob man woanders besser bedient ist.

Denn bei den Punkten, an denen sich bei der Bundestagsdebatte zur Umsetzung in deutsches Recht im letzten Jahr die größten Konflikte zwischen Bankenlobby und Verbraucherschützern auftaten, machen die Geldhäuser kaum Unterschiede. So gilt künftig überall, dass Überweisungsaufträge nicht mehr widerrufen werden können, wenn sie einmal abgeschickt sind. Zudem werden die Finanzinstitute Namen und Kontonummer nicht mehr abgleichen. Verdreht man die Zahlen versehentlich, landet das Geld womöglich auf einem fremden Konto, und man muss sich selbst darum kümmern, es wiederzubekommen. "Manche Banken bieten dabei Hilfe an", sagt Jana Brockfeld vom Verbraucherzentrale Bundesverband. "Das kostet extra." Hat der unberechtigte Empfänger das Geld bereits ausgegeben, ist das Pech für den Überweisenden.

Auch beim Online-Banking und der EC-Karte ist noch mehr Vorsicht angesagt. Denn ab November müssen Kunden bis zu 150 Euro selbst zahlen, wenn Karte oder Konto missbraucht werden, ohne dass sie selbst fahrlässig waren. Die Sparkassen und Volksbanken wollen hier zwar weiter voll für unverschuldete Verluste einstehen, formulieren das laut Brockfeld aber so vage, dass "unsicher ist, ob die Kunden dabei tatsächlich gewinnen".

"Die Banken sind trotz der Krise offenbar nicht bereit zu mehr Kundenfreundlichkeit", sagt Nicole Maisch von den Grünen. Sie ärgert vor allem, dass manche Institute "offenbar auch versuchen, ärmere Kunden loszuwerden". Bislang konnten sie Girokonten nur bei größeren "wirtschaftlichen Änderungen" kündigen. Jetzt wollen die Sparkassen das schon bei der ersten Kontopfändung machen.

Die Neuerungen, die dagegen von allen Seiten als positiv empfunden werden, sind schnell aufgezählt: beschleunigte grenzüberschreitende Zahlungen, europaweite Lastschriften und vereinfachte Bankenwechsel.

"Wir fürchten, dass die Angleichungen für manche Banken nur Nebenschauplätze sind", sagt Costello. "Schon der Umfang der Vertragswerke macht uns misstrauisch: Da können sich noch ganz andere Klöpse verstecken." Für übergreifende Gutachten fehlen den Verbraucherschützern die Ressourcen. Costello appelliert an die Kunden, den Verbraucherzentralen konkrete Konflikte mit ihren Banken zu melden. "Ich kann mir vorstellen, dass wir dann den ein oder anderen Musterprozess führen."

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Beispiele belasteter Lebensmittel
Gift in der Schokolade

Welche Lebensmittel sind mit Giften und Schwermetallen belastet? Drei Beispiele der Kontrolleure, die keineswegs den Appetit anregen. VON M. KREUTZFELDT UND H. GERSMANN

Cadmium in Spinat: Im gesunden Gemüse Spinat, das in der Vergangenheit bereits durch hohe Nitratbelastungen in Verruf geraten war, fand sich im Jahr 2008 durchgängig Cadmium. Das Schwermetall, das sowohl natürlich in der Erdkruste vorkommt als auch vom Menschen in die Umwelt gebracht wird, führt bei längerfristiger Aufnahme zu Nierenschäden und ist zudem als krebserzeugend eingestuft. Seit Anfang 2009 gilt in der Europäischen Union ein strengerer Grenzwert.

Beim Spinat wurde der zulässige Höchstgehalt in 12 Prozent der Proben - überwiegend aus Deutschland - überschritten; bei weiteren 7 Prozent der Spinatproben war der Höchstgehalt zu mehr als 75 Prozent ausgeschöpft.

Als Konsequenz fordert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit "weitere Überwachungsmaßnahmen". Zudem sollte die Empfehlung, Spinat nur noch auf cadmiumarmen Böden anzubauen, stärker berücksichtigt werden.

Erhöhte Cadmiumwerte fanden sich zudem teilweise in Putenfleisch, in Reis und in Bitterschokolade.

Ochratoxin A in Schokolade, Lakritz und Gewürzen: Der Giftstoff Ochratoxin A wird von Schimmelpilzen beim Wachsen abgegeben . "Er ist sehr giftig", sagt Hermann Kruse, Toxikologe an der Uniklinik in Kiel.

Zwar sei unklar, wie er beim Menschen wirke. Experimente an Mäusen hätten aber gezeigt: Ochratoxin schädigt das Immunsystem, sorgt für Leber- und Nierenschäden, kann in hohen Dosen gar zu Tumoren führen und zieht Fehlentwicklungen bei Neugeborenen nach sich.

Besonders häufig wurde das Schimmelgift in dunkler Schokolade gefunden. Hier waren sämtliche Proben belastet. Unmittelbare Gefahr besteht allerdings nicht: Die Dosis, die den Mäusen in Versuchen verabreicht werde, sei um ein Tausendfaches höher als die in Schokoladen gefundene Menge, sagt Toxikologe Kruse: "Man kann gar nicht so viel Schokolade essen, um eine gefährliche Dosis des Gifts aufzunehmen." Trotzdem appelliert er an die Hersteller, die Dosis zu minimieren - und Kakaobohnen schnell zu verarbeiten und allenfalls im Trockenen bei guter Durchlüftung zu lagern.

Daneben fand sich das Gift auch häufig in Lakritze und Paprikapulver. Hier wurde der in der EU geplante Grenzwert bei 15 Prozent der Proben überschritten.

Amitraz in Birnen: Das aktuell in türkischen Birnen gefundene Amitraz wirkt als Giftstoff gegen Insekten und Milben. Weil der Stoff besonders giftig ist, ist er in Deutschland nicht zugelassen. Seit 2008 darf das Pestizid in der gesamten EU nicht mehr eingesetzt werden. Es kann zu Sprachstörungen, Schläfrigkeit und niedrigem Blutdruck führen, vor allem bei Kleinkindern. Bei Imkern ist das Insektizid zudem gefürchtet, weil es auch gegen Bienen toxisch wirkt.

Untersucht wurden in diesem Jahr Birnen aus unterschiedlichen Ländern; kritisch waren ausschließlich Früchte aus der Türkei. Diese überschritten die zulässigen Grenzwerte allerdings erheblich: Bis zu 1.500-mal so viele Rückstände und Gifte wie tolerabel wurde gefunden. Damit gelten diese Birnen offiziell als "nicht sichere Lebensmittel", in einigen Fällen als "gesundheitsschädlich". Sie wurden in den vergangenen Tagen vernichtet.

Der baden-württembergische Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) fordert als Konsequenz "EU-weite Einfuhrbeschränkungen für Birnen aus der Türkei".

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Viel Gift und wenig Konsequenzen
Behörden finden Schadstoffe in vielen Lebensmitteln

Aktuell warnen sie vor Birnen aus der Türkei. Details über Rückstände erfahren die Konsumenten aber nur selten.

Im aktuellen Fall wurde schnell reagiert: Nachdem die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung in Birnen aus der Türkei das Insektengift Amitraz in gefährlicher Konzentration gefunden hat, wurden die Früchte am vergangenen Freitag flächendeckend aus dem Handel genommen und vernichtet. Betroffen waren sämtliche untersuchten Birnen; eine der Proben hatte die zulässige Höchstmenge um das 1.500-fache überschritten. Bei Kleinkindern sei dadurch eine Gesundheitsgefährdung möglich, teilte das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart mit. Weil von einem bundesweiten Problem ausgegangen wird, alarmierten die Stuttgarter auch ihre Kollegen in anderen Bundesländern und warnen bis auf Weiteres vor dem Verzehr türkischer Birnen.

Belastete Birnen waren bereits im vergangenen Jahr bei Lebensmittelkontrollen aufgefallen und vom Markt genommen worden. Auch in anderen Obstsorten fanden Lebensmitteltester messbare Rückstände von Pflanzengiften, wie aus dem am Montag vorgestellten Jahresbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hervorgeht. Bei Birnen, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Zitrusfrüchten etwa fanden sich Pestizidrückstände in 76 bis 90 Prozent der untersuchten Proben.

Ein gemischtes Bild ergab sich beim Gemüse: In Bioware fanden sich kaum Rückstände. Bei konventionellen Produkten waren Kartoffeln, Spinat und Zwiebeln kaum belastet, während bis zu 70 Prozent der getesteten Gurken, Bohnen und Karotten Rückstände enthielten. Weil die Konzentrationen jedoch kein akutes Risiko für die Verbraucher darstellten, hatten diese Kontrollen keine Folgen.

Kritischer sieht das Bundesamt die Belastung mit Giften aus Schimmelpilzen, die in Reis, Gewürzen, Bitterschokolade und Lakritze gefunden wurden. "In diesen Bereichen sind verstärkte Eigenkontrollen der Unternehmen zu fordern", sagte Gerd Fricke, Lebensmittelexperte im Bundesamt. Auch neue Grenzwerte könnten helfen.

Verbraucherschützern und Umweltverbänden reicht das nicht. Die Ergebnisse des Jahresberichts seien "die jährliche Bankrotterklärung des Verbraucherschutzes", sagte Thilo Bode von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Notwendig sei "Abschreckung durch Transparenz", und diese lasse sich nur erreichen, indem die Namen betroffener Firmen genannt werden. Auch Manfred Santen von Greenpeace fordert: "Verbraucher sollten sich einfach informieren können, welcher Supermarkt was verkauft." Bisher ist das schwierig. Das im Jahre 2008 in Kraft getretene Verbraucherinformationsgesetz erweist sich als Flop: Mitarbeiter des Verbraucherzentrale Bundesverbands (Vzbv) haben bei den zuständigen Ämtern Auskünfte eingefordert. "Das erwies sich als zu teuer und zu langsam", sagt Vzbv-Sprecher Christian Fronczak - "und dann werden die gewünschte Ergebnisse nicht geliefert". Das Bundesamt lehnt es ab, genau zu sagen, wie viel Gift in welcher Schokolade genau steckt. "Solange keine wirkliche Gefahr vorliegt, werden Namen nicht öffentlich gemacht", sagte Sprecher Andreas Tief. Dafür gebe es "keine rechtliche Handhabe".

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Familienleben mit Hartz IV
Keine Geschenke und Räder auf Pump

Während Karlsruhe über Hartz IV verhandelt, versuchen Eltern mit den Leistungen klarzukommen. Mona Charkas ist eine von ihnen, sie hat 1.202 Euro für sich und ihre vier Kinder. VON THOMAS SALTER

Ganze 215 Euro für ihre kleine Tochter Mariam - das ist der Betrag, den der Staat für ein vierjähriges Kind im Rahmen von Hartz IV vorsieht. Mona Charkas zieht langsam die Schultern hoch und lächelt müde. Sie lächelt wie jemand, der aufgehört hat sich aufzuregen. Mona Charkas ist dreißig Jahre alt und versucht mit Hartz IV ihre vier Kinder großzuziehen.

Ihr ältester Sohn Ibrahim ist neun Jahre alt. Die Tabelle der Hartz-IV-Regelsätze sieht für ein Kind seines Alters 251 Euro vor, seine zwei Brüder, die Zwillinge Zakarias und Yahay, sechs Jahre alt, jeweils noch einmal 251 Euro. Mariam hat einen Anspruch auf 215 Euro. Für Mona Charkas sind diese Zahlen willkürlich. "Ein Mädchen ist viel teurer als ein Junge, vor allem in diesem Alter", sagt sie.

Die Rechnerei mit Regelsätzen ist mühsam, am Ende zählt, was sie ihren Kindern bieten kann. Und das ist nicht viel. Dieses Jahr mussten die Zwillinge auf ihr Geburtstagsgeschenk verzichten. Um beiden ein Fahrrad zu kaufen, musste sie sich von ihrem Freund Geld leihen. "Wenn mir meine Schwester und mein Freund nicht helfen würden, müsste ich am Ende des Monats betteln gehen", sagt sie ruhig und lächelt.

1.202 Euro hat sie im Monat für ihre Familie. Sie erhält für die Kinder Unterhaltsvorschüsse, dazu Kindergeld. Das Geld wird jedoch von ihrem Hartz-IV-Anspruch abgezogen. Die Miete übernimmt das Jobcenter. Seit diesem Jahr bekommen Eltern für Schulkinder 100 Euro extra im Jahr, um ihren Kindern Schulsachen zu kaufen. Für ihre Zwillinge muss sie jeweils 23 Euro Kindergartengebühr bezahlen, pro Monat. Mariams Kindergartenplatz kostet 33 Euro. Dazu kommen 26 Euro für den Hort, den Ibrahim besucht. Mona muss sich jede Ausgabe genau überlegen. Wegen des frühen Wintereinbruchs mussten neue Winterjacken her, früher als erwartet. Bei Kik fand sie zum Glück Sonderangebote.

Mona Charkas wurde im Libanon geboren, als Exilpalästinenserin. Mit fünf Jahren kam sie nach Deutschland. Nach ihrem erweiterten Hauptschulabschluss begann sie eine Ausbildung als Hotelfachfrau, die sie nie abschloss. Nach der Heirat wollte ihr Mann nicht, dass sie weiter arbeite. Vor drei Jahren trennte sie sich von ihm, im April ließ sie sich scheiden. Sie lebt allein mit ihren Kindern, ihr Exmann zahlt keinen Unterhalt und sieht seine Kinder nicht.

Ein mehrstöckiger Betonklotz in Kreuzberg, davor Blumenkübel aus Stein, ein bisschen wie ein Schutzwall. Hier, im vierten Stock, wohnt die Familie Charkas, fünf Menschen in drei Zimmern. Vor der Wohnungstür liegen vier winzige Paar Schuhe. Die kleine Mariam weint, als Mona die Wohnung verlassen will, ihre zwei schwarzen Zöpfchen wackeln beim Schluchzen. "Sie mag es nicht, wenn ich weggehe", sagt Mona. Gerne würde sie in Teilzeit arbeiten. Das Jobcenter bot ihr neulich einen Vollzeitjob im Seniorenheim an, 1.000 Euro Netto. Aber sie will für ihre Kinder da sein können.

Frau Charkas macht sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder: "Ich glaube nicht, dass ich es mir leisten kann, sie studieren zu lassen." Ibrahim tut sich in der Schule schwer, er leidet unter der Scheidung. Seine Mutter hat Nachhilfeunterricht für ihn gesucht, das billigste Angebot war 126 Euro im Monat. Sie überlegt noch, ob sie ihn anmeldet.

Sie hat Angst davor, dass die Jungs mit 14 oder 15 ins kriminelle Milieu abrutschen. Damit das nicht passiert, will sie die Kinder in einen Sportverein bringen. 20 Euro im Monat kostet das pro Kind, das könnte sie sich leisten. "Ich schäme mich ein bisschen", sagt Mona. Sie will nicht, dass die Kinder merken, wie wenig Geld sie hat

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Zu wenig Hartz IV
Es geht nicht nur um die Kinder

Drei Familien sind vor das Bundesverfassungsgericht gezogen, weil die Grundsicherung nicht reicht. Die Richter nahmen das zum Anlass, über einen neuen Bewertungsmaßstab nachzudenken. VON CHRISTIAN RATH

"Ich hätte mir für die Verhandlung gerne einen anständigen Anzug gekauft, aber wovon soll ich dann mein Kind satt bekommen?" Kläger Thomas Kallay schildert knapp das Dilemma eines Hartz-IV-Beziehers. Am Bundesverfassungsgericht wurde am Dienstag verhandelt, ob die Hartz-IV-Sätze und ihr Zustandekommen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Dabei ging es – entgegen der allgemeinen Erwartung – nicht nur um das Sozialgeld für Kinder, sondern ganz grundsätzlich auch um das Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) für Erwachsene. Mit Änderungen ist wohl zu rechnen.

Ausgelöst wurde das Verfahren durch drei Familien aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Anwesend war aber nur Thomas Kallay aus Eschwege (Nordhessen), ein erwerbsloser Journalist, der sich ehrenamtlich in Sozial-Initiativen engagiert. Mit seiner Frau und seiner 15-jährigen Tochter lebt er von insgesamt 825 Euro Hartz IV.

Das Landessozialgericht (LSG) Hessen nahm den Fall zum Anlass, die Höhe der Hartz-IV-Sätze in Frage zu stellen. Vorsitzender Richter am LSG war Jürgen Borchert, ein bekannter Sozial-Aktivist. In den beiden übrigen Fällen, die das Bundessozialgericht vorgelegt hatte, ging es dagegen nur darum, wie die Bedarfssätze für Kinder von Hartz-IV-Familien berechnet werden.

Für die Bundesregierung erläuterte Sozialstaatsekretär Detlef Scheele (SPD), dass bis 1989 der Sozialhilfesatz nach einem von Experten festgelegten Warenkorb berechnet wurde. Da aber kein Konsens mehr herzustellen war, was in den Korb gehöre, gilt als Maßstab seitdem die Einkommens- und Verbrauchsstudie (EVS) des Statistischen Bundesamts. Hier wird alle fünf Jahre anhand von 75.000 repräsentativen Haushalten untersucht, was die Deutschen tatsächlich konsumieren.

Der Hartz-IV-Satz für einen Erwachsenen bemisst sich danach, was die ärmsten 20 Prozent der nicht ALG 2 beziehenden Single -Haushalte konsumieren. Allerdings werden viele Abzüge gemacht, die die Regierung nur teilweise erklären konnte. Umstritten war in Karlsruhe aber auch grundsätzlich, ob die Vergleichsgruppe, die kein Hartz IV bezieht, überhaupt ein geeigneter Maßstab für die Definition des Existenzminimums ist. So fragte Verfassungsrichter Johannes Masing, ob ein niedriges Einkommen heute das Existenzminimum decken könne, solange es keine Mindestlöhne gebe.

Die Richter wollen die Hartz-IV-Sätze vor allem an Artikel 1 des Grundgesetzes messen, der die Würde des Menschen garantiert. Das kündigte am Dienstag Hans-Jürgen Papier an, der Präsident des Gerichts. Wenn die Richter nicht generell höhere Sätze oder ein anderes Verfahren verlangen, so dürfte wohl zumindest eine "Öffnungsklausel" verlangt werden. Hilfsbezieher, die mit dem schmalen Hartz-IV-Budget nicht zurechtkommen, könnten dann in extremen Fällen ausnahmsweise einen individuellen Zuschlag verlangen. Dies forderte jedenfalls Anwalt Peter Schmitz und wurde dabei von mehreren Verfassungsrichtern unterstützt.

Als Beispiele nannte Caritas-Generalsekretär Georg Cremer einen Aidskranken, der vom Hartz-IV-Satz teure Medikamente kaufen müsse, die die Krankenkasse nicht zahle, oder jemand, der bei der Kleidung Übergrößen benötige. Da schaltete sich der rührige Kläger Thomas Kallay ein und schilderte seine Probleme als Mann mit zwei Metern Körpergröße, 150 Kilo Gewicht und Schuhgröße 48.

Stephan Rixen, der Rechtsvertreter der Bundesregierung, protestierte nicht nachdrücklich gegen eine Öffnungsklausel. Nach seiner Darstellung gibt es heute in derartigen Fällen aber oft schon Darlehen, die gelegentlich auch erlassen würden. Eine Öffnungsklausel dürfe auch nicht zu weit gehen, mahnte Rixen und führte an, "Menschenwürde hat auch mit Eigenverantwortung zu tun". Die Idee der Hartz-IV-Pauschalen sei schließlich gewesen, dass die Leistungsempfänger selbst auf größere Anschaffungen sparen sollen und nicht mehr bei jedem Sonderbedarf beim Sozialamt Anträge stellen müssen.

Soweit bislang bekannt sollte es am Dienstag vor allem um die Höhe des Sozialgelds für Kinder gehen. Deren Sätze wurden einfach vom ALG 2 der Erwachsenen abgeleitet. Kinder bis 14 Jahre erhielten zunächst 60 Prozent von 345 Euro, also 207 Euro. Für Jugendliche bis 18 gab es 80 Prozent.

Inzwischen hat die Bundesregierung auf die Kritik reagiert, dass dies zu schematisch sei. Sie nahm eine Sonderauswertung der EVS-Studie vor, die ergab, dass die Sätze überwiegend bedarfsgerecht, teilweise sogar einige Euro zu hoch sind. "Damit haben wir erstmals einen kindspezifischen Bedarf ermittelt", sagte Staatsekretär Scheele.

Seit Juli hat die große Koalition zudem die Sätze für 6- bis 13-jährige Schulkinder auf 70 Prozent (derzeit 251 Euro) erhöht. Außerdem bekommen Hartz-IV-Schulkinder jetzt jährlich 100 Euro für Schulbedarf extra. Damit hat der Bundestag vermutlich eine Verurteilung zur Erhöhung der Sätze vermieden. Möglicherweise wird es aber auch hier eine Öffnungsklausel für außergewöhnliche Situationen geben. Das Urteil soll in einigen Monaten verkündet werden.

Gestaffelte Leistungen

"Grundsicherung für Arbeitssuchende" - bekannter als Hartz IV, trat Anfang 2005 in Kraft. 359 Euro erhalten alleinstehende Erwachsene seitdem monatlich als Regelleistung, mit der Ernährung, Kleidung, Hausrat etc. abgedeckt werden sollen, das Wohnen wird extra bezahlt. Leben Erwachsene zusammen, erhalten sie 90 Prozent.

Kinder und Jugendliche - erhalten derzeit gestaffelte Leistungen (bis 6 Jahre 60 Prozent vom Regelsatz; bis 14 Jahre 70 Prozent, darüber 80 Prozent), das Kindergeld wird damit verrechnet.

Die Gesamtkosten - Anfang 2009 bezogen mehr als 6,5 Millionen Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende, Kinder und Berufstätige, deren Einkommen nicht reicht, Hartz-IV-Leistungen. Die Hoffnung der damaligen rot-grünen Bundesregierung, mit Hartz IV die Ausgaben zu reduzieren, hat sich nicht erfüllt. Die Kommunen erwarten 2010 Hartz-IV-Ausgaben von ca. 42 Milliarden Euro und damit deutlich mehr als vor der Reform.

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Haushaltstricks unter Schwarz-Gelb
Der Charme des Schattenhaushalts

Die Defizite der Sozialversicherung will Schwarz-Gelb in einem Sonderfonds parken, um die Schuldenbremse zu umgehen. Haushaltstricks weist man von sich.

Die Unionsfraktion hat ihren wackeren Finanzexperten vorgeschickt, um den finanzpolitischen Offenbarungseid zu verkünden. Vorigen Winter hatte Steffen Kampeter (CDU), haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, noch mit westfälischer Standfestigkeit gegen teure Konjunkturpakete gekämpft.

Jetzt steht er unter der Reichstagskuppel und muss rechtfertigen, warum das schwarz-gelbe Bündnis mit Haushaltstricks startet - und damit die jahrelangen Sparbemühungen der SPD-Finanzminister Hans Eichel und Peer Steinbrück torpediert.

"Es geht um Transparenz", spricht Kampeter mit Unschuldsmiene in die Mikrofone, während hinter seinem Rücken die Unionsabgeordneten in die Kabinettssitzung eilen. "Wir wollen die Schuldenbremse nicht umgehen. Wir wollen die Kosten der Finanzkrise klar ausweisen."

Wochenlang hatte das Publikum und mancher Koalitionspolitiker gerätselt, wie Union und FDP ihre beiden wichtigsten Ziele miteinander vereinbaren wollen - die Steuern zu senken, ohne bei den Sozialausgaben zu kürzen. Offiziell sind die Verhandlungen noch gar nicht beendet, da steht bereits fest: Schwarz-Gelb nimmt neue Kredite auf und ist gleichzeitig fest entschlossen, die Schulden trickreich zu verschleiern.

Auf rund 50 Milliarden Euro beziffern die Unterhändler den zusätzlichen Bedarf der Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung während der kommenden vier Jahre. Die Mehrausgaben sind bedingt durch die Krise, aber auch durch steigende Lebenserwartung und medizinischen Fortschritt.

CDU/CSU und FDP wollen dafür keineswegs den offiziellen Steuerzuschuss aufstocken oder gar die Beiträge erhöhen. Statt dessen möchten sie 20 Milliarden Euro in einem dritten Nachtragshaushalt für 2009 verstecken und den Sozialkassen schon jetzt überweisen. Später wird das so aussehen, als habe noch Steinbrück das Defizit zu verantworten. Die übrigen 30 Milliarden Euro werden im Sonderfonds für die Finanzkrise geparkt.

Sondervermögen, die bis 2010 eingerichtet werden, zählen bei der Schuldenbremse nicht mit. Ein Trick sei das nicht, beteuert Kampeter. "Das ist ein Begrenzungsinstrument", sagt er. "Wir wollen den Deckel draufmachen auf die Steuerzuschüsse zur Sozialversicherung."

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Studie des Umweltbundesamtes
Meiden Sie die Nanoteilchen!

Man findet sie in Imprägnierspray und Sonnencreme: Winzige Nanopartikel. Das Umweltbundesamt empfiehlt nun, wegen der kaum abschätzbaren Risiken auf solche Stoffe vorerst zu verzichten.

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt nach einem Zeitungsbericht vor Gesundheitsgefahren, die aus dem industriellen Einsatz von Nanotechnologie in Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Kosmetika und anderen Produkten resultieren können. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung und beruft sich auf eine noch unveröffentlichte Studie des UBA.

Das Amt empfehle in der Studie, Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. Zudem fordere das UBA eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Davon wären mehr als 800 Unternehmen in Deutschland betroffen, die in der Nanotechnologie tätig sind.

Die Verwendung Millionstel Millimeter kleiner Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. Ihre Winzigkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden – die Blut-Hirn-Schranke etwa.

Chinesische Forscher hatten im August eine Studie veröffentlicht, nach der Nanopartikel in Farben schwere Lungenkrankheiten verursachen können. Japanische Forscher veröffentlichten eine Studie, der zufolge Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. In Tierversuchen wurde mehrfach gezeigt, dass Nanopartikel zu Entzündungen der Lunge führen. Natürlich kann und sollte man solche Ergebnisse nicht verallgemeinern, aber sie mahnen doch zur Vorsicht.

quelle   taz.de  .  datum  21.10.2009

 

Einfälle statt Abfälle
ZU BESUCH BEI EINEM SPARSAMEN TÜFTLER

VON GABRIELE GOETTLE

Christian Kuhtz, Jahrgang 1958, bekam als Schüler bereits einen 1. Preis bei "Jugend forscht" für seine Sattlernähmaschine. Später studierte er Maschinenbau in Kiel, arbeitete. Er ist ein genialer Verwerter von Wohlstandsmüll, Erfinder und Designer, Konstrukteur von Schwerlastfahrrädern ohne Schweißen, von Windrädern, Sonnenkollektoren, Solaröfen, Abwärmeöfen, einer Komposttoilette, eines Lehmfachwerkhauses. Er entwirft und baut alles, vom Haushaltsgerät bis hin zu einer ambulanten Kleintöpferei als Wandergewerbe. Keine seiner Erfindungen lässt er patentieren, er will sie verfügbar halten und vergesellschaften. Zu diesem Zweck hat er preiswerte und äußerst präzise Bauanleitungen verfasst, die, zusammen mit gut gemachten Handzeichnungen, den Nachbau auch für Laien erfreulich einfach machen. Seine Konstruktionen sind nicht nur technisch wohlüberlegt, er gibt ihnen auch immer eine ästhetisch elegante Form. Er arbeitet mit Kindergruppen und entwirft anschauliche pädagogische Modelle, berät und unterhält Kontakte zu Projekten in Afrika und Südosteuropa. Kuhtz ist ein Fossil aus den 70er -Jahren, aus den Anfängen der Umweltschutzbewegung, aus dem vordigitalen Zeitalter, dem er unverbrüchlich die Treue hält. Angesichts unserer Weltlage könnte er schnell zum Avantgardisten werden. Er lebt konsequent und spartanisch mit seiner Frau und den beiden Kindern in einer Doppelhaushälfte, ohne Auto, Telefon, Internet und Fernsehen, ohne Kaffeemaschine und Kühlschrank. Er ist Vegetarier, toleriert aber, wenn die Kinder Lust auf Wurst haben.

An einem glühend heißen Tag im August fahren Elisabeth und ich zur südlichen Kieler Vorstadt, in eine musterhaft schmucke Siedlung. Das Areal, Teil des ehemaligen großen Exerzierplatzes der Marinesoldaten, wurde nach dem Ersten Weltkrieg an kinderreiche Familien vergeben, zur Bebauung in Gruppenselbsthilfe. Jede Parzelle verfügte über ein schmales langes Gartengrundstück für die Selbstversorgung innerhalb der Siedlung. 1936 benannte man viele der Straßen nach toten SA-Männern. Seither heißt sie im Volksmund SA-Siedlung. Unter der Siedlung aber liegt, weitgehend vergessen, noch ein ganz anderer historischer Boden: Von der Protestversammlung der aufständischen Kieler Matrosen auf dem großen Exerzierplatz ging 1918 die Novemberrevolution aus.

Heute wirkt hier alles brav, nur das holzverkleidete Haus in der Hagebuttenstraße, mit Sprossenfenstern, ohne Zaun oder Hecke, tanzt aus der Reihe. Vor der Tür steht lilafarben ein dreirädriges Tandem-Lastenfahrrad. Christian Kuhtz rupft im blühenden Vorgarten Unkraut und führt uns nach kurzem Gruß in den Garten. Vorbei am Sonnenkollektor auf dem Hausdach, am verglasten seitlichen Vorbau, hier ist sein Stromfahrrad untergestellt und seine pädagogischen Geräte, sein Energie-Experimentierfahrrad für Kinder. Vorbei auch an einem schönen Zaun aus Haselnusszweigen. Und an Liam, dem älteren der beiden Söhne, der bis zu den Schultern in einem selbst gegrabenen Loch im Sandkasten steht, um nachzuschauen, wie er sagt, was ganz tief unten ist. Im Garten stehen zwischen Obstbäumen, dichten Gebüschen, Brombeerhecken, Blumen und Gemüsebeeten zwei auffallend schöne massive Holzhütten mit Dachziegeln und alten Fenstern, wiederverwertet aus Teilen seines vorigen Wohnhauses, gebaut als Spielhäuschen für die Kinder.

Daneben einladend im Schatten Tisch und Bänke. Weiter hinten im Garten, hoch oben auf drei Stützen, läuft hurtig ein Windrad mit erstaunlich kleinen Flügeln. Und etwas abseits, aufgebockt auf einem Sammelkasten, thront felsenfest das hölzerne Kompostklo samt Treppchen, die Tür ohne Herz. Das Holz ist silberfarben gealtert, am Geländer rankt eine Kürbispflanze hinauf. Christian Kuhtz erklärt: "Das Kompostklo steht seit sieben Jahren, ich habe es aus alten Palettenbrettern gebaut, es funktioniert problemlos mit einem Schäufelchen voller Holzspäne, beispielsweise von der Buche, die schnell rottet. Und es entsteht dabei, hier unten sammelt es sich, ein interessantes, sehr wichtiges Produkt: das ,Pischerol', ein Flüssigdünger, mit dem ich das Gemüse und den Kürbis dünge. Das Kompostklo ist eigentlich das, was den Kreislauf schließt. Und es spart eine Menge Abwasser. Wir haben zwar zwangsweise noch ein WC, nutzen es aber kaum, wie überhaupt das Abwassersystem. Abwässer sind eigentlich reine Umweltverschmutzung. Wir nutzen zum Beispiel die Spülgänge der Waschmaschine als Gartenwasser, weil wir ja keine Giftwaschmittel nehmen.

Und als Letztes dann noch das Windrad dort. Man hat ja immer mit gesetzlichen Vorschriften zu kämpfen, aber meine Selbstversorgerwindräder sind so klein, dass sie durch die Gesetzeslücken schlüpfen. Unseres hat anderthalb Meter Durchmesser und ist siebeneinhalb Meter hoch. Es versorgt unseren Haushalt mit Strom, quasi vollständig. Das ist natürlich nur durch einen entsprechenden Umgang mit Strom machbar. Also wir haben in den letzten drei Jahren fast genau eine Punktlandung gemacht und nur 80 kWh fürs ganze Jahr dazugekauft bei Elektrizitätswerke Schönau, den so genannten Schwarzwälder Stromrebellen. Wir zahlen freiwillig und gern den höchstmöglichen Ökostrom-Fördertarif, weil EWS der engagierteste Ökostromerzeuger ist, von dem ich weiß. Null Verflechtung mit der Atomindustrie! Sie haben sogar das Netz freigekauft. Ja, ich weiß, es hat nicht jeder einen Garten, um ein Windrad aufzustellen, aber Strom von wirklich umweltfreundlichen Stromerzeugern beziehen, das kann jeder!"

Während wir uns wieder Richtung Haus bewegen, schlägt der Hausherr vor, das Gespräch im alten Garten fortzusetzen, auch angesichts der Kinder, die stören könnten. Wir fahren gemeinsam mit dem Auto bis an den Rand der Siedlung und spazieren, samt unserem Hund, einen Waldweg entlang. Christian Kuhtz geht barfuß und federnd in seinen geräumigen, selbst gemachten Lederschuhen neben uns her und erzählt, wie er hier lebte, im Abbruch-Behelfsheim. Ohne Genehmigung, ohne Strom und Heizung, mit Windrad und selbstgebautem Ofen. Plötzlich führt er uns nach rechts, mitten hinein ins Unterholz, und stapft zu einer sumpfig feuchten Senke: "Das war unsere Quelle, die wurde von der Abrissfirma mutwillig zerstört", erklärt er und geht voran über umgefallene Baumstämme, durch Dornen und Brennnesseln, zu einer kleinen Anhöhe. "Hier im Gelände liegen überall Steine verbuddelt, Trümmer noch von Kriegszeiten. Aus den Trümmern haben sich die Leute nach 45 kleine Häuschen gebaut. Und eines davon war das Behelfsheim, wo wir bis Dezember 1995 wohnten, als das hier noch unser Garten war." Er deutet auf das Dickicht und sagt: "Das ist unser alter Garten!"

Wir sind sprachlos. Der erwartete verwilderte Garten, mit irgendwelchen Sitzgelegenheiten und irgendeiner Erfrischung gegen die Hitze, existiert nicht, oder nur vor dem inneren Auge des ehemaligen Bewohners. Wir setzen uns auf Baumstämme und nehmen die bestürzende Ungastlichkeit ergeben hin, angesichts der konsequent spartanischen Haltung unseres interessanten Gegenübers.

Christian Kuhtz schlägt die Beine übereinander und erzählt: "Angefangen hat das bei mir ja schon viel früher. Eine wichtige Erfahrung war der Widerstand gegen den Bau des Atomkraftwerks Brokdorf, 1976. Aber nur auf die Demo zu gehen und nichts zu bieten zu haben, das war mir zu wenig. Ich habe im Garten eines Freundes herumexperimentiert mit Windrädern, die billig sein sollten und zum Nachbauen für andere, aus Sachen, die man leicht findet. Die gesamte Technik, mit der man Strom erzeugen und speichern kann, ist ja in alten Autos zu finden. Da habe ich viel gelernt aus Fehlern im Lauf der Zeit. Ich habe in der Autolichtmaschine elektrische Verbesserungen vorgenommen. Später habe ich alte Fußbodendielen zu dynamischen Flügeln gehobelt. Da gab es immer wieder Anfragen von Leuten, bis dann so 1981 das Konzept da war. Es änderten sich natürlich eine Menge Details von 1981 bis heute, aber das Grundkonzept ist geblieben. Mit so einem Windrad versorgen wir unseren Haushalt. Was wir da brauchen, ist vor allem Licht für Beleuchtung. Radio und Kassettenrecorder haben wir auch noch. Ja, Waschmaschine haben wir auch, aber die Heizstäbe sind raus, sie wird mit Wasser aus dem Sonnenkollektor gefüllt, im Winter macht es der Ofen heiß. Also die A-Plus-Waschmaschinen von heute verbrauchen für eine Wäsche beispielsweise 0,4 kWh, wir verbrauchen nur ein Drittel davon, mit unserer 26 Jahre alten G-Minus-Waschmaschine. Das ist mit so einem kleinen Windrad locker zu schaffen. Wir erzeugen ja 12 Volt damit, alles im Haus ist auf 12 Volt umgestellt und für die Beleuchtung im Haus benutzen wir Autoglühbirnen aus Schrottautos. Also die meistgebrauchten bei uns sind die aus den Blinkern, 20 Watt. Für die Lampen habe ich kleine Adapter reingelötet in den normalen Glühbirnensockel, das sind jetzt solche Dreh- und Steckfassungen. Wir haben auch die 12-Volt -Halogenlampen, die effektiver sind. Also das Licht reicht gut zum Lesen, Basteln und was sonst noch so gemacht wird bei uns.

Kochen tun wir mit Gas, Propangas. Das gute an Propan ist, dass es zwar fossiler Brennstoff, aber ein Abfallprodukt ist, das beim Raffinieren von Erdöl zu Benzin, Heizöl usw. entsteht. Das meiste wird abgefackelt, weil es kein großes Verwertungsnetz gibt bei uns. Propangas kann ich nur empfehlen. Wir verbrauchen zwei Flaschen zu je elf Kilo im Jahr, also das ist an Kosten weit weniger, als die Grundgebühr für einen Gasanschluss beträgt. Morgens koche ich einen Getreidebrei, der braucht dann schon 20 bis 40 Minuten, aber die Hälfte der Zeit wickle ich ihn zum Quellenlassen in Decken ein. Im Winter übernimmt das der Ofen.

Das Heizen selbst ist auch genau durchdacht. Wir verkürzen unsere Heizperiode durch die schwarz gestrichene Wand mit Glasscheiben davor um zwei Monate, aber heizen müssen wir trotzdem noch, und zwar tun wir das ausschließlich mit geschenktem oder gesammeltem Holz. Und dank des guten Ofens, dank guter Wärmedämmung des Hauses, aus Natur- und Abfallmaterial, kommen wir mit drei Kubikmeter Holz im Jahr aus. Morgens zünde ich das Feuer an im Winter, koche den Brei, und während wir frühstücken, ist das Feuer abgebrannt. Dann mache ich den Ofen zu und die restlichen 23 Stunden freut man sich an seiner Wärme , die er abgibt. Dieser Ofen, aus alten Ziegeln und Lehm errichtet, ist einer von den vielen, die ich gebaut habe für andere Leute, in meinen Lehr- und Wanderjahren. Vorbild ist der polnische, finnische oder russische Ofen. Unserer ist ein massives Bauwerk, geht durch mehrere Räume, durch die Decke ins obere Stockwerk, so dass wir fünf Räume mit nur einem Feuer wärmen können. Und in zwei abgelegenen Räumen sind Heizkörper. Ich habe im Ofen einen Wasserkessel eingebaut, aus einer alten Propangasflasche, von der geht es per Schwerkraftumlauf zu den Heizkörpern. Also, wenn man es richtig macht, kann man mit so einem einfachen Ofen optimal und auch vollkommen sauber heizen. Der Schornsteinfeger hat ihn genehmigt, nie etwas beanstandet, im Gegenteil. Er hat bei uns sieben Jahre nicht gefegt, weil einfach nichts zu fegen war.

Wenn man mit den Naturkräften leben will und nicht wie ein Konsument, der auf Knopfdruck alles und immer ständig parat hat, dann muss man sich auf die Naturkräfte einstellen, darauf, wann sie in Mengen und wann sie weniger verfügbar sind. Also an einem Tag wie heute, da ist natürlich klar, dass man die Kochwäsche macht. Man geht viel bewusster um mit Dingen wie Wärme, Wasser, Licht und Strom, wenn man sich selbst versorgt. Viele Geräte, die wir benutzen, sind ja mechanisch, Getreidemühle, Müsliquetsche, Tretnähmaschine. Für meine Bauanleitungshefte habe ich mal in eine elektrische Schreibmaschine einen 12-Volt-Motor aus Autoschrott eingebaut. Das geht, Motor ist Motor, solange er dieselbe Leistung oder Drehzahl hat. Es gibt Scheibenwischer, Kühlergebläse, Fensterheben, da findet man eine ganze Menge Motörchen zum Verbauen. Und was wir natürlich nicht haben. Den heimlichen, aber hungrigen Stromfresser in jedem Haushalt: den Kühlschrank! Heute können sich das viele meines Alters oder Jüngere gar nicht vorstellen, ohne Kühlschrank zu leben. Als ich klein war, da hatten wir keinen, daher weiß ich, dass man ohne bequem leben kann. Im Frühling, Herbst und Winter braucht man ja sowieso keinen Kühlschrank. Es ist doch verrückt, die Wohnung zu heizen mit Öl oder Gas, und drinnen macht es der Kühlschrank mit Strom wieder genau so kalt, wie es draußen ist! Wir stellen die Lebensmittel in den Keller und die Kiste mit den leicht verderblichen Sachen, von denen man ja nur wenige hat, kommt nachts raus."

Auf die Frage, ob er auch Solarelemente nutzt, sagt er: "Die Solarzelle, die kann man nicht selber herstellen aus Schrott, die muss fabrikmäßig hergestellt werden. Wenn ich jetzt mit Sonnenenergie Wasser warm mache, dann ist, bei gleicher Baugröße, der Sonnenkollektor im Vergleich wesentlich ergiebiger. Und dann habe ich noch den ganzen Aufwand der elektrischen Anlagen, die gekauften Solaranlagen sind ja alle abhängig vom Strom, und die gesamte Ökotechnik, die gekaufte, versagt, sobald der Strom ausfällt. Das ist das Problem! Den Sonnenkollektor, der warmes Wasser macht, den kann ich selber bauen, mit minimalem Aufwand. Der arbeitet per Schwerkraftumlauf, ohne Strom. Ich lasse einfach nur die Pumpe weg, lass die elektrische Regelung weg. Ich baue aus einem Flummiball und einem Fahrradschlauchgummi ein Ventil, was die ganze Regelung übernimmt. Selbsttätig . Der funktioniert immer und ohne Strom. Genauso wie eben auch unser Ofen, im Gegensatz zur Pellet-Heizung, die elektrisch gesteuert werden muss.

Ich habe viele Sonnenkollektoren gebaut und auch verschiedene Öfen, meist für Projekte, damals in meinen Wanderjahren. Ich wurde ja unentwegt weiterempfohlen als Ökohandwerker. Habe auch gezeigt, wie man es macht. Meist gegen Kost und Logis. Das Ofenbauen haben auch viele Frauen sehr gut bewerkstelligt. Windrad hingegen scheint eine Männerdomäne zu sein, bis auf die paar Frauen, die es als Jahresarbeit an einer Waldorfschule gemacht haben.

Was ich noch vergessen habe, ich baue auch Sonnenkocher, aus alten, blankpolierten Satellitenschüsseln, da haben wir ja eine sehr schöne, parabolische Schale zur Verfügung, Genaueres dazu steht im Sonnenkollektorheft. Es gibt auch Anfragen und Kontakte mit Leuten aus ärmeren Ländern, wo eben die Situation noch mal eine andere ist, wo die Dinge wirklich ganz ernsthaft und ökonomisch notwenig angewendet werden. Ich bekam grade Nachricht von einer Gruppe aus Tansania, das sind Leute, die aus Solarzellenbruchstücken aus den Industrieländern, aus winzigen Fragmenten quasi, wieder kleine Solarzellen zusammenlöten. Die sind zum Laden von Handys, die man in der so genannten Dritten Welt ja inzwischen überall benutzt. In Uganda, wo ich vor 20 Jahren in einem Selbsthilfeprojekt Lehmofenkochstellen gebaut habe, weil das Holz schon sehr knapp wurde, da benutzt man heute vielfach meine Solarkochkisten. Kontakte gab es auch nach Südosteuropa, nach Ungarn und besonders Rumänien. Da war es ein Projekt mit der Roma-Bevölkerung, die sehr arm ist und angefeindet wird. Sie haben einen sehr schlechten Stand. Jemand aus der Freiburger Gegend, der meine Hefte kennt, hat dort, gemeinsam mit den Leuten, einiges zur Selbsthilfe nachgebaut. Also Hausbau , Öfen, Backöfen. Das freut mich am meisten, wenn die Dinge wirklich angewendet werden und nützlich sind im Alltag."

Auf die Frage, wie er zu dieser Verwertungs- und Erfindungslust kam, sagt er: "Es ist so, dass ich vom Elternhaus her nicht grade in einem Verschwenderhaushalt aufgewachsen bin. Als Flüchtlinge mussten meine Eltern eben klein anfangen. Bis ich drei war, wohnten wir im Barackenlager. 1961 sind wir dann in eine richtige Wohnung gezogen. Und in Grundschulzeiten tauchten da immer noch auch ältere Kulturschichten in unserem Haushalt auf. In Form von improvisierten, selbst gemachten Geräten. Gemacht teils von meinem Vater, teils von meiner Mutter. Ich erinnere mich noch gut an einen Wecker, bestehend aus einem fabrikmäßigen Weckeruhrwerk, das mein Vater gefunden, repariert und in eine Konservenbüchse eingebaut hatte. Die Zeiger bestanden aus Draht. Und wir besaßen selbst gezimmerte Möbel, die wahrscheinlich meine Mutter gemacht hatte, Tisch, Stuhl, Bank. Die waren robust und zerlegbar, weil wir oft umziehen mussten. Bei mir ist dieser Wunsch geblieben, herauszukriegen, wie man was selber machen kann.

Gebaut und gebastelt mit Dingen, die man damals noch fand in den Trümmern oder in der Natur, habe ich schon in der Vorschulzeit und dann auch als Schüler. Damals habe ich schon ein kleines Windrad gebaut mit Fahrraddynamo dran, der ein Birnchen zum Leuchten brachte. Und so in Richtung Spartechnik und Wiederverwerten von Rohstoffen kam ich dann durch die sog. Energiekrise, die auch Ölkrise hieß, 1973. Die Materialien habe ich mir von der Müllkippe geholt oder vom Sperrmüll. Damals fand ich übrigens auf der Müllkippe Ölkanister von der Bundeswehr, volle! Hektoliterweise wurden die einfach abgekippt. Das war für mich der unwiderlegbare Beweis dafür, dass die Energiekrise eine Dummheitskrise ist, ein Ergebnis der Verschwendungs- und Wachstumssucht, gegen die man was tun muss. Gegen die man heute noch viel mehr tun muss! Aber heute gibt es ein neues Problem: das der mangelnden Wahrnehmung. Bei uns hier sieht alles wunderbar sauber aus, weil die Schlote eben nicht mehr hier, sondern anderswo rauchen, und die Menschen weit weg von uns vergiftet werden. Wir leben unbeschwert auf der Luxusseite des Konsums.

Wie gesagt, da war da die Energiekrise und gleichzeitig kam dazu, dass ich auf eine Jugendgruppe gestoßen bin, durch einen Freund. Sie nennt sich Deutsche Reformjugend. Das ist eigentlich so eine frühe Ökowandervogelbewegung aus der Nachkriegszeit, in den 50er-Jahren entstanden, politisch und konfessionell komplett unabhängig. Sie knüpfte an den alten Wandervogel der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und auch der 20er-Jahre an, der dann von den Nazis verboten und aufgelöst wurde . Die haben schon sehr früh vor Atomkraft gewarnt und sich für Natur und Umwelt starkgemacht. Wir waren überwiegend Vegetarier, es gab keinen Alkohol, kein Nikotin, was damals in der Jugendszene geradezu befremdlich wirkte.

Großes Thema war, alles Mögliche selber machen. Wir haben uns Fahrräder aus Schrotträdern gebaut, haben uns mit eine reparierten Tretnähmaschine Sachen genäht, Hosen und Windjacken aus alten Sofabezügen. Ich war 16, da habe ich mein erstes Paar Schuhe selbst gemacht. Aber in der Schule wurde man zum Gespött. War auch nicht schlimm, ich bin halt unverbesserlich, da war mit Gespött nicht viel zu erreichen. Es gab immer die andere Welt in der Gruppe, wo man sich ernsthaft die Frage nach Alternativen gestellt hat. Und nach der Energiekrise kam dann ja 1976 der Widerstand gegen Brokdorf. Da war dann die Energieerzeugung das zentrale Thema in der Gruppe. Das Windrad fiel mir als Erstes ein, weil ich ja schon vorher herumexperimentiert hatte." Ein ziemlich großes Insekt mit durchsichtigen Flügeln und langen Fühlern hat plötzlich auf meinem Knie reglos Platz genommen. Ich beherrsche mich. Christian Kuhtz schaut kurz hin und sagt: "Das ist eine Holzwespe, mit vier Hautflügeln und einem langen Legestachel, die legt in feuchtes und modriges Holz ihre Eier ab, und die Maden fressen es dann."

Sie hat den Irrtum wohl bemerkt und fliegt davon. Herr Kuhtz schlägt die Beine andersherum übereinander und fährt fort: "So kam das. Na ja, und als es dann um Berufsfragen ging, da habe ich mich für die Selbstständigkeit entschieden. Ich wollte frei sein, mein eigener Herr bleiben. Es war klar, eine Stelle, die brauche ich nicht. Beschäftigung hatte ich ja genug. Ich wusste, mit den Dingen, die ich kann, die ja gefragt sind, werde ich immer ein gutes, wenn auch bescheidenes Leben führen können. Es gab nie die Notwenigkeit, viel Geld zu verbrauchen. Ich habe immer Wege gefunden, Geld zu verdienen, ob als Schüler oder später. Das Geld habe ich erst auf ein Sparkonto bei der Post getan, später auf die GLS Bank. Ich konnte leben von 300 Mark im Monat, inkl. Künstler-Sozialversicherung, womit ich dann auch krankenversichert war.

Und auch heute mache ich mir keine Sorgen. Wenn ich Geld brauche, kann ich einen Ofen bauen. Es gibt viele Wege, mit wenig Geld alternativ zu leben. Auch durch Töpfern. Ich mache diese klassische Schnabelflöte, die Okarina. Und als ich mit dem Fahrrad damals unterwegs war - ich war ja drei Jahre lang viel auf Fahrt, habe meistens draußen geschlafen -, da hab ich einfach irgendwo Ton ausgegraben, Flöten getöpfert und im Freien einen Töpferbrand gemacht. In einem improvisierten Erdloch-Brennofen, aus zwei Blecheimern und einem Ofenrohr, das ich immer bei mir hatte. Der Bau ist ausführlich beschrieben im Heft ,Die fahrende Töpferwerkstatt'. Auf diesen Flöten habe ich dann in der Stadt, in der Fußgängerzone gespielt, und sie wurden mir alle abgekauft. Das kostete mich nur einen Tag Arbeit in der Woche. Dadurch musste ich für die Fahrt nichts sparen und radelte mit den nächsten Monatsmieten in der Tasche wieder nach Hause zurück.

Das Fahrrad übrigens, das damals schon alt war, das fahre ich heute noch jeden Tag. Im Heft ,Rad kaputt' habe ich viele nützliche Tipps von meinen Fahrten gesammelt - vom Platten bis hin zum Rahmenbruch, versehen mit Zeichnungen, die alles verdeutlichen. Anfangs waren wir ja noch eine Autorengruppe von Leuten, jeder wohnte woanders, man hat sich aber oft mit Ideen ausgetauscht. In den alten Heften stehen noch einige Namen drin. Meistens habe ich alleine gearbeitet, mit einem allerdings, da habe ich manches gebaut, zum Beispiel einen der ersten Sonnenkollektoren und einen der ersten Steinöfen. Er hat das Liegerad, das es schon mal in den 20er-Jahren gab, neu erfunden. Als Chopperrad, zu einer Zeit, wo es das hier noch nicht gab. Auch dazu gibt's ein Heft.

Mit den Heften fing es eigentlich so an, dass es sich 1978/79 immer mehr herumsprach, dass ich ein gut funktionierendes Windrad gebaut hatte, und da kamen dann aus allen Ecken der Anti-AKW-Bewegung Anfragen über Anfragen. Die habe ich alle erst mal per Hand beantwortet, auch Zeichnungen dazu gemacht, zur besseren Veranschaulichung. Dann bin ich dazu übergegangen, das als Fotokopien zu verschicken. Die Hefte waren dann aber doch die bessere Lösung, man kann da alles viel genauer und umfangreicher darstellen. Und wenn die Leute mal wirklich nicht weiter kommen, dann können sie mir schreiben, ich habe ja kein Telefon. In dem Zusammenhang habe ich eine Bitte: Falls jemand, der das liest, ein Heft oder die Liste bestellen möchte, der soll direkt an mich, Hagebuttenstraße 23 in Kiel schreiben. Im Internet gibt sich nämlich ein Händler als Christian Kuhtz Verlag aus, ohne mich je gefragt zu haben. Er hat lediglich kommerzielle Interessen. Der Heftname ist zwar geschützt, wird aber einfach verwendet. Ich unternehme dagegen nichts. Ich denke ja nicht in Marktschablonen, mir geht es vor allem darum, dass die Ideen unter die Leute kommen."

Die Schnaken überfallen uns zunehmend, und wir machen uns auf den Rückweg.

www.einfaelle-statt-abfaelle.de
www.packpapier-verlag.de

quelle   taz.de  .  datum  01.10.2009

 

Techniker berichtet über Chaos in AKW Biblis
Montagepannen, Organisationsfehler, falsche Pläne

Im Atomkraftwerk Biblis sollen laut einem Ex-Mitarbeiter zeitweise chaotische Zustände geherrscht haben. Die Betreiberfirma RWE Power bestreitet das - doch ein SPIEGEL ONLINE vorliegendes Gutachten stützt einige Vorwürfe des Technikers.

Was in den deutschen Atomkraftwerken vor sich geht, dringt nur selten an die Öffentlichkeit. Jetzt aber erhebt ein ehemaliger Mitarbeiter der Siemens-Atomsparte schwere Anschuldigungen wegen Vorgängen im AKW Biblis - seine Aussagen wecken Zweifel an den Beteuerungen der Branche, dass in deutschen Atomkraftwerken Sicherheit die oberste Priorität hat.

Der Techniker hatte sich an die IPPNW Deutschland gewandt (´Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung´). Der Verein leitete die Aussagen an das Bundesumweltministerium weiter, und dieses beauftragte das Ökoinstitut Freiburg mit einer Prüfung der Anschuldigungen. Nun gibt es ein 99-seitiges Gutachten über die Vorgänge, das SPIEGEL ONLINE vorliegt - und es bestätigt die Vorwürfe in Teilen.

Der Elektromonteur war 2002 mit Kollegen im Block A des AKW Biblis beschäftigt. Er arbeitete für die AKW-Tochterfirma von Siemens, die in einem Joint Venture mit dem französischen Konzern Areva aufgegangen war. Die IPPNW legt Wert darauf, dass er ´vom Typ her kein Querulant´ ist, ´keiner, der etwas aufbläst.´ Sein Anliegen sei gewesen: ´Geht in die Anlage und beseitigt meine Fehler und die meiner Kollegen.´ RWE teilt zu dem Mann mit, er sei ´punktuell bei Modernisierungsmaßnahmen´ in einem ´eng definierten Arbeitsbereich tätig´ gewesen.

´Änderungsmaßnahme A 23/99´ nannten sich die Nachrüstungen offiziell. Unter anderem wurden Klappen und Schieber montiert, eingestellt und in Betrieb genommen, die zur sogenannten Notstandsnachkühlkette im Reaktorgebäude gehören. Auch an Armaturen des Notkühlsystems arbeitete das Team.

Der Techniker berichtet von erheblichen Mängeln bei Planungs- und Montagearbeiten. Bei der Inbetriebnahme des Reaktors habe es massive Beeinträchtigungen gegeben. Planung und Durchführung von Änderungen in Biblis seien ´ein einziges Chaos´ gewesen. Die Atmosphäre unter den mit Planung, Montage und Inbetriebsetzung beschäftigten Mitarbeitern sei durch Streit, Schuldzuweisungen, gegenseitige Vorwürfe, Intrigen und Lügen vergiftet gewesen. Statt Fehlorganisation habe man nur noch von einem ´organisatorischen Chaos´ sprechen können.

´Da steht man mit einem Bein im Gefängnis´

Der Techniker verweist darauf, dass Umbauten an dem alten Reaktor als extrem schwierig gegolten hätten - das Motto sei gewesen: ´In Biblis nichts anfassen, da steht man mit einem Bein im Gefängnis.´ Viele Mitarbeiter hätten Arbeiten nicht ausführen wollen, da sie ´gezwungen gewesen wären, Pfusch machen zu müssen´, womit sie sich rechtlich selbst in Gefahr hätten bringen können. Man habe sich dann beispielsweise lieber krank gemeldet, und Fehler durch falsche Messungen seien dem TÜV gar nicht erst mitgeteilt worden.

Der französische Nuklearkonzern Areva wollte sich zur Angelegenheit nicht äußern. Fragen zur Betriebssicherheit der Anlage könnten nur vom Anlagenbetreiber RWE Power beantwortet werden. Dieser ist überzeugt, alles richtig gemacht zu haben: ´Bei RWE Power hat Sicherheit oberste Priorität´, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Man habe die Hinweise sehr ernst genommen und umfangreiche Kontrollen durchgeführt. Unabhängig davon sei die Kritik im Auftrag der hessischen Aufsichtsbehörde auch durch einen Sachverständigen überprüft worden. Dabei habe es keine Beanstandungen gegeben.

Was die Chaos-Vorwürfe des ehemaligen Mitarbeiters angeht, teilte RWE den Gutachtern des Ökoinstituts Freiburg mit: ´Das Arbeitsklima wird bestimmt durch einen kooperativen Führungsstil sowie durch partnerschaftlichen Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, die sich ihrer Verantwortung jederzeit voll bewusst sind.´ Kollegen würden sich durch gegenseitigen Respekt, Offenheit in der Arbeitsausführung und Kritikfähigkeit auszeichnen.

Die Gutachter des Ökoinstituts Freiburg dagegen halten die Aussagen des Technikers über die Arbeitsbedingungen für ´plausibel´ - auch wenn man die Vorwürfe nicht mehr verifizieren könne. Denn dazu müsste man Mitarbeiter der Teams befragen, und ´dies könnte bei den noch in Anstellung befindlichen Arbeitnehmern möglicherweise zu Interessenskonflikten gegenüber ihrem Arbeitgeber führen´. Außerdem sei nach Äußerungen der Firmen Siemens und Areva nicht davon auszugehen, dass diese einer Befragung zustimmen würden.

´Ordnungsgemäß und sachgerecht ausgeführt´

Und was ist mit den konkreten Problemen am Bau, den angeblichen Problemen bei Planungs- und Montagearbeiten? Der Techniker beschwerte sich unter anderem über Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Zustand bei Stromlaufplänen. Änderungen in den Plänen seien ohne Dokumentation und Unterschrift durchgeführt worden.

RWE bestreitet das: ´Die Reinzeichnungen der Pläne geben den realisierten Stand wieder.´ Die Gutachter des Ökoinstituts geben dagegen dem Techniker Recht. In ihrer Überprüfung kamen sie zu dem Ergebnis, dass Dokumentationsmängel ´tatsächlich vorgelegen haben´.

Das Ökoinstitut Freiburg bestätigt in seiner Untersuchung ganz generell die Vorwürfe des Technikers: ´Es hat Planungsfehler in der Elektro- und Leittechnik der Änderungsmaßnahme A 23/99 gegeben.´ Es sei nicht auszuschließen, ´dass derzeit noch weitere Planungsfehler in der Anlage vorhanden sind´. Auch Montagefehler halten die Gutachter für erwiesen.

RWE hält dagegen, das Ökoinstitut beziehe sich in seiner Bewertung bloß auf die Bau- und Montagepläne des Kraftwerks. Abweichungen gegenüber den wahren Verhältnissen im Kraftwerk seien nicht grundsätzlich auszuschließen: ´Wichtig ist, dass Abweichungen sorgfältig überprüft und dokumentiert werden´, heißt es in der Stellungnahme. Reinzeichnungen zeigen demnach, dass die Arbeiten ´ordnungsgemäß und sachgerecht ausgeführt´ worden seien. ´Das wurde auch durch zahlreiche Prüfungen und unabhängige Gutachten bestätigt.´

Die Änderungen an den Bau- und Montageplänen werden von Fachleuten als Grünbucheinträge bezeichnet. RWE hält diese im Fall von Biblis A für einwandfrei: ´Die zuständige Aufsichtsbehörde hat in den in Rede stehenden Fällen festgestellt, dass diese Grüneinträge korrekt sind und nicht über einen allgemein üblichen Umfang hinausgehen.´

´Vom Typ her kein Querulant´

Unbestritten ist: Jene Teile der Anlage, an denen der Elektromonteur arbeitete, sind wichtig für die Sicherheit des Reaktors. Das Ökoinstitut spricht in seinem Gutachten von einer ´sehr hohen sicherheitstechnischen Relevanz´. Sie seien bei Störfällen wie Kühlmittelverlust (zum Beispiel durch ein Leck) oder bei ´Einwirkungen von außen´ wie einem Flugzeugabsturz nötig, um das System zu beherrschen. Mögliche Folgen von Fehlern seien

> falsche oder fehlende Signalweiterleitungen,
> falsch oder gar nicht arbeitende Stell- und Regelantriebe von Armaturen,
> Fehlfunktionen von Schaltern oder Motoren und
> Kurzschlüsse.

Derartige Zwischenfälle können als sogenannte meldepflichtige Ereignisse eingestuft werden. Von ihnen hat es im Reaktor Biblis A seit Inbetriebnahme 1974 mehr als 400 gegeben, das AKW gehört zu den störanfälligsten in Deutschland. Nur Brunsbüttel und Neckarwestheim 1 kommen auf noch mehr derartige Meldungen.

IPPNW-Sprecher Henrik Paulitz sieht den Fall als Bestätigung dafür, dass es ´wahnsinnig schwierig ist, in alten Anlagen Nachrüstungen vorzunehmen´. Dies aber ist der Weg, den AKW-Betreiber weltweit gehen wollen. Denn der Neubau von Meilern ist teuer und kann mit erheblichen Problemen verbunden sein, wie die Pannenserie beim Vorzeigereaktor im finnischen Olkiluoto zeigt. Auch in Deutschland werden längere Laufzeiten geplant, Union und FDP sind dafür.

Eigentlich sollte Biblis A, der älteste noch aktive Reaktor Deutschlands, im kommenden Jahr abgeschaltet werden.

quelle   contratom.de  .  datum  20.10.2009

 

Energiebrücke ins Nichts
Schwarz-Gelb täuscht Konzept vor

Im Leben, zumal in der Politik, sollte man ein Konzept haben, wenn man etwas verändern möchte. Sonst entsteht ein Durcheinander, bei dem sich durchsetzt, wer die meiste Macht hat. Beispiel gefällig? Die neue Energiepolitik der schwarz-gelben Koalition. Im Wahlkampf hieß es: Sie soll unideologisch, technologieoffen und wettbewerbsorientiert sein. Pro Atomkraft, pro erneuerbare Energien, für niedrige Preise, für sichere Versorgung - das waren die Stichworte. Man dachte: Die haben sich was gedacht dabei.

Plötzlich, auf den letzten Metern der Koalitionsverhandlungen, stellt sich heraus: Das war eine Täuschung. Schwarz-Gelb hat gar kein stimmiges Konzept, wie die zentrale industrie- und klimapolitische Frage gelöst werden soll. Die demnächst Regierenden leiern nur ihr Mantra von der ´Brückentechnologie´ herunter, die die Atomkraft darstellen soll, bis die erneuerbaren Energien voll übernehmen können.

Wie genau das geregelt werden soll, ist bei den Partnern aber umstritten. Seit Tagen verkünden die Koalitionäre in spe, man habe sich ´grundsätzlich´ geeinigt. Doch die Details, auf die es ankommt, liegen weiter im Dunkel, und da werden sie womöglich auch noch Monate bleiben. Vielleicht, weil Schwarz-Gelb seine Bastion in Nordrhein-Westfalen nicht gefährden will - bis zur dortigen Landtagswahl im Mai 2010.

Die Hoffnung, dass die neue Koalition Angst vor der eigenen atomfrommen Courage bekommt, ist leider gering. Dabei steht viel auf dem Spiel. So viel man gegen die ebenfalls unkoordinierte Energiepolitik von Rot-Grün und Schwarz-Rot sagen kann - eines haben diese Vorgängerkoalitionen geschafft: Sie trieben den klimafreundlichen und risikominimierenden Umbau des Energiesystems kräftig voran. Deutschland verdiente sich seinen Ruf als Weltmeister der erneuerbaren Energien, der es schafft, Atomausstieg und Klimaschutz zu verbinden und dabei eine schlagkräftige Zukunftsbranche mit bereits 280 000 Arbeitsplätzen zu etablierten.

Schwarz-Gelb ist also im Dilemma. Die Koalitionäre sind entschlossen, den Atomausstieg zu killen. Doch das kollidiert mit zwei ihrer eigenen Ziele. Es verhindert sofort den dringend nötigen besseren Wettbewerb im Strommarkt, weil neue Player, neue Stromproduzenten, wegbleiben. Und es kollidiert mittelfristig mit dem beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien.

Bildlich gesagt: Der Atomstrom verstopft die Netze für Ökostrom, der als wirkliche ´Brückentechnologie´ zur Ergänzung keine Riesen-Stromzentralen braucht, sondern einen flexiblen, neu zu bauenden Kraftwerkspark. Die fixe Idee, AKW nicht abschalten zu dürfen, verstellt den Blick darauf, dass der Einstieg in die erneuerbaren Energien, der Atom-Ausstieg sowie die Kapazitäten an Kohle- und Erdgas-Kraftwerken harmonisiert werden müssen.

Es liegt auf der Hand: Nötig wäre ein energiepolitisches Gesamtkonzept, das den abnehmenden Rest-Atomstrombedarf identifiziert. Denkbar wäre es, ältere, technisch überholte AKW schnell vom Netz zu nehmen und dafür modernere, relativ sichere Anlagen je nach Notwendigkeit auch über den bisher angepeilten endgültigen Ausstieg anno 2021 hinaus laufen zu lassen. Die zukünftigen Koalitionäre wären den Verdacht los, blinde Atomhardliner zu sein, und müssten dazu nicht einmal das Atomgesetz ändern. Entsprechende Übertragungen von ´Reststrommengen´ sieht der geschmähte rot-grüne Atomkonsens längst vor.

Wunschdenken? Leider wohl ja. Umweltpolitiker aus Union und FDP haben während der Koalitionsgespräche gefordert, erst ein Gesamtkonzept zu erstellen, um eine belastbare Basis für die AKW-Entscheidung zu haben. Das wäre allemal besser, als die Atombrennstäbe jetzt übers Knie zu brechen. Genauso aber dürfte es kommen. Denn der zweitwichtigste Politiker der schwarz -gelben Koalition, Guido Westerwelle, hat sich schon geoutet: Er möchte den Ausstieg aus dem Ausstieg rasch festklopfen. Er will verhindern, dass erst nachgedacht wird.

Die Prognose sei gewagt: Die Schwarz-Gelben werden die Energie-Zeit ein ganzes Stück zurückdrehen. Sie vergolden den Stromkonzernen damit ihre Trickserei bei den Restlaufzeiten ihrer Uralt-AKW und den Vertragsbruch beim Atomkonsens, den diese einst feierlich selbst unterzeichnet haben.

Auch wenn anderes behauptet wird: Der Klimaschutz wird damit eher erschwert als erleichtert.

quelle   contratom.de  .  datum  20.10.2009

 

Künast fordert zum Boykott
der großen Energiekonzerne auf

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, hat im Streit um die Atomkraft zum Boykott der Energieriesen EnBW, E.On, RWE und Vattenfall aufgerufen. Die Mehrheit der Menschen sei gegen die Atomenergie, sagte Künast der ´Saarbrücker Zeitung´.

Schwarz-Gelb denke mit der geplanten Verlängerung von Laufzeiten lediglich an die kurzfristigen Gewinne für die Betreiber. ´Wir werden mit einer neuen Anti-AKW-Bewegung antworten, die qualitativ anders als früher sein wird.´

Eine Wechselkampagne zu Ökostromanbietern könne, wenn sie die Millionengrenze überschreite, sehr spannend sein, sagte Künast. Dann werde sich zeigen, ´ ob die FDP weiter bei den vier großen Energieriesen auf dem Schoß sitzt und deren Profitinteressen vertritt´. Union und FDP gingen in der Frage der Atomenergie ´nicht konfrontativ, sondern verschleiernd´ vor, kritisierte Künast. ´Ich sage den Menschen: Kauft Ökostrom, und zwar nicht von den vier großen Energieanbietern.´

quelle   contratom.de  .  datum  20.10.2009

 

Geringer Anteil an Stromversorgung
Die Mär von der AKW-Renaissance

Die ganze Welt baut Kernkraftwerke? Von wegen. Atom-Renaissance ist ein ideologischer Kampfbegriff. Der Atom-Anteil an der Stromversorgung geht zurück. VON LUTZ MEZ

Am 9. Oktober titelte die US-Zeitung New York Times: »Der Präsident stellt Pläne für eine Renaissance der Atomenergie vor«. Die US-Regierung, heißt es dort, habe konkrete Schritte angekündigt, um die kommerzielle Atomkraft wiederzubeleben. Das war 1981. Der Präsident hieß Ronald Reagan. Seitdem taucht der Begriff einer angeblichen Renaissance der Atomenergie immer wieder auf.

Die Realität sieht anders aus. Seit 1973 ist in den USA kein AKW mehr bestellt worden, dessen Bau nicht hinterher wieder aufgegeben worden wäre. Die Atomlobby versucht dennoch unverdrossen, die Auferstehung der Atomkraft herbeizureden. Dabei ist die Zahl der Reaktoren weltweit seit 1989 lediglich von 423 auf 435 gestiegen. In 2008 ging weltweit zum ersten Mal seit 1956 kein einziges neues Atomkraftwerk ans Netz. Zudem werden neun Meiler weniger betrieben als noch 2002, als der historische Höchststand von 444 AKWs erreicht wurde.

Weltweit haben die AKWs eine Gesamtleistung von 370 000 Megawatt und ein durchschnittliches Betriebsalter von 25 Jahren. Ihr Anteil an der Stromversorgung ist auf 14 Prozent zurückgegangen. Die Reaktoren werden in 31 der 192 UNO-Mitgliedsländer betrieben. Zwei Drittel der weltweiten Atomstromproduktion geschieht in nur sechs Ländern, in den Atomwaffenstaaten USA, Frankreich und Russland sowie in Japan, Südkorea und Deutschland.

Nach offziellen Zahlen sind 50 AKW-Blöcke »im Bau« (Stand August 2009), dreizehn davon allerdings schon seit über zwanzig Jahren. Spitzenreiter in Sachen Bauverzögerung ist Watts Bar-2 in den USA. Im Oktober 2007 kündigte die Eigentümergesellschaft TVA an, den Reaktor bis 2012 – vierzig Jahre nach Baubeginn – für 2,5 Milliarden Dollar fertig zu bauen.

Auch die bisherige Stilllegung von weltweit 127 AKWs – nach einer durchschnittlichen Betriebszeit von 22 Jahren – spricht nicht für die Renaissance der Atomkraft. Der Welt-Statusreport Atomindustrie von 2009 zeigt, dass bei einer angenommenen Betriebszeit von vierzig Jahren bis zum Jahr 2015 insgesamt 95 Reaktoren und bis zum Jahr 2025 weitere 192 AKWs vom Netz gehen werden. Wenn alle derzeit im Bau beӿndlichen Anlagen den Betrieb aufnehmen, dann müssten bis 2015 noch 45 und bis 2025 insgesamt zusätzlich etwa 240 Reaktorblöcke mit einer Gesamtkapazität von über 200 000 Megawatt geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden. Da die »Leadtime« – die Zeit zwischen Bauplanung und kommerzieller Inbetriebnahme – für ein AKW mehr als zehn Jahre beträgt, kann die heute vorhandene Kraftwerksleistung kaum aufrechterhalten werden.

In Westeuropa sind zwei AKWs im Bau, eines in Finnland und eines in Frankreich. Baubeginn des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) mit einer Leistung von 1 600 Megawatt war 2005 im ӿnnischen Olkiluoto. Seitdem überschatten Kostenexplosionen und Zeitverzögerungen das Projekt. Mit der Inbetriebnahme ist frühestens 2012 zu rechnen. In Frankreich wird ein EPR in Flamanville gebaut. Baubeginn war 2007. Dieser Block sollte in 54 Monaten fertig sein. Aber auch hier ist eine Reihe von Problemen aufgetaucht. Die Kosten sind bereits um 20 Prozent gestiegen.

Die drei großen Schwellenländer China, Indien und Brasilien haben ihre Atomenergieprogramme bereits vor Jahrzehnten beschlossen, aber nur ansatzweise realisiert, sodass der Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung und Energieversorgung minimal ist. Das größte Ausbauprogramm hat China, das derzeit elf AKWs betreibt, die 2,2 Prozent der Stromerzeugung ausmachen. Vierzehn weitere Meiler sind im Bau. In Indien sind siebzehn kleinere Reaktoren in Betrieb, die 2 Prozent des Strombedarfs decken, weitere sechs sind im Bau. Brasilien hat zwei aktive Reaktoren, die 3,1 Prozent des Stroms erzeugen.

Ein weltweiter Bauboom ist derzeit schon aufgrund mangelnder Fertigungskapazitäten und schwindender Fachkräfte ausgeschlossen. Nur ein einziges Unternehmen der Welt, die Japan Steel Works, ist in der Lage, die Großkomponenten für Reaktordruckbehälter von der Größe des EPR zu schmieden. Auch die Dampferzeuger der EPR-Bauprojekte kommen aus Japan. An dieser Situation wird sich kurz- und mittelfristig nicht viel ändern.

Neue Atomanlagen müssten außerdem von neuem Personal betrieben werden. Industrie und Betreiber schaffen es kaum, auch nur die Altersabgänge zu ersetzen. Es fehlt eine ganze Generation von Ingenieuren, Atomphysikern und Strahlenschutzexperten. Parallel müssen stillgelegte Anlagen abgerissen und endlich Lösungen für den Atommüll geschaffen werden.

Die Forderung, die Laufzeiten der AKW zu verlängern, wird immer wieder vorgetragen. RWE hat angeboten, bei Laufzeitverlängerungen mehr in erneuerbare Energien zu investieren. Damit würde aber die Vorherrschaft der großen Kraftwerksblöcke verlängert und der Ausbau von dezentralen, umweltverträglicheren kleinen Kraftwerkseinheiten, die sich wesentlich besser mit erneuerbaren Energien kombinieren lassen, behindert.

Das Gerede von der drohenden »Energielücke« wirkt vor diesem Hintergrund fast wie eine Kampagne für verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken und kostenlose CO2-Zertiӿkate für Kohlekraftwerke. Aber nur ein schneller Ausstieg aus der Atomenergie kann den Innovationsdruck auf die Energiewirtschaft aufrechterhalten. Angesichts dieser Fakten von einer »weltweiten Wiedergeburt« zu sprechen ist irreführend, zumal die langen Bauzeiten enorme Kosten verursachen, die kaum eine Bank finanziert. Es sei denn, der Staat steht für das Investitionsrisiko gerade.

quelle   taz.de  .  datum  16.10.2009

 

Hausbesetzer-Gesetz in den Niederlanden
Vetreibung aus dem Paradies

Die Niederlande sind nicht mehr das Hausbesetzer-Paradies Europas. Mit den Stimmen der Rechtspopulisten wurde am Donnerstag abend das lange umstittene "Anti-Kraker-Gesetz" beschlossen.

Mit Hilfe der Stimmen der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit (PVV) des Islamgegners Geert Wilders setzte die Regierungskoalition aus Christ- und Sozialdemokraten ein Gesetz durch, dass Hausbesetzern Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren und acht Monaten androht.

Bei der Annahme des Gesetzes im Haager Parlament brachen am Donnerstagabend auf der Zuschauertribüne lautstarke Proteste Hunderter Kraker los, wie die Hausbesetzer in den Niederlanden genannt werden. Sie wurden von Sicherheitskräften aus dem Saal gedrängt.

Später löste die Polizei im Zentrum von Den Haag Protestdemonstrationen und Sitzstreiks von Hausbesetzern auf. Die Demonstranten hätten sich überwiegend friedlich verhalten und keinen Widerstand geleistet, sagte ein Polizeisprecher.

Mit dem Anti-Kraker-Gesetz, dessen Entwurf in den Niederlanden lange und heftig umstritten war, kann die "einfache" Besetzung leerstehender Häuser nun als Hausfriedensbruch mit einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Wenn Kraker mit Einschüchterungen oder gar Gewalt vorgehen, sollen Gerichte die Haftstrafe auf zwei Jahre verdoppeln. Und bei Gewaltanwendung durch ganze Gruppen von Krakern ist eine Höchststrafe von zwei Jahren und acht Monate vorgesehen.

Hausbesetzungen waren in den Niederlanden auch früher schon verboten, jedoch wurde es von den Behörden meist geduldet, wenn mehr als zwölf Monate leerstehende Wohnungen ohne großes Aufsehen "gekraakt" wurden. Dadurch entstand eine organisierte Kraker-Szene, mit deren Hilfe sich in Amsterdam und anderen Großstädten viele Studenten und andere junge Leute billige Unterkünfte beschafften.

quelle   taz.de  .  datum  16.10.2009

 

Gericht bestätigt Kündigung
Wegen sechs Maultaschen entlassen

Weil sie sechs Maultaschen im Wert von ein paar Euro mitnahm hat eine Altenpflegerin ihren Arbeitsplatz verloren. Die Essensreste wären nach Angaben der Frau im Müll gelandet.

Die fristlose Kündigung einer 58-jährigen Altenpflegerin wegen sechs gestohlener Maultaschen ist rechstens. Das Arbeitsgericht in Radolfszell wies damit eine Klage der fristlos gekündigte Frau ab.

Die Frau hatte sich nach eigener Darstellung vier Maultaschen aufwärmen wollen, die nach dem Essen der Heimbewohner übrig geblieben waren. Sie wären sonst auf dem Müll gelandet. Ihr Arbeitgeber, die städtische Spitalstiftung Konstanz, sprach dagegen von sechs Maultaschen, die die Frau in ihrer Handtasche versteckt mitnemen wollte. Insgesamt waren die Maultaschen zwischen drei und vier Euro Wert.

Das Gericht folgte der Argumentation der Spitalstiftung, dass das Vertrauensverhältnis zerstört sei und eine Weiterbeschäftigung unmöglich. Zwar habe es sich um eine geringwertige Sache gehandelt. "Dennoch bestimmt allein der Arbeitgeber darüber, wie mit seinem Eigentum verfahren wird und zwar selbst dann, wenn er die Reste der Entsorgung zuführt." Außerdem sei es verboten gewesen, sich mit Essen der Hausbewohner zu bedienen.

Der Verteidiger der Altenpflegerin hatte den Standpunkt vertreten, angesichts der 17 Jahre langen Beschäftigung der Frau, wäre eine Abmahnung ausreichend gewesen.

Das Arbeitsgericht hatte zuvor versucht zu vermitteln: Die Pflegerin hatte aber die vorgeschlagene Abfindung von 25.000 Euro abgelehnt. Der Anwalt der Frau will nun prüfen, ob er weitere Rechtsmittel einlegt.

Kündigungen wegen Bagatelldelikten sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Zuletzt hatte sich ein der Chef eines Dortmunder Bauverbands entschuldigt, weil er seine Sekretärin wegen dem Verzehr von zwei Brötchenhälften und einer Frikadelle entlassen hatte. Demnächst verhandelt das Bundesarbeitsgericht den Fall einer Berliner Kassiererin, der wegen zwei Leergutbons im Wert von 1,30 Euro gekündigt worden war.

Wer seine Meinung an die Stiftung weitergeben möchte, kann dies gerne tun:
Spitalstiftung Konstanz, Luisenstraße 9, 78464 Konstanz
Telefon 07531 801 3001, Telefax 07531 801 3009
info@spitalstiftung-konstanz.de

quelle   taz.de  .  datum  16.10.2009

 

Indianerritual stoppt Waldbrand
Wetterkontrolle durch elektromagnetische Wellen und Bewußtseinstechniken

von Grazyna Fosar und Franz Bludorf, Berlin

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen: die uralten Rituale zur Wetterbeeinflussung bei naturverbundenen Völkern beruhen nicht auf Aberglauben, sondern haben eine nachvollziehbare Grundlage. Die außerordentliche Bedeutung der elektromagnetischen Erdresonanzfrequenzen, der sogenannten Schumann-Frequenzen, für das Weltklima hat die Wissenschaft erst in jüngster Zeit erkannt. Sie können als sicherer Indikator für globale Klimaänderungen herangezogen werden. Doch die geheimnisvollen Erdfrequenzen treten auch in Wechselwirkung mit dem menschlichen Gehirn...

Seit fast sechs Monaten hatte es im Urwald des brasilianischen Bundesstaates Roraima nicht mehr geregnet. El Niño, die rätselhafte Klimastörung, hatte auch hier, wie in so vielen tropischen Regionen, das Wetter durcheinandergebracht. Der tropische Regenwald, normalerweise wasserdurchtränkt wie ein Schwamm, war knochentrocken.

Doch das hatte die örtlichen Kleinbauern und Plantagenbesitzer nicht davon abgehalten, erneut ihre jährlichen Brandrodungen abzuhalten, um dem für unsere Atmosphäre so wertvollen Regenwald fragwürdige Stücke mageren Ackerbodens abzugewinnen.

Die Folgen waren katastrophal. Seit Jahresbeginn 1998 wüteten im Norden Brasiliens verheerende Waldbrände. Ende März standen bereits 15% der Fläche des Bundesstaates in Flammen - ein Areal von der Größe Belgiens. Diesem Inferno, das letztendlich für Klima und Atmosphäre eine ernsthafte Bedrohung darstellte, hatten die örtlichen Behörden nur wenig entgegenzusetzen: nur knapp 100 Mann hatte der Gouverneur von Roraima zur Waldbrandbekämpfung abgestellt, die, mit Feuerpatschen, Eimern und Schläuchen "bewaffnet", natürlich dem Flammenmeer vollkommen hilflos gegenüberstanden.

Internationale Hilfsangebote der UNO dagegen hatte die Zentralregierung in Brasilia als "Einmischung in innere Angelegenheiten" abgelehnt. Tief saß bei den Militärs die Angst vor einer "Internationalisierung" des brasilianischen Regenwaldes - aber kann überhaupt ein Land der Erde sich anmaßen, die alleinige Verfügungsgewalt über das wohl weltweit größte Sauerstoffreservoir zu beanspruchen? Kleinliches Festhalten an anachronistischen "Eigentumsrechten" verhinderte jedenfalls eine umfassendere Brandbekämpfung.

Mehr als 55% der Fläche des Bundesstaates Roraima ist Reservatsgebiet. Dort leben einige der letzten Indianerstämme noch vollkommen nach ihren überlieferten Traditionen, so zum Beispiel die Yanomami.

Als diese Stammesgebiete ernsthaft von der Flammenhölle bedroht waren, war die Geduld der Indianer erschöpft. Sie verließen sich nicht länger auf die Technologie des weißen Mannes, die so offenkundig versagt hatte, sondern besannen sich auf ihr eigenes überliefertes Wissen.

> Das Ritual

Am 30. März trafen zwei Häuptlinge des Caiapo-Stammes im Yanomami-Reservat ein, wo sie sich mit ihren Yanomami- und Xavante-Brüdern zu einem gemeinsamen Regenritual trafen, das noch in der gleichen Nacht über mehrere Stunden abgehalten wurde.

Sie versetzten sich gemeinsam in einen veränderten Bewußtseinszustand und begannen mit ihren seit alter Zeit überlieferten Gebeten, Zaubergesängen und Tänzen.

Zunächst riefen sie einen "Xapori" (Geist) an, um den Rauch zu vertreiben, da er ihre Kinder krank mache. Als nächstes wandten sie sich an den Geist des Feuers und schließlich an den Geist des Regens.

Am nächsten Morgen, gegen 9.30 Uhr Ortszeit, begann ein heftiger Regenguß in der Region, der über vier Stunden andauerte und 80-90% der Waldbrände löschte!

War es nun ein unwahrscheinlicher Zufall, oder konnten die Indianerrituale wirklich Regen machen? Selbst der Pressesprecher der Regierungsbehörden in der Provinzhauptstadt Boa Vista, Alan Suassuna, zeigte sich beeindruckt: "Ob es ein Zufall ist oder nicht, das weiß ich nicht, aber es hat offensichtlich geholfen."

Die meisten von uns haben in der Kindheit die klassischen Indianerromane von Karl May und anderen Autoren verschlungen, so daß uns derartige Zauberrituale bei den verschiedenen Indianerstämmen im Grunde nicht fremd sind. Doch nahm irgend jemand von uns solche Berichte jemals wirklich ernst?

Anders ausgedrückt: Daß es nach einem Indianerritual "zufällig" vier Stunden später regnete, nehmen wir gern als kuriose Meldung zur Kenntnis. Doch wie reagieren wir darauf, wenn es einen wirklichen Zusammenhang gäbe, eine wissenschaftliche Erklärung?

Und doch ist es so!

Für uns persönlich war die Pressemeldung über das erfolgreiche Regenritual besonders beeindruckend, da hier eine merkwürdige Synchronizität vorlag. Genau eine Woche zuvor war unser neues Buch "Zaubergesang" (Untertitel: Geheimnisvolle Erdfrequenzen - der Schlüssel zur Wetter- und Gedankenkontrolle) an den Buchhandel ausgeliefert worden. Gerade in diesem Buch aber haben wir die Zusammenhänge zwischen der Wetterkontrolle und veränderten Bewußtseinszuständen erstmals dargestellt.

Dieser Zusammenhang ist der Wissenschaft bereits seit mehr als vierzig Jahren bekannt - es sind die "Zaubergesänge der Erde" - die Schumann-Frequenzen.

> Die Entdeckung der Schumann-Wellen

Bereits im Jahre 1952 hatte der Münchener Physikprofessor W. O. Schumann rechnerisch festgestellt, daß Erdoberfläche und obere Atmosphäre (Ionosphäre) einen Kugelkondensator bilden mit einer Eigenfrequenz, die im Bereich extrem niederfrequenter Wellen knapp unter 10 Hertz liegt. Man spricht auch von ELF-Wellen (Extremely low frequency).

Sein damaliger Doktorand Herbert König stellte daraufhin umfangreiche Messungen an, worauf er den exakten Wert dieser Erdresonanzfrequenz bei 7,83 Hertz festmachen konnte. Dieser Wert wird in der Wissenschaft seither allgemein als Schumann-Frequenz bezeichnet.

Immer, wenn irgendwo auf der Erde ein Gewitter niedergeht, sendet jeder Blitz eine niederfrequente Radiowelle exakt dieser Frequenz aus. Da die Erde zu dieser Frequenz resonanzfähig ist, bleiben derartige Wellen außerordentlich stabil und können rund um die Erde gewaltige Wellenpakete bilden, deren Amplitude bis in die Ionosphäre (zwischen 60 und 1000 km Höhe) reichen kann . Die Wellenlänge dieser Wellen ist aufgrund der geringen Frequenz ebenfalls enorm und beträgt etwa 38000 km, also fast so viel wie der Umfang der Erde.

Lange Zeit hat die offizielle Meteorologie elektromagnetische Einflüsse auf das Wettergeschehen ignoriert, was zum Teil für die Unzuverlässigkeit der Wettervorhersagen mit verantwortlich sein dürfte.

Sobald sich jedenfalls Schumann-Wellen durch Resonanz bis zu einer genügenden Intensität hochgeschaukelt haben, können sie gigantische Wellenfronten bilden, an denen Hoch- oder Tiefdruckgebiete ganz einfach abprallen und auf diese Weise lange Zeit ortsfest bleiben. Die Folgen sind klar: in der betroffenen Region kommt es entweder zu einer langanhaltenden Dürre oder zu wolkenbruchartigen Regenfällen und Überschwemmungen.

> Neuentdeckte Ursachen für "El Niño"

Ein geradezu klassisches Beispiel hierfür bildet die nach wie vor wissenschaftlich ungeklärte Klimastörung "El Niño".

Dabei handelte es sich ursprünglich um ein Phänomen, das sich auf die tropischen Regionen des Pazifik beschränkte. Dort herrschen normalerweise ganzjährig die sogenannten Passatwinde. Sie entstehen dadurch, daß heiße Luft am Äquator nach oben steigt, dort abkühlt und, etwa auf Höhe der beiden Wendekreise, wieder zur Erdoberfläche absinkt. Da sich in der Zwischenzeit die Erde etwas weitergedreht hat, weht der Passat nördlich des Äquator aus Nordost, südlich davon hingegen aus Südost.

Dadurch wird ständig warmes Wasser von der Küste Südamerikas in Richtung Südostasien transportiert, während im Gegenzug kaltes Wasser aus der Antarktis-Region nach Norden in Richtung Peru fließt, der sogenannte Humboldt-Strom, der auch für den außerordentlichen Fischreichtum an den südamerikanischen Küsten sorgt. Die Temperaturdifferenz zwischen West- und Ostpazifik beträgt fast 8º C.

Bereits seit Jahrhunderten ist es den Menschen dieser Region bekannt, daß dieses konstante Klima mit dem regelmäßigen Wechsel von Trocken- und Regenzeiten etwa alle zehn Jahre gestört wird. In China zum Beispiel gibt es hierüber bereits mindestens seit dem 17. Jahrhundert Aufzeichnungen. In solchen Jahren laufen, etwa um die Weihnachtszeit herum (daher der spanische Name "El Niño" - das Kind), die Passatwinde in der Mitte des Pazifischen Ozeans einfach tot. So unterbricht der Warmwassertransport Richtung Westen, und es kommt zu einer Trockenperiode in Südostasien und Australien. Gleichzeitig kommt dadurch auch der Humboldtstrom zum Erliegen, das zurückfließende warme Wasser sorgt für heftige Regenfälle am Westrand der Anden, in Peru und Ekuador.

In der Regel dauerte diese Klimastörung nur einige Wochen, bis sich die Wetterverhältnisse wieder normalisierten.

Erst in unserem Jahrhundert konnte sich El Niño zu der Katastrophe auswachsen, als die wir ihn mittlerweile kennen. Verantwortlich hierfür ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Treibhauseffekt und die damit verbundene Erwärmung der Erdatmosphäre.

Geophysiker wie Earle Williams vom Massachusetts Institute of Technology oder Gabriella Sátori von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften stellten in den letzten Jahren einwandfrei fest, daß die Anzahl der Gewitter in tropischen Regionen pro Grad Erwärmung der Lufttemperatur um 400-800% ansteigt. Als Folge davon stieg auch die Intensität der Schumann-Wellen in der Atmosphäre um den gleichen Betrag an.

So kann es tatsächlich zur Ausbildung gigantischer Wellenpakete kommen, die fast von der Arktis bis zur Antarktis reichen und an denen Wetterfronten regelrecht abprallen. Zum ersten Mal machte sich dies 1982/83 bemerkbar, als El Niño plötzlich ein neues Gesicht zeigte.

In diesem Jahr begann die Klimastörung nämlich bereits im Juni, also im Winter der Südhalbkugel, und hielt bis weit ins Jahr 1983 an. Im Januar 1983 kam es dabei sogar erstmals zu meßbaren Störungen der Erdrotation, die sich seinerzeit um 0,2 Millisekunden verlangsamte.

Durch den noch stärkeren El Niño in diesem Jahr waren es im Februar 1998 sogar bis zu 0,6 Millisekunden.

1982 konnte ebenfalls zum ersten Mal beobachtet werden, daß die Passatwinde sich nicht einfach totliefen, sondern in der Mitte des Pazifik sogar umkehrten. All dies führte zu einer wesentlichen Verstärkung der abnormalen Wettererscheinungen. Es kam zu gewaltigen Wetterkatastrophen rund um den Pazifik, so wie wir sie auch jetzt, zum Jahreswechsel 1997/1998, wieder haben, also zu Dürrekatastrophen sowie Busch- und Waldbränden in Indonesien, Australien und Indien, sowie zu Überschwemmungen und Tornados in Peru, Mexiko und an der amerikanischen Westküste. In Brasilien, also östlich der Anden, an denen sich die Regenwolken abregneten, kam es dann wie heute auch wiederum zu Trockenheit.

Das Resultat waren damals mehrere tausend Tote sowie wirtschaftliche Schäden in den betroffenen Ländern von über 8,1 Milliarden Dollar.

Der Verlauf der Wetterfront ist eindeutig wellenförmig und entspricht fast der Distanz Nordpol-Südpol, also einer halben Schumann -Wellenlänge - ein eindeutiger Hinweis, daß elektromagnetische Einflüsse, hervorgerufen durch die steigende Intensität der Schumann-Wellen, für die Wetterkatastrophe verantwortlich waren.

Erstmals wurden auch gemäßigte und sogar arktische Gebiete in Mitleidenschaft gezogen, so etwa auch Alaska und Kanada. Selbst jenseits des Indischen Ozeans, in Südafrika und Kenia waren noch Auswirkungen zu spüren. Der einzige Anrainerstaat des Pazifik, der von der Katastrophe nicht betroffen war, war die Sowjetunion.

> Kann "El Niño" durch Ionosphärenheizer ausgelöst werden?

Dies gab Anlaß zu Spekulationen, ob die Sowjets nicht diesen "El Niño" von 1982/83 durch Wetterexperimente mit ausgelöst haben könnten. Es ist bekannt, daß in mehreren Städten der ehemaligen Sowjetunion, so z. B. in Nizhni Novgorod und in Duschanbe im heutigen Tadschikistan, bereits seit den siebziger Jahren Ionosphärenheizer betrieben werden, gigantische Antennen, mit denen man hochfrequente Radiostrahlung in die Ionosphäre schießt.

Dadurch wird der entsprechende Bereich der Ionosphäre aufgeheizt und reagiert mit der Abstrahlung von Schumann-Wellen. Das Prinzip wurde bereits Anfang unseres Jahrhunderts, mehr als fünfzig Jahre vor Schumann, von Nikola Tesla entdeckt, der in Colorado Springs Experimente mit drahtloser Energieübertragung machte.

Der Sinn und Zweck solcher Wahnsinnstechnologien liegt im militärischen Bereich. Da Schumann-Wellen im Gegensatz zu herkömmlichen Funkwellen nahezu verlustfrei in den Erdboden und in große Meerestiefen eindringen können, eignen sie sich hervorragend zur Lokalisierung unterirdischer oder unterseeischer Objekte sowie zur Kommunikation mit U-Booten.

Über diese offiziell zugegebenen Anwendungen hinaus eignen sich die Ionosphärenheizer allerdings auch zur Wettermanipulation sowie zur umfassenden Bewußtseinskontrolle großer Bevölkerungskreise, wie wir in unserem Buch "Zaubergesang" nachweisen konnten, und stellen damit äußerst gefährliche elektromagnetische Waffensysteme dar, die die Öffentlichkeit bislang kaum zur Kenntnis nahm.

Wesentlich bedenklicher als die russischen Ionosphärenheizer sind allerdings noch die vergleichbaren amerikanischen Anlagen, die seit einigen Jahren im Rahmen des HAARP-Projekts in Alaska errichtet werden. Dieses anachronistische Überbleibsel aus dem SDI-Programm der Reagan-Ära stellt eine wesentlich verfeinerte Version der Technologie dar, da sie nicht auf den alten Tesla -Forschungen, sondern auf den Patenten von Bernard Eastlund basieren, die eine nie zuvor gekannte Bündelung der Ausgangsstrahlung und damit die Freisetzung ungleich höherer Energien aus der Ionosphäre ermöglichen.

Eastlunds Patente beenden auch ein für alle Male die Debatte, ob die technisch gestützte Wettermanipulation machbar sei oder nicht, denn dort steht es schwarz auf weiß: "Wettermanipulation ist möglich, zum Beispiel durch Veränderung von Windmustern in der oberen Atmosphäre oder durch Veränderung solarer Absorptionsmuster."

Selbst wenn also die Betreiber derartiger Anlagen andere Ziele verfolgen sollten, kann schon durch unerwünschte Sekundäreffekte unermeßlicher Schaden an unserer Umwelt angerichtet werden.

> Schumann-Wellen und das menschliche Gehirn

Doch was hat das Ganze nun mit den Indianern und ihrem Regenzauber zu tun? Um uns der Klärung dieser Frage zu nähern, müssen wir auf eine wichtige Tatsache eingehen. Die Schumann-Frequenz ist nämlich auch eine Resonanzfrequenz des menschlichen Gehirns.

Delta-Wellen 1-3 Hz           komatöse  Zustände, Tiefschlaf                 

Theta-Wellen 4-7 Hz           Traumschlaf, hypnotische Tieftrance            

Alpha-Wellen 8-12 Hz          entspannter Wachzustand, leichte hypnotische Trance, Meditation                            

Beta-Wellen  13-40 Hz         angespannter Wachzustand                       

Wie wir wissen, produziert auch das Gehirn ein ganzes Spektrum elektromagnetischer Frequenzen im ELF-Bereich, die unterschiedlichen Bewußtseinszuständen zugeordnet werden können:

Wie man sieht, liegt die fundamentale Schumann-Frequenz mit 7,83 Hertz knapp unterhalb des Alpha-Zustandes, also in einem Bereich, in dem beim Menschen Trance-Zustände auftreten.

Diese Übereinstimmung zwischen den Resonanzfrequenzen der Erde und des menschlichen Gehirns ist kein Zufall, sondern eher ein Vorgang evolutionärer Anpassung des Menschen an seine Umwelt. Man weiß heute, daß das Gehirn auf äußere elektromagnetische Frequenzen reagiert, wenn sie in einem der genannten Frequenzbereiche liegen, und daß es bestrebt ist, zu diesen Frequenzen in Resonanz zu geraten.

Durch Bestrahlung eines Menschen mit Wellen im 7,83-Hz-Bereich kann man diesen also im wahrsten Sinne des Wortes einlullen.

Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Technologien, wie sie beim HAARP-Projekt eingesetzt werden, auch zur Bewußtseinskontrolle und Manipulation von Menschen geeignet sind, da es erwiesen ist, daß ein Mensch im Alpha- oder Theta -Zustand um das 25fache leichter beeinflußbar ist als im normalen Wachzustand, der durch das Vorherrschen der höherfrequenten Beta-Wellen gekennzeichnet ist.

> Zaubergesänge und Traumzeit

Interessant ist nun, daß die Übereinstimmung der Erdresonanzfrequenz mit den Gehirnwellen in einem traumartigen Trancezustand bereits in ferner Vergangenheit vielen Völkern bekannt war, wenn sie auch dafür nicht unsere modernen wissenschaftlichen Begriffe verwenden konnten. Ein Beispiel bilden die australischen Ureinwohner, die Aborigines. Sie glauben, die Erde sei während einer "Traumzeit" von Schöpferwesen "gesungen" worden, und noch heute bezeichnen sie die geomantischen Energielinien, die das Land durchziehen und heilige Berge, Bäume und Seen miteinander verbinden, als "Traumpfade". Sie wußten also bereits lange vor uns Europäern, daß ein Mensch, der träumt, besonders eng mit der Erde verbunden ist.

Damit wird die Schumann-Frequenz aber endgültig zum "magischen Zaubergesang". Geomantische Energielinien lassen sich heute wissenschaftlich durchaus nachweisen, etwa durch Anomalien der Schwerkraft oder des Erdmagnetismus, und wenn man bedenkt, daß zum Beispiel Bäume zu den besten Antennen für magnetische Felder gehören, die man kennt (Wissenschaftler des Stanford Research Institute in Kalifornien benutzten sogar einmal eine lebende Eiche auf dem Institutsgelände, um ein hochempfindliches Magnetometer zu konstruieren), dann wird endgültig klar, daß wir mit unserem technokratischen Hochmut das Wissen der Naturvölker viel zu lange unterschätzt haben.

Auch die großen Federhauben, die die nord- und mittelamerikanischen Indianer bei ihren Ritualen tragen und die wir alle aus Wildwestfilmen kennen, dienen keineswegs nur als Schmuck. Wie uns der traditionelle Aztekentänzer und Schamane Xokonoschtletl Gomora einmal erklärte, fungieren sie als Antennen, um beim Tanz "kosmische Energie" (Schumann-Wellen) aufzufangen. Wie wir gesehen haben, konnten die Indianer dadurch veränderte Bewußtseinszustände erreichen, wobei sie allerdings auch noch weitere Hilfsmittel benutzen.

Doch die Wechselwirkung zwischen menschlichem Gehirn und atmosphärischen Wellen ist keine Einbahnstraße. Bereits seit Jahrzehnten herrscht vor allem in der russischen Parapsychologie die Theorie vor, daß außersinnliche Fähigkeiten des Menschen wie die Telepathie, das Remote Viewing (Fernwahrnehmung) oder die Psychokinese, also die gedankliche Beeinflussung von Materie, solche ELF-Wellen als Träger benutzen.

Experimente in Rußland und Amerika bestätigten, daß durch Magnetismus die paranormalen Fähigkeiten von Menschen beeinflußt werden können. Und schließlich traten auch bei den professionellen Remote Viewern des Stanford Research Institute und der CIA im Verlauf ihrer PSI-Spionagetätigkeiten ganz ungewollt einige Fähigkeiten auf, die eher dem Schamanismus als wissenschaftlich kontrollierter Parapsychologie zuzuordnen sind. Als Beispiele mögen hier die inzwischen bekannt gewordenen Namen wie Pat Price, Ingo Swann oder Joe McMoneagle dienen. Von Pat Price wurde sogar gesagt, er hätte die Fähigkeit entwickelt, Regenwolken herbeizurufen.

Wir selbst sind einmal ganz unverhofft Zeugen eines ähnlichen Vorganges gewesen, den wir in unserem Buch "Das Erbe von Avalon" beschrieben haben. Unter der Anleitung des früheren CIA-Offiziers Virgil Armstrong führten etwa hundert Personen, darunter auch Wissenschaftler und Journalisten, ein Ritual in einem Berliner Park durch, um für eine später geplante Himmelsbeobachtung die Wolkendecke aufzureißen. Dieser Versuch ist an jenem Abend zweimal gelungen, und zwar nur ganz gezielt für die kleine Lichtung, auf der die Gruppe versammelt war. Nur wenige hundert Meter abseits hatte es an jenem Abend sogar geregnet.

Virgil Armstrong hatte während des Vietnamkrieges aus Protest gegen die Politik der Vereinigten Staaten seinen Dienst bei der Armee und beim Geheimdienst gekündigt und daraufhin mehrere Jahre bei den Navajo- und Hopi-Indianern im Südwesten der USA verbracht, die ihm das alte indianische Geheimwissen beigebracht hatten.

Dieser Zusammenhang zwischen den paranormalen Fähigkeiten des Menschen und den ELF-Wellen im Bereich der Schumann -Frequenz bedeutet dann aber, daß das menschliche Gehirn nicht nur auf äußere Frequenzen reagiert (und dadurch von außen beeinflußbar wird), sondern daß es umgekehrt auch derartige Frequenzen in die Umwelt abstrahlt (und damit seine Umgebung beeinflussen kann).

> Autorität statt Macht

Besonders wichtig ist es hierbei, daß dieser noch weitgehend unerforschte Vorgang nichts mit unseren herkömmlichen Auffassungen der Einflußnahme des Menschen auf seine Umwelt zu tun hat. Es geht nicht darum, irgend etwas in der Umwelt zu "bekämpfen" (auch nicht, wenn es sich zum Beispiel um eine Feuerkatastrophe handelt) - mehr noch: sobald man versucht, etwas zu bekämpfen, funktionieren solche Bewußtseinstechniken nicht!

Zum Beweis können wir alte Überlieferungen der Kelten Irlands heranziehen, in denen von ganz ähnlichen Wetterritualen berichtet wird. Ein typisches Beispiel ist das "Buch der Eroberungen", in dem von der keltischen Besiedlung Irlands, etwa im 8. Jahrhundert v. Chr., berichtet wird. Dort heißt es, die Kelten seien bei ihrer Invasion der Insel auf den Widerstand eines dort ansässigen sagenhaften Volkes, den Tuatha De Danann, gestoßen, die mit Hilfe ihrer überlieferten Zaubergesänge den "druidischen Wind" heraufbeschworen, der die Schiffe der keltischen Eindringlinge auf die offene See zurücktrieb.

Alle Versuche der Kelten, die Insel gewaltsam einzunehmen, scheiterten. Auch ihre Druidengesänge waren erfolglos, solange sie darin ihren Anspruch beschworen, Irland für sich zu besitzen. Im Gegenteil: der "druidische Wind" verstärkte sich sogar noch und ließ das Schiff des Königs mit Mann und Maus untergehen.

Erst als der keltische Barde Amergin einen Zaubergesang rezitierte, in dem er sich als eins mit dem Land, mit seinen Pflanzen und Tieren, ja sogar als eins mit dem Wind und den Wellen des Meeres erklärte, war der Zauber gebrochen, und die Kelten konnten Irland besiedeln.

Dies dürfte die wohl wichtigste Erkenntnis auch aus dem erfolgreichen Regenritual sein, das die indianischen Häuptlinge jetzt in Brasilien abhielten.

Alle Versuche, das Feuer mit herkömmlichen Methoden zu "bekämpfen", waren bereits gescheitert. Die Indianer hingegen bekämpften nichts, auch nicht das Feuer, das ihre Dörfer bedrohte, nicht den Rauch, der ihre Kinder vergiftete. Wie alle anderen Naturvölker wissen sie, daß auch Feuer und Rauch Bestandteile der Natur sind und daß die Tatsache, daß sie die Menschen bedrohen, ihnen nicht ihre grundsätzliche Daseinsberechtigung raubt.

Schon die keltischen Druiden des Altertums wußten, daß der Mensch nicht Macht, sondern Autorität über die Naturreiche anstreben sollte. Macht hat immer etwas mit Unterdrückung und Gewalt zu tun, während der Begriff Autorität beinhaltet, daß der Druide oder Schamane von der ihn umgebenden Natur respektiert wird, weil er sich bewußt nicht außerhalb dieser Natur stellt, sondern sich selbst als integralen Bestandteil dieser Natur begreift. Dadurch kann er erreichen, daß die Natur ihm seine Wünsche "erfüllt", die aufgrund dieses speziellen Bewußtseinszustandes auch "natürlich" nicht gegen die Natur gerichtet sein können.

In wissenschaftlicher Sprache ausgedrückt heißt dies, daß die vom Schamanen im Trancezustand produzierten Alpha- oder Theta -Wellen zu denen seiner Umgebung kohärent werden, und es ist unmittelbar klar, daß diese Wellen nur so in eine wirklich spürbare Wechselwirkung mit dem natürlich vorhandenen Elektromagnetismus der Umgebung treten können.

Aus der Chaostheorie wissen wir, daß kleinste Effekte große Wirkungen erbringen können, speziell wenn sie sich in einem Resonanzkörper hochschaukeln können, wie ihn das System Erde-Ionosphäre mit den dazwischen pulsierenden Schumann-Wellen darstellt. In diesem Zusammenhang ist es dann aber durchaus denkbar, daß durch die Gehirnwellen eines Schamanen eine Schumann-Wellenfront beeinflußt wird, die über einen bestimmten Zeitraum Regengebiete von einer Region ferngehalten hat. Verstärkt wird dieser Effekt natürlich noch, wenn das Ritual von mehreren Menschen durchgeführt wurde, wenn vielleicht sogar der ganze Stamm in einem Zustand meditativer Trance der Zeremonie beiwohnte, so daß der oder die Schamanen das Gruppenbewußtsein des Stammes anzapfen konnten. Hier tritt dann der verstärkende Effekt der "morphischen Resonanz" ein, den Prof. Rupert Sheldrake in seiner bekannten Theorie vertritt.

Eine gewaltige Umweltkatastrophe hat auf - für uns - unkonventionelle Weise zumindest vorläufig ein Ende gefunden. Doch die daraus resultierenden Erkenntnisse sollten uns über das aktuelle Tagesgeschehen hinausführen und uns veranlassen, ein wenig über unsere Bewußtseinsstrukturen nachzudenken, die im europäischen Kulturkreis immer noch ganzheitliche Aspekte vernachlässigen. Hier können wir von unseren Mitmenschen in anderen Kulturen noch viel lernen, indem wir unsere überkommenen Machtansprüche aufgeben und dadurch Autorität gewinnen und damit in größerer Harmonie untereinander und mit der Natur leben können.

> Bibliographie

Fosar, Grazyna und Franz Bludorf: Zaubergesang. Geheimnisvolle Erdfrequenzen - der Schlüssel zur Wetter- und Gedankenkontrolle. Herbig-Verlag. München 1998.

Fosar, Grazyna und Franz Bludorf: Das Erbe von Avalon. Verborgenes Wissen in den europäischen Mysterien wiederentdeckt. Herbig-Verlag. München 1996.

Fosar, Grazyna und Franz Bludorf: Der kosmische Mensch. Ein Weg, um zum Denken zu kommen. R. G. Fischer-Verlag. Frankfurt 1992.

Fragoso, José und Kirsten Silvius: Amazon Fires. Dept. of Zoology University of Florida Gainesville, Florida USA, 32611. März 1998. Internet.

Goerdeler, Carl D.: Nach dem Regentanz kamen die Tropfen. Der Tagesspiegel. Berlin, 2.4. 1998.

Sátori, Gabriella: Monitoring Schumann Resonances - II. Daily and seasonal frequency variations. Journal of Atmospheric and Terrestrial Physics, Vol 58, No. 13, 1996.

Schnabel, Jim: Geheimwaffe Gehirn. Die PSI-Agenten der CIA. Bettendorf-Verlag. München. Essen. Ebene Reichenau 1998.

Williams, Earle R.: Schumann Resonance Measurements as a Sensitive Diagnostic for Global Change. North East Regional Center Directors Report, 1994.

[ohne Autorenangabe]: Strong rains fall on fire-ravaged Amazon state. CNN interactive, 31. 3. 1998. Internet.

datum 16.10.2009   .   quellen www.fosar-bludorf.com/archiv/rz.htm

 

Elektromagnetische Einflüsse als Ursachen für CFIDS
von Grazyna Fosar und Franz Bludorf

Eine ganze Reihe von CFIDS-ähnlichen Symptomen treten bei ganz bestimmten Populationen auf, was Rückschlüsse auf die Ursachen erlaubt:

>  Die Tunguska-Population

Nach der bis heute ungeklärten Tunguska-Katastrophe vom Juni 1908, als durch eine gewaltige Explosion in der Taiga mehrere tausend Quadratkilometer Wald vernichtet und Tausende von Menschen und Tieren das Leben verloren, traten CFIDS-ähnliche Symptome bei der ansässigen Bevölkerung gehäuft auf (und das bis heute). Zu den genannten Symptomen treten noch Befunde, die sich sogar im Labor objektivieren lassen, nämlich krankhafte Veränderungen bei den Erythrozyten. Es kam auch zu Schädigungen des Erbguts bei Mensch und Tier. (Zu diesem Thema werden wir in unserem nächsten Buch mehr sagen).

Am 30. Juni 1908 ereignete sich in der entlegenen Tunguska-Region in Sibirien (Provinz Krasnojarsk) eine gewaltige Explosion, deren Ursache bis heute unbekannt ist. Tausende Quadratkilometer Wald wurden zerstört, es kam zu zahlreichen Todesopfern. Noch heute ist die Landschaft von der Katastrophe gezeichnet. In der Tunguska traten seither bei Menschen und Tieren Schädigungen des Erbmaterials auf sowie Veränderungen im Blutbild und andere typische CFIDS-Symptome.

>  Die "Tapanui-Grippe"

Auch in der Umgebung des Tapanui-Kraters im Süden Neuseelands treten CFIDS-Fälle gehäuft auf. Bis vor ein paar Jahren nannte man sie hier "Tapanui flu" oder ME-Syndrom (myalgic encephalomyelitis). Der Tapanui-Krater ist ein großer Einschlagkrater, der bereits vor der Besiedlung Neuseelands durch Weiße entstanden ist und über dessen Entstehungsgeschichte daher nur die Überlieferung der eingeborenen Maoris zur Verfügung steht (1). Sie berichten über eine Explosion von kosmischen Ausmaßen, die in etwa der Tunguska-Katastrophe ähnlich gewesen sein könnte. Durch genaue Analyse der Maori-Mythen läßt sich als Zeitpunkt etwa das 12. Jahrhundert schätzen. Zu dieser Zeit kam es weltweit zu einer Klimaänderung (Grönland vergletscherte, es kam zu einer kleinen Zwischeneiszeit, die in Europa bis ins 19. Jahrhundert hinein für außergewöhnlich kalte Winter sorgte). In Neuseeland starb damals eine Straußenvogelart, der Moa, aus. Der Tapanui-Krater zeigt bis heute magnetische Anomalien und wird von Tieren gemieden. Beide - Tunguska wie Tapanui - weisen auf extreme elektromagnetische Anomalien als Auslöser der dortigen CFIDS-Varianten hin.

Auch der Ursprung des Tapanui-Kraters im Süden Neuseelands ist bis heute ungeklärt. Maori-Legenden erzählen, hier sei das Himmelsschiff des Gottes Tamaatea einst abgestürzt. Der Entstehungszeitpunkt des Kraters wurde von Wissenschaftlern etwa auf das 12. Jahrhundert geschätzt. In dieser Region ist CFIDS so häufig, daß man die Krankheit lange auch als Tapanui flu" (Tapanui-Grippe) bezeichnete.

>  Das Golfkriegs-Syndrom

Nach dem Golfkrieg traten CFIDS-ähnliche Symptome bei einer überproportional großen Gruppe amerikanischer Golfkriegs -Veteranen auf. Das Department of Veteran Affairs wählte damals aus einer Reihe von Soldaten, die wegen gesundheitlicher Probleme Armeekrankenhäuser aufgesucht hatten, willkürlich eine Gruppe von 1161 Männern aus, die genauer untersucht wurden. Von diesen litten 323 oder 28% an CFIDS-Symptomen. Vor allem auch die Hautausschläge und multiplen Allergien (bei 14% bzw. 141 Veteranen) waren weit verbreitet (2). Laut Bericht des Wissenschaftsmagazins Lancet" leiden über 50000 Golfkriegsveteranen darunter - 70 % von ihnen sind dauerhaft dienstuntauglich.

Dies führte zur Legende vom "Golfkriegs-Syndrom". Es hieß, Saddam Hussein hätte chemische oder biologische Waffen gegen die alliierten Streitkräfte eingesetzt, die noch dazu von den USA oder ihren NATO-Verbündeten selbst früher an den Irak geliefert worden seien. Auch amerikanische Panzerabwehrgranaten, deren Spitzen mit Uran bestückt waren, kamen in Verdacht. Die Existenz solcher panzerbrechender Munition wird von der NATO nicht geleugnet, und sie kam auch im Kosovo-Krieg schon zum Einsatz (3).

Dennoch erwiesen sich die Behauptungen als nicht haltbar. Das "Golfkriegs-Syndrom" als eigenständige Krankheit ist offenbar nur ein Mythos. Das Hauptargument ist, daß CFIDS-Symptome eben nicht nur bei den Golfkriegs-Veteranen auftraten, sondern bei Hunderttausenden anderer Bürger, die mit Sicherheit weder mit radioaktiver Strahlung noch mit biochemischen Waffen in Berührung kamen.

US-Präsident George Bush begrüßt Veteranen des Golfkrieges. Seit eine überdurchschnittliche Zahl von Golfkriegs-Veteranen über CFIDS-ähnliche Symptome klagte, entstand der Mythos vom Golfkriegs-Syndrom". Inzwischen zeigt sich, daß weniger die biochemischen Waffen Saddam Husseins als vielmehr geheime elektromagnetische Waffen der Alliierten für die Symptome verantwortlich sein dürften.

Das US-Militär versuchte dagegen offiziell, die Symptome auf eine exotische Infektionskrankheit zurückzuführen, die sogenannte Leishmaniasis, die von einzelligen Parasiten ausgelöst und in der Wüste durch Sandfliegen übertragen wird (4). Noch heute versucht das amerikanische Militär an dieser Deutung festzuhalten, obwohl

> aus einer willkürlich ausgewählten Gruppe von 102 Golfkriegsveteranen der Test nur in 10% der Fälle positiv ausfiel
> der verwendete Test hochgradig unsicher und noch experimentell ist und bekanntermaßen auch falsch positive Resultate liefern kann.
> eine akkurate Diagnostik mit Hilfe von Gewebeproben nicht durchgeführt wurde.

Will das US-Militär hier etwas vertuschen? Was steckt wirklich hinter dem Golfkriegs-Syndrom?

Später "diagnostizierte" man die Symptome der Golfkriegs-Veteranen auch als gewöhnliche Depression bzw. Angstneurose aufgrund des posttraumatischen Stresses, den ein Kampfeinsatz im Krieg mit sich brachte. Auch diese Argumentation ist nicht überzeugend, da eine Kontrolluntersuchung an NATO-Veteranen aus dem Bosnien-Krieg kein vergleichbares Ergebnis brachte.

Es erscheint auch kaum denkbar, daß die Soldaten in der Hitze der irakischen Wüste zu viel Diät-Cola konsumiert hätten, wie auch schon allen Ernstes behauptet wurde.

Als einzige überzeugende Erklärung könnten elektromagnetische Waffen dienen, die wohl tatsächlich im Golfkrieg, dem ersten "virtuellen Krieg" der Weltgeschichte, erstmals eingesetzt wurden. Waffen also, die mit extrem langwelliger Strahlung (ELF-Wellen im Bereich unterhalb von 10 Hertz) arbeiten, mit denen man zum Beispiel tief unterirdische Bunkeranlagen ausspionieren kann, die aber auch wissenschaftlich nachweisbar sowohl das Wetter als auch das menschliche Gehirn beeinflussen, das für diese Wellen resonanzfähig ist, da es ebenfalls elektromagnetische Wellen in diesem Bereich erzeugt, wie im EEG gemessen werden kann. (s. hierzu auch unseren Artikel "Der Übergang ins Frequenz-Zeitalter" bzw. unser Buch "Zaubergesang")

Berichte von Golfkriegsveteranen enthalten Schilderungen darüber, daß geheime Armee-Einheiten mit Schumann -Frequenzgeneratoren ausgerüstet gewesen seien und in der Wüste riesige Lautsprecher installiert hätten, die aber im Betrieb dann keinen Ton von sich gegeben hätten. Einem US-Soldaten, der diese Installationen fotografieren wollte, wurde sofort die Kamera abgenommen.

Dies wäre eine überzeugende Erklärung dafür, daß unter den Golfkriegs-Veteranen überproportional viele CFIDS-Fälle auftraten, da sie eben besonders stark mit derartigen Strahlungen konfrontiert waren. Da eine Belastung mit Elektrosmog aber weltweit auftritt, sind CFIDS-Fälle in der normalen Bevölkerung ebenfalls erklärlich. Das folgende Beispiel macht deutlich, daß derartige militärische Projekte nicht nur für Soldaten gefährlich werden können und daß sie nach wie vor vertuscht werden.

>  Das "Taos-Hum"

Seit 1991 berichten Menschen aus der Stadt Taos in New Mexico darüber, daß sie ständig durch ein störendes, niederfrequentes Brummsignal belästigt würden. Eingehende Untersuchungen haben ergeben, daß etwa 2% der Einwohner der Stadt davon betroffen sind und unabhängig voneinander darüber berichten (5).

Die Berichte deuten darauf hin, daß es sich dabei um elektromagnetische Signale im ELF-Bereich, etwa zwischen 33 und 80 Hz handeln könnte (6). In diesem Bereich arbeitet zum Beispiel ein amerikanisches U-Boot-Kommunikationssystem. Ähnliche Systeme sind auch in Großbritannien und Rußland entwickelt worden. Das Los Alamos National Laboratory, das ja ganz in der Nähe seinen Sitz hat, konnte dagegen ein starkes Signal im Bereich zwischen 12 und 18 Hz identifizieren, ohne allerdings (offiziell) seinen Ursprung lokalisieren zu können.

Keine Untersuchung hatte jedoch bislang je einen Beweis dafür erbracht, daß man derartige elektromagnetische ELF-Signale hören könnte.

Wie gesagt, konnten bislang keine technischen Einrichtungen als Verursacher für das Taos-Hum verantwortlich gemacht werden. Die genannten U-Boot-Kommunikationssysteme arbeiten seit 1987, so daß es nicht einsehbar wäre, wieso die Störungen erst ab 1991 auftraten. Selbst ein Kongreßabgeordneter hat sich 1993 nachweislich der Sache angenommen und drei mögliche militärische Verursacher genannt: eine neuartige Radareinrichtung der Kirtland Air Force Base, niedrig und äußerst leise fliegende Hubschrauber sowie ein niedrig fliegendes Laserlaboratorium. Es deutet alles darauf hin, daß die Angelegenheit massiv vertuscht werden soll, so daß die Wahrscheinlichkeit hoch ist, daß es sich noch um eine ganz andere Ursache handelt.

Untersuchungen an der Universität New Mexico haben jedenfalls einwandfrei ergeben,. daß die Geräuschempfindungen bei den Betroffenen keine Halluzinationen sind und auch nicht auf organische Ursachen (Tinnitus, Morbus Ménière) zurückgeführt werden können.

Das Phänomen tritt inzwischen auch an vielen anderen Orten der Vereinigten Staaten auf sowie in Großbritannien, Schweden und anderen europäischen Ländern. Die Töne lassen sich nicht mit herkömmlichen Mikrofonen und Cassettenrecordern aufzeichnen, konnten allerdings angeblich durch Spezialempfänger schon geortet und registriert werden (7). Die Ursache ist nach wie vor unklar.

Auf einer subjektiven Bewertungsskala (von 0-9, nach L. Grant (8)) kommt es bei Dauerbelästigung durch das Taos-Hum zu folgenden abgestuften Symptomen:

0 - keine Wahrnehmung des Brummtons

1 - Brummton kaum zu hören, man ist nicht sicher, ob und wann man ihn hört.

2 - Brummton definitiv hörbar, im Hintergrund, wenn ansonsten Stille herrscht, meist nachts im Bett.

3 - Die Wahrnehmung des Tons wird zur Plage, er kann zu den meisten Zeiten gehört werden, auch wenn man aufgestanden ist und sich bewegt. Er wird noch nicht als extrem belastend empfunden, und es kommt noch zu keinen physischen Symptomen.

4 - Der Ton wird meistens oder ständig gehört, als starkes Signal, man wird müde, ihn zu hören. Gedankengänge werden unterbrochen. Nach wie vor keine physischen Symptome.

5 - Es wird langsam gefährlich. Der Ton ist da, er ist laut, den ganzen Tag über. Es kommt zu Kopfschmerzen, man kann sich nicht konzentrieren, hat den einzigen Wunsch, den Ton abzuschalten.

6 - Der Ton ist so stark, daß man kaum noch denken kann. Man sitzt meist nur noch da, kaum fähig aufzustehen. Es kommt zu Kopfschmerzen, Muskelspasmen, Zuckungen, Gelenk- und Muskelschmerzen.

 

7 - Der Raum scheint zu vibrieren, die visuelle Wahrnehmung verschwimmt, es kommt zu schweren physischen Symptomen, Erschöpfung, bei gleichzeitigem Gefühl der Anspannung und Erregung. Starke subjektive Gefühle der Vibration und des "Rumpelns".

8 - Zusätzlich zu (7) das Gefühl von Elektroschocks, die durch den ganzen Körper gehen. "Alles, was noch existiert, ist das Brummen und der Wunsch, es zu überleben."

9 - dieser Punkt soll nur demonstrieren, daß die Skala prinzipiell nach oben offen ist. Schwerere Fälle als (8) wurden bislang nicht bekannt.

In England wurden Fälle bekannt, daß Menschen die Belästigung durch Ortswechsel loswerden konnten (indem sie z. B. in einem Park übernachteten (9)). Dies ist ein weiteres Indiz dafür, daß es sich um ein objektives Phänomen handelt.

> Quellen der elektromagnetischen Belastungen

Es gibt zwei Quellen für elektromagnetische Belastungen:

> technische Belastungen

Diese Belastungen werden durch technische elektromagnetische Wechselfelder im ELF-Bereich ausgelöst, z. B. durch den üblichen Wechselstrom aus der Steckdose (50 Hertz Netzfrequenz), oder durch die großen Ionosphären-Heizer (z. B. die HAARP -Anlage in Alaska (10)), die gezielt eine verstärkte Emission von ELF-Wellen in der Ionosphäre hervorrufen und dadurch auch schon erheblich zur Klimaveränderung beigetragen haben (z. B. zur Südwärtsverlagerung des nördlichen Jetstream, der heutzutage statt in der Polarregion immer häufiger auch über Mitteleuropa verläuft). In diesem Zusammenhang kommt es auch zum Auftreten des sogenannten TLR-Faktors (temporary local risk factor), der ganz offenbar nicht nur eine Gefahr für den Flugverkehr ist, sondern auch das menschliche Bewußtsein beeinflussen kann.

Hinzu kommen flächendeckend vorhandene Anlagen zur Telekommunikation wie Radar-, Funk- und Funktelefonnetze, die sämtlich Trägerfrequenzen im Mikrowellenbereich verwenden, in der Regel Oberwellen (Vielfache) von 150 Megahertz, der Resonanzfrequenz der menschlichen Erbsubstanz, des DNA-Moleküls. Diese Mikrowellen werden mit ELF-Wellen im Bereich von 8 Hertz gepulst, so daß sie direkt in die menschliche Erbsubstanz, aber auch auf das Gehirn einwirken können. Dabei sind diese athermischen Effekte (Schädigungen durch Informationsübertragung) weitaus gefährlicher als die so vieldiskutierten thermischen Effekte (Überwärmung von Hirngewebe durch Handy-Benutzung). Diese athermischen Effekte sind mittlerweile wissenschaftlich nachweisbar und betreffen alle Menschen, nicht nur die Handy-Besitzer, denn die Funkmasten existieren im Land ja flächendeckend.

Krankheitssymptome durch Mikrowellen-Smog sind aber seit den siebziger Jahren bekannt: Schlafstörungen, Vibrationsgefühle, Halluzinationen, Augenbrennen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Störungen, Reizbarkeit, Angst, Depression, Gedächtnisstörungen. Sie traten sowohl bei den Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft in Moskau auf, als diese vom sowjetischen Geheimdienst mit Mikrowellen bestrahlt wurde, als auch 1976 bei der Bevölkerung in Teilen Kanadas, während das ebenfalls aus der Sowjetunion stammende elektromagnetische "Woodpecker"-Signal ("Specht") empfangen wurde, eine elektromagnetische Frequenz von ca. 8 Hz. (11)

Untersuchungen aus den USA und Finnland (12) haben bewiesen, daß eine hohe Dauerbelastung mit bestimmten elektromagnetischen Frequenzen nicht nur Leukämie, sondern auch Alzheimer auslösen können. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, war bei den Personen, die einer solchen Dauerbelastung an ihrem Wohnort ausgesetzt waren, bis zu dreimal höher als bei Kontrollgruppen ohne vergleichbare Belastung, in Finnland sogar bis zu siebenfach erhöht. Ähnlich wie schon bei den Genußgiften Aspartam und Glutamat beschrieben, erhöhen diese Felder die Calcium-Konzentration in den Zellen.

> Natürliche Belastungen

Zusätzlich zur Belastung durch technische Felder wirkt auch die normale Umwelt momentan auf viele Menschen belastend, da sich auch die natürlichen elektromagnetischen Felder der Erde derzeit einschneidend verändern: das Erdmagnetfeld und die Erdresonanzfrequenzen (die sogenannten Schumann-Frequenzen (13)). Speziell gilt dies für die Schumann-Frequenzen, die ja wiederum im ELF-Bereich liegen (die Basisfrequenz liegt bei knapp 8 Hertz).

Laborexperimente haben bewiesen, daß die Veränderung dieser Parameter wiederum zu CFIDS-ähnlichen Symptomen führt. In der Natur läuft aber momentan eine solche Veränderung ab: das Erdmagnetfeld geht kontinuierlich zurück, die Schumann-Frequenzen steigen an.

Nun weiß man inzwischen, daß nicht nur das Gehirn, sondern auch viele andere Organe des Körpers sowie der Körper als Ganzes elektromagnetische Felder und Wellen produzieren, die zu denen der Erde synchron laufen, als Resultat eines langen Anpassungsprozesses des Menschen an seine irdische Umwelt. Wenn sich nun diese äußeren Umstände verändern, muß der Körper darauf reagieren.

Damit wäre CFIDS keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine körperliche Reaktion auf eine Veränderung der Umweltbedingungen, also Symptom eines Anpassungsprozesses. Wir wissen nicht, warum nur ein kleiner Teil der Bevölkerung dies spürt, und ebenfalls ist uns unbekannt, wie lange dieser Anpassungsprozeß dauern wird.

> Quellenangabe

(1) Dr. Jan Pajak: Das Rätsel von Tapanui. Karmakurier Nr.1/92. Berlin 1992.

(2) Deborah Funk: Tests show similar symptoms in Gulf vets. Navy Times. 21.7.1997.

(3) Arthur Kerschen: Gulf War Syndrome. The BioFact Report

(4) Deborah Funk, a.a.O.

(5) Ron Holtz: ELF and the Hum.

(6) Thomas Begich: Sourcing the Taos Hum. Earthpulse 1999.

(7) Lennart Branthle: PELF-receiver O5. Kalmar, Schweden 1995.

(8) L. Grant: "Hum" rating scale.

(9) L. Sheppard & C. Sheppard: The Phenomenon of Low Frequency Hums. Norfolk Tinnitus Society 1993.

(10)Grazyna Fosar, Franz Bludorf: Zaubergesang. Geheimnisvolle Erdfrequenzen - der Schlüssel zur Wetter- und Gedankenkontrolle. München 1998. (http://www.fosar-bludorf.com/zauber.htm)

(11) Grazyna Fosar, Franz Bludorf: Zaubergesang. a.a.O. (http://www.fosar-bludorf.com/zauber.htm)

(12) Thomas H. Maugh II: New report links Alzheimer's and electromagnetic fields. Los Angeles Times, 31.7.1994.

(13) Grazyna Fosar, Franz Bludorf: Zaubergesang. a.a.O. (http://www.fosar-bludorf.com/zauber.htm)

datum 16.10.2009

quellen
www.fosar-bludorf.com/cfids/elmag.htm
astore.amazon.de/kontextonline-21
www.fosar-bludorf.com/cfids/index.htm

 

Arktisches Wiegenlied
Das HAARP-Projekt - Lautlose Manipulation von Menschen über die Ionosphäre?

von Grazyna Fosar und Franz Bludorf

Wenn man den Tok-Highway im südlichen Alaska entlangfährt, so kommt man beim Meilenstein Nr. 11 in der Nähe der Ortschaft Gakona inmitten der arktischen Wildnis an einen Maschendrahtzaun. Ein Schild weist darauf hin, daß hier militärisches Versuchsgelände beginnt, das sogenannte HAARP-Projekt.

Es sind allerdings keine Engelsharfen, die hier in der Abgeschiedenheit der Landschaft ertönen. Dennoch wird uns allen von diesem fernen Außenposten der Zivilisation aus im wahrsten Sinne des Wortes ein Schlaflied gesungen.

HAARP ist die Abkürzung für "High frequency Active Auroral Research Program", d. h. "Aktives Hochfrequenzprogramm zur Erforschung der Aurora". Offiziell will man uns also weismachen, hier würden harmlose Wissenschaftler die Entstehung des Nordlichts erforschen. Beteiligt sind neben der US Navy und der US Air Force die Universität Alaska in Fairbanks weitere Universitätsinstitute und Zuliefer-firmen. Eigentümer des Geländes ist das amerikanische Verteidigungsministerium.

Weshalb, so fragt sich der unbefangene Beobachter , hat das US-Militär eigentlich ein Interesse an Polarlichtern? Wir werden bald sehen, daß das HAARP-Projekt ein modernes Trojanisches Pferd ist, in dessen scheinbar harmloser Verpackung sich gefährlicher Zündstoff verbirgt.

> Die Ionosphäre

Die offizielle Projektbeschreibung besagt, HAARP diene dazu, physikalische Vorgänge in der Ionosphäre zu studieren. Dies ist eine obere Schicht der Erdatmosphäre, zwischen 60 und 1000 km über dem Erdboden gelegen, die besonders reich an elektrisch geladenen Teilchen, sogenannten Ionen, ist. Durch natürliche Strahlung von der Sonne und aus dem Kosmos werden hier immer wieder Materiepartikel aufgeladen und wieder entladen. Speziell in der Nähe von Nord- und Südpol, wo die Feldlinien des Erdmagnetfeldes besonders dicht liegen, kommt es dabei immer wieder zu großflächigen Entladungen, die auch vom Erdboden aus zu beobachten sind und als Nordlicht oder Aurora bezeichnet werden.

Für das Forschungsprojekt hat man nun in den unendlichen Weiten Alaskas einen gigantischen Antennenwald errichtet, der zur Zeit 48 Antennen umfaßt. Im Vollausbau werden es 180 sein. Jede dieser Antennen ist kreuzförmig - eine sogenannte Dipol-Antenne - wobei ein Arm für den Bereich zwischen 2.8 bis 7 MHz, der andere für den Bereich von 7 bis 10 MHz zuständig ist. Die Antennen sind nun so geschaltet, daß sie gleichzeitig einen sehr eng umschriebenen Bereich der Ionosphäre nahezu punktförmig mit hochfrequenter Radiostrahlung beschießen können. Dieser Bereich der Ionosphäre wird dadurch gewaltig aufgeheizt und reagiert mit seinerseits mit der Abstrahlung von Radiowellen.

Seit langem weiß man bereits, daß die elektrisch positiv aufgeladene Ionosphäre einen Gegenpol zur negativ geladenen Erdoberfläche bildet, und daß zwischen beiden ständig eine elektrische Spannung herrscht. Diese Spannung entläd sich regelmäßig, indem irgendwo auf der Erde ein Gewitter stattfindet. Ein solches System aus zwei konzentrischen, entgegengesetzt elektrisch geladenen Kugeln nennt man in der Physik auch einen Kugelkondensator.

Diese physikalischen Eigenschaften der Ionosphäre macht man sich technisch zunutze in der drahtlosen Informationsübertragung. Für Radiowellen, die von einem Sender auf der Erde abgestrahlt werden, wirkt die Ionosphäre nämlich wie ein riesiger Hohlspiegel . Von ihm werden die Radiowellen reflektiert und können so über große Entfernungen übertragen werden.

Jeder, der einmal versucht hat, mit einem Mittelwellenempfänger einen fern gelegenen Sender zu hören, kennt den Effekt, daß der Empfang nach Sonnenuntergang deutlich besser wird. Der Grund ist, daß die Störeffekte durch die Sonneneinstrahlung auf die Ionosphäre dann fortfallen.

> Die Entdeckungen von Tesla und Schumann

Diese physikalischen Fakten wurden erstmals Anfang unseres Jahrhunderts von dem kroatischen Physiker und Erfinder Nikola Tesla beschrieben, der zu dieser Zeit in Colorado Springs Experimente zur drahtlosen Energieübertragung durchführte. Tesla erzeugte damals mit seinen Versuchsanordnungen gewaltige elektrische Spannungen von mehreren hunderttausend Volt, mit denen er sogar künstliche Blitze erzeugen konnte. Er fand dabei heraus, daß mit jedem solchen Blitz auch Radiowellen extrem niedriger Frequenz ausgestrahlt werden, die nahezu widerstandslos in die Erde ein- und durch sie hindurchdringen können. Er hatte damit die elektromagnetische Resonanzfrequenz der Erde entdeckt.

Teslas Arbeiten stießen damals auf wenig Gegenliebe, und da der wirtschaftliche Nutzen nicht sofort absehbar war, zogen sich auch seine Geldgeber rasch zurück, so daß er seine Forschungsarbeit nicht beenden konnte. So dauerte es fast ein halbes Jahrhundert, bis der deutsche Physiker W. O. Schumann von der Universität München - mehr durch Zufall - die gleiche Entdeckung machte: Jede Energieentladung zwischen Ionosphäre und Erdoberfläche erzeugt als Nebenprodukt Radiowellen extrem niedriger Frequenz, die mit der Erde resonanzfähig sind. Sie können so nicht nur in die Erde eindringen, sondern verstärken sich dabei noch , wodurch es zur Ausbildung gewaltiger stehender Wellen kommt, die über lange Zeit stabil bleiben können. Der exakte Wert dieser Schumann-Frequenz liegt bei 7.8 Hz.

Eine Möglichkeit militärischer Nutzung dieser extrem niederfrequenten Wellen (sogenannter ELF-Wellen) ist sofort sichtbar. Da diese Wellen nahezu verlustfrei in den Erdboden, aber auch in Wasser eindringen können, eignen sie sich hervorragend zur Lokalisierung unterirdischer Objekte, aber auch zur Ortung und zur Kommunikation mit U-Booten.

Darüber hinaus sah man in der Physik zunächst keine große Bedeutung in dieser Entdeckung, und so hätten Schumanns Forschungsergebnisse beinahe das Schicksal seines Vorgängers Tesla erlitten. Doch dann wurde zufällig ein Arzt darauf aufmerksam, dem die merkwürdige Tatsache aufgefallen war, daß die fundamentale Erdresonanzfrequenz im gleichen Bereich liegt wie die Resonanzfrequenzen des menschlichen Gehirns.

> Die Frequenzen des Gehirns

Durch Messungen der Gehirnströme mittels eines Elektro-Enzepha-lographen kann man feststellen, daß das Gehirn elektromagnetische Wellen produziert, die im Bereich zwischen 1 und 20 Hz liegen. Man unterteilt dieses Spektrum in der Medizin in insgesamt vier Bereiche, die mit unterschiedlichen Bewußtseinszuständen einhergehen:

1. Delta-Wellen (1-3 Hz) sind charakteristisch für traumlosen Tiefschlaf und komatöse Zustände.

2. Theta-Wellen (4-7 Hz) sind charakteristisch für den Traumschlaf.

3. Alpha-Wellen (8-12 Hz) treten im entspannten Wachzustand auf, etwa in einer Meditation oder kurz vor dem Einschlafen bzw. unmittelbar nach dem Erwachen.

4. Beta-Wellen (13-20 Hz) herrschen im normalen Wachzustand vor.

Die Schumann-Frequenz liegt also an der Grenze zwischen Schlaf und Wachen beim Menschen. Sie stellt darüber hinaus die fundamentale Gehirnfrequenz der meisten Säugetiere dar. Dies könnte erklären, daß Tiere dem Menschen gegenüber einen geringeren Bewußtheitsgrad haben. Sie befinden sich sozusagen erst an der Schwelle höherer Bewußtheit.

Diese Übereinstimmung ist mit Sicherheit kein Zufall, denn Tiere und Menschen sind ja Kinder der Erde und haben ihre Gehirnfrequenzen im Verlauf der Evolution ganz einfach den natürlichen Gegebenheiten ihres Lebensraumes angepaßt.

Man hat nämlich herausgefunden, daß das Gehirn auf elektromagnetische Frequenzen, die ihm von außen "angeboten" werden und die im richtigen Frequenzbereich liegen, reagiert. Auch hier liegt also eine Resonanzwirkung vor. Auf diesem Prinzip basieren viele der zur Zeit im Handel angebotenen "Mind Machines", die dem Menschen behilflich sein sollen, einen entspannten, meditativen Zustand zu erreichen, also den Alpha-Zustand, in dem die ruhigen Wellen von 8-12 Hz vorherrschen und durch den die rastlosen Gedankenaktivitäten des normalen Beta-Zustandes zur Ruhe kommen.

> Mögliche Auswirkungen des HAARP-Projektes auf das menschliche Bewußtsein

Bauen die Militärs also in Alaska an einer riesigen Meditationsmaschine? Im Prinzip ja, aber nicht unbedingt mit freundlichen Absichten. Amerikanische Untersuchungen von Versuchspersonen unter Hypnose haben ergeben, daß der Mensch im Alpha -Zustand um das 25fache leichter mit Suggestionen beeinflußbar ist als im normalen Wachzustand. Wenn uns die US-Navy also in Alaska ein "Schlaflied" singt, dann wohl auch zu dem Zweck, Menschen über große Entfernungen hinweg unsichtbar und unhörbar beeinflussen zu können.

Sagen Sie jetzt bitte nicht, Alaska sei weit weg, und deshalb hätten wir hier nichts zu befürchten. Der Spiegeleffekt der Ionosphäre bewirkt, daß ein ausgestrahltes Signal punktgenau irgendwohin auf unserer Erde geschickt werden kann.

Solange es sich um bloße, quasi "naturbelassene" Schumann-Wellen handelt, geschieht dabei nicht unbedingt etwas Schlimmes. Mit diesen Wellen haben wir es sowieso Tag für Tag auf ganz natürliche Weise zu tun. Allerdings könnte durch eine verstärkte künstliche Bestrahlung der Bewußtseinszustand des Menschen getrübt und er dadurch für die normalen suggestiven Beeinflussungen des Alltags, etwa durch Werbung und Politik, empfänglicher werden.

Es gibt jedoch noch viel weitergehende Möglichkeiten. Aus der Radiotechnik wissen wir, daß die Über-tragungsfrequenz eines Senders nur als Trägerwelle fungiert, der die eigentliche Information erst aufgeprägt wird (der Fachmann sagt: aufmoduliert). Wenn Sie zum Beispiel Ihr Radio auf 94 MHz im UKW-Bereich einstellen, dann hören Sie ja nicht nur einen einzigen Ton, sondern ein komplettes Radioprogramm mit Sprache und Musik. Diese komplizierten Informationen werden mit Hilfe der 94-MHz-Trägerwelle vom Sender zum Empfänger transportiert und dort wieder hörbar umgewandelt. Auf dem Weg dazwischen ist von dem Radioprogramm nichts zu hören. Wir alle laufen täglich durch einen unübersehbaren Wellensalat, ohne davon etwas zu spüren.

Dies liegt aber daran, daß die üblichen Radiofrequenzen in einem Bereich liegen, für den das menschliche Gehirn nicht empfänglich ist. Prägt man hingegen eine Information einer ELF-Welle im Alpha-Bereich auf, z.B. einer ganz gewöhnlichen Schumann-Welle, so kann man auf diese Weise unmerklich Informationen direkt in die Gehirne Tausender ahnungsloser Menschen einspeisen.

> Die Abwiegelungstaktik der beteiligten Forscher

Die Taktik der Projektleitung des HAARP-Projektes ist sehr geschickt. Das ganze Projekt wird als reine wissenschaftliche Forschungsarbeit deklariert, und den besorgten Bürgern werden sogar via Internet "häufig gestellte Fragen" gleich mit den passenden Antworten geliefert. Man hat sich dem wachsenden ökologischen Bewußtsein der Bevölkerung durchaus angepaßt.

Leider sind die in diesem Zusammenhang dargestellten "Gefahren" fingiert und lenken vom Wesentlichen ab. Ein wissenschaftlicher Laie hat kaum die Chance, diese Täuschungsmanöver zu durchschauen.

So gehen die Sicherheitsbemerkungen der Wissenschaftler und Militärs vorrangig auf Begriffe ein, die in der Bevölkerung bereits bekannt sind und vielfach Ängste auslösen. So beruhigt man die Menschen zum Beispiel damit, daß keine Gefahr für die Ozonschicht der Erde bestünde. Wie sollte es auch, denn die schützende Ozonschicht unserer Erde, die durch die Emission von Fluorchlorkohlen-wasserstoffen ernsthaft geschädigt wurde und wird, liegt ja im Bereich zwischen 20 und 30 km Höhe, also weit unterhalb der Ionosphäre.

Auch der Begriff Elektrosmog hat im Bewußtsein der Bevölkerung bereits für eine gewisse Sensibilisierung gesorgt, seitdem man weiß, daß zum Beispiel die Abstrahlung von Hochspannungsleitungen, aber auch von technischen Geräten wie Halogenlampen, Mikrowellenherden oder Handy-Telefonen zur Bildung von Krebs beitragen kann. Natürlich beschränkt man sich hier darauf, die Bevölkerung dahingehend zu beruhigen, daß die elektromagnetische Emission der Antennen die unmittelbare Umgebung nicht verseucht, so daß Passagiere in vorbeífahrenden Autos nicht gefährdet würden. Gleichzeitig wird festgestellt, daß die Sendeleistung so gering sei, daß die resultierende Strahlung wesentlich geringer als die natürliche sei.

Immerhin gab man zu, daß die sensible Elektronik von Flugzeugen, die das Gebiet überfliegen, durch die Experimente beeinflußt werden kann. Man hat dagegen einen Schutzmechanismus eingebaut, der bei Auftauchen eines Flugzeuges die Anlage sofort abschaltet. Dies ist ein Anzeichen, daß die Anlage durchaus auch zur Störung des Flugverkehrs geeignet wäre.

Das US-Militär gibt offen zu, daß ein wichtiges Ziel des Projektes ist, "feindliche" U-Boote und sonstigen "feindlichen" Funkverkehr zu stören. Wer, bitte schön, ist denn der Feind? Das HAARP-Projekt wurde erst Anfang der neunziger Jahre, also nach dem Zerfall des Warschauer Paktes, ins Leben gerufen, und befindet sich bis heute noch immer in der Testphase.

Auch auf die Problematik der ELF-Wellen gehen die HAARP-Manager kurz ein und versichern, daß diese so schwach seien, daß sie unterhalb der Grenze liegen, bei der biologische Reaktionen beim Menschen je beobachtet wurden.

Zumindest in Deutschland scheint die gesamte Presselandschaft inklusive des "Spiegel" und des ZDF-Wissenschaftsmagazins auf diese Abwiegelungsmanöver hereingefallen zu sein. Vollständig beruhigt war man, als bekannt wurde, daß schon seit Jahren in Tromsö in Norwegen ein ähnlicher Ionosphären-Heizer unter Leitung des deutschen Max-Planck-Institutes betrieben wird. Dabei sei es zu keinerlei schädlichen Wirkungen gekommen.

Das Vorhandensein ähnlicher Technologien anderswo auf der Erde wird von den HAARP-Kritikern, allen voran dem Arzt Dr. Nicholas Begich aus Alaska, Sohn eines amerikanischen Kongreßabgeordneten, der mit seinem Buch als erster weltweit auf das Projekt aufmerksam machte, nicht bestritten. Weitere Anlagen gibt es seit langem in Arecibo auf Puerto Rico, in Nischni Nowgorod in Rußland, in Duschanbe in Tadschikistan und noch an einigen anderen Orten. Bestritten wird allerdings, daß es dabei zu keinerlei schädlichen Wirkungen gekommen sein soll.

Erstens sind die genannten Anlagen wesentlich leistungsschwächer als die HAARP-Anlage. Zweitens sind gerade aus Rußland Informationen über Experimente mit ELF-Wellen, die auf Tesla-Technologie basieren, schon seit langem in den Westen durchgesickert. Und drittens kommt es auch darauf an, was man mit einer derartigen Anlage macht. Wenn Forscher des Max -Planck-Institut tatsächlich die Physik der Ionosphäre studieren, dann mag dies harmlos sein. Es erlaubt noch lange nicht, auf andere Projekte zu schließen, die mit ähnlichen Apparaturen arbeiten.

Wenn es offiziell heißt, daß die ausgesandten ELF-Wellen zu schwach seien, um "biologische" Wirkungen auszulösen, so ist dies wiederum Augenwischerei, denn das bedeutet nur, daß nach heutigen Erkenntnissen die Körperzellen dadurch nicht geschädigt werden. Die Reaktion des Gehirns auf extrem schwache bis ultraschwache elektromagnetische Impulse ist dagegen bis heute kaum erforscht.

Die ausgestrahlten elektromagnetischen Signale sollen nur ein Zehnmillionstel der Stärke des natürlichen Erdmagnetfeldes betragen. Damit kann man sicher keinen Polsprung auslösen, wie es einige Menschen voreilig befürchteten, ohne die Fakten ausreichend zu kennen. Auf den ersten Blick sieht dies also beruhigend aus, ist es aber nicht, denn wir wissen, daß das Gehirn von Tieren und Menschen auf magnetische Impulse auf noch ungeklärte Weise paradox reagiert.

> Paradoxe Reaktionen des Gehirns

Ein handelsüblicher Spielzeugmagnet etwa hat eine Feldstärke von etwa 1000 Gauß, ist also rund gerechnet etwa 2000 Mal so stark wie das Erdmagnetfeld, das 0,3-0,7 Gauß beträgt. Dennoch zeigen weder unser Körper noch unser Gehirn eine Reaktion, wenn wir mit einem solchen Magneten in Berührung kommen.

Andererseits wissen wir, daß Menschen und Tiere auf feinste Schwankungen des Erdmagnetfeldes unglaublich sensibel reagieren. Untersuchungen ergaben, daß sensible Menschen sogar eine Schwankung im Erdmagnetfeld von einem Billionstel Teil noch registrieren können. 90% der Menschheit sind immerhin noch für eine Schwankung von mindestens einem Hunderttausendstel empfänglich. Hierauf basiert zum Beispiel der Effekt der Wetterfühligkeit, da ja vor einem heranziehenden Gewitter eine lokale Verringerung des Magnetfeldes auftritt.

Niemand weiß bis heute, warum unser Gehirn auf schwache Impulse so stark, auf gleichartige starke Impulse hingegen überhaupt nicht reagiert. Mit der klassischen Wissenschaft ist dies nicht zu erklären. Eher ergeben sich schon Gemeinsamkeiten mit der klassischen Homöopathie, wo ja auch Hochpotenzen stärker wirken als niedrige. Es scheint sich also hier um einen Mechanismus zu handeln, der hauptsächlich mit Informationsübertragung auf beinahe feinstofflicher Ebene zu tun hat - ein Gebiet, mit dem sich die offizielle Wissenschaft immer noch schwer tut.

Die Zahlen zeigen zudem nur auf, welche Magnetfeldschwankungen der Mensch noch bewußt wahrnehmen kann. Niemand weiß hingegen, auf wie feine Impulse das Gehirn noch unbewußt reagiert, und gerade das dürfte für potentielle Manipulatoren besonders interessant sein.

> Ist die HAARP-Technologie beherrschbar?

"Bestenfalls" kann man also noch annehmen - wenn man den HAARP-Projektmitarbeitern keine bösen Motive unterstellen will -, daß sie keine Ahnung haben, was sie eigentlich mit ihren Experimenten anrichten könnten. Auch dies ist ja in der Wissenschaft nichts Neues. Der Forscherdrang des Menschen hat schon immer dazu geführt, daß Dinge untersucht wurden, ohne sich über die Konsequenzen restlos klar zu sein. Nicht nur die Gentechnik kann hier als Beispiel dienen. Auch die Mitarbeiter des Manhattan -Projekts hatten im Grunde keine Vorstellung, was sie mit einer Atombombe wirklich anrichteten. Schon immer haben Menschen aufs Geratewohl geforscht und probiert, stets in der Hoffnung, es werde schon nichts passieren.

Eine amerikanische HAARP-Kritikerin verglich die Forscher einmal mit kleinen Jungen, die einen schlafenden Bären mit einer Nadel pieken, um zu sehen, was passieren wird.

Auch die Beteuerungen der nur geringen Ausgangsleistung der HAARP-Antennen, die bei voller Ausbaustufe nur etwa 3600 Kilowatt betragen soll, sind nicht unbedingt ernstzunehmen, denn niemand kann abschätzen, welch gewaltige Energien durch die Resonanzwirkung der Erde daraus entstehen können (Stichwort: schlafender Bär!). In einem Resonanzkörper können sich schwache Impulse schnell und unbeherrschbar hochschaukeln!

Schon in der Testphase soll es 1995 - bei einem Probelauf von nur 100 Watt pro Antenne - zu einem ernsthaften Störfall gekommen sein, bei dem ein massiver Aluminiumstecker einfach verdampft ist. Mit dieser geringen Leistung ist dies nicht zu erklären, wohl aber, wenn man die Energieverstärkung über die Schumann-Resonanzfrequenz berücksichtigt. Dies zeigt deutlich auf, daß die Wissenschaftler ihre eigene Schöpfung nicht einmal ansatzweise beherrschen!

Nikola Tesla wußte bereits vor fast 100 Jahren um die Gefahren, die in einer solchen Technologie stecken. Er konnte mit handlichen Sendern bei geeigneter Frequenz ganze Brücken ins Wanken bringen und sagte voraus, daß die von ihm entdeckten "Todesstrahlen" durchaus in der Lage wären, künstliche Erdbeben hervorzurufen. Es ist kaum verwunderlich, daß ihn damals niemand ernst nahm. Aber dürfen wir auch heute solche Warnungen noch ignorieren?

> Mögliche Auswirkungen auf das Wetter

Weitere mögliche Auswirkungen können sich auf das weltweite Wetter ergeben. Wiederum wiegeln die HAARP-Forscher ab und verweisen darauf, daß die von ihnen ausgesandten Strahlen schwächer als die natürliche Sonnenstrahlung auf die Ionosphäre seien. Doch letztere ist mehr oder weniger zufällig verteilt und bombardiert nicht einen kleinen Bereich über einen längeren Zeitraum. Erneut werden die Gefahren durch Resonanzverstärkung verschwiegen. Wellen im ELF-Bereich können rund um die Erde riesige stehende Wellenpakete bilden, die über einen langen Zeitraum stationär sind. Auf diese Weise können Hoch- und Tiefdruckgebiete über lange Zeit ortsfest "eingesperrt" werden und damit in einem unliebsamen Nachbarland nach Wahl eine Dürrekatastrophe oder verheerende Überschwemmungen auslösen.

Spielte nicht unser weltweites Wetter in den letzten Jahren verrückt? Vielleicht hat ja damals schon jemand an der Wetterschraube gedreht. Zum Beispiel kam es 1983 im pazifischen Raum zu katastrophalen Wetterverhältnissen. Ekuador, Peru und Bolivien wurden von Regenmassen überflutet, während es in Australien, auf den Philippinen und in Indonesien verheerende Trockenperioden gab, ebenso im amerikanischen Mittelwesten, wo es zu erheblichen Ernteausfällen kam. Dieser Wetterverlauf stellt sich auf einer Weltkarte tatsächlich wellenförmig dar. Es gibt Vermutungen, daß dies auf sowjetische Experimente mit ELF -Sendern zurückzuführen war. Obwohl ein solcher Zusammenhang natürlich nicht restlos nachweisbar ist, dürfte es wohl etwas voreilig sein, die nach wie vor existierenden russischen Ionenheizer als "Beweis" für die Harmlosigkeit der Technologie heranzuziehen.

In dem ganzen Gebiet blühen natürlich jetzt die Spekulationen. Wie sollte es auch anders sein, wenn nicht einmal die Wissenschaft befriedigende Antworten geben kann? Auf jeden Fall geht der Ausbau der HAARP-Anlage auf Hochtouren weiter, und das, obwohl der US-Senat angeblich 1995 die Gelder für das Projekt zusammengestrichen hat. Aus welcher schwarzen Kasse werden die Forscher jetzt weiter finanziert?

> Das Jahr 1998 wirft seine Schatten voraus

Für 1998 ist ein erster Großversuch der Anlage mit voller Leistung geplant. Dieses Datum sollte man nicht außer acht lassen, denn es deuten vielerlei Anzeichen darauf hin, daß 1998 ein entscheidendes Jahr sein wird, in dem es noch einmal zu erheblichen Veränderungen kurz vor der Jahrtausendwende kommen wird. Es ergibt numerologisch die selbe Summe wie 1989 (die beiden Zahlen sind ja nur Permutationen voneinander). Das Jahr 1989 brachte uns aber mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme Europas die größten Umwälzungen seit dem zweiten Weltkrieg.

Es gibt darüber hinaus weitere Hinweise, daß 1998 einiges in Bewegung kommen wird. Denken wir etwa an die Aussagen des polnischen UFO-Entführungszeugen Andrzej Domala, über den wir in unserem Buch "Das Erbe von Avalon", aber auch Anfang des Jahres im Karmakurier ausführlich berichteten. Ihm sagten seine fremden Besucher, daß er dreißig Jahre nach seinem Erlebnis, also am 13.8.1998, alles besser verstehen würde, und daß ihm dann sein "Doppelgänger" begegnen würde.

Niemand weiß genau, was diese rätselhaften Andeutungen wirklich zu bedeuten haben, doch andere Aussagen von UFO -Entführten stützen die Annahme, daß 1998 auf der Erde irgendetwas erwachen wird - im menschlichen Bewußtsein, oder nur im Bewußtsein einiger Menschen? Ist das HAARP-Projekt ein letzter, großangelegter Versuch der Anhänger des alten Weltbildes, um einer Entwicklung Einhalt zu gebieten, die sie in letzter Konsequenz nicht mehr aufhalten können? Will man uns deshalb vorsorglich global einlullen?

Es gibt viele Schlußfolgerungen und Spekulationen, und niemand kann sagen, was wirklich auf uns zukommt. Aber das ist auch gut so. Der Mensch soll sein Schicksal selbst in die Hand nehmen, er soll die Zukunft gestalten, anstatt sie passiv zu erwarten. Die "Herren der Zeit" tun es längst! Was uns allen bleibt, ist wachsam zu sein, um die Zeichen der Zeit genau zu erkennen. Die Botschaft von Avalon ist, daß jeder Mensch die Chance hat, durch Erweiterung seines persönlichen Bewußtseins allen vermeintlichen Bedrohungen zu entgehen.

datum 16.10.2009   .   quellen www.fosar-bludorf.com/archiv/rz.htm

 

Anti-Atom-Bewegung
läuft sich für Proteste warm

Protestlauf rund um erste Runde der Koalitionsverhandlungen - Ständige Vertretung der Anti-Atom-Bewegung in Berlin eröffnet - ´Fonds für Erneuerbare Energien ist vergiftetes Angebot´

Atomkraftgegner und Umweltverbände rufen für kommenden Montag in Berlin zu einer Protestlauf unter dem Motto ´Warmlaufen für den Widerstand - Atomkraft kaltstellen´ auf. Während Union und FDP zu ersten Runde der Koalitionsverhandlungen in der Landesvertretung von NRW zusammenkommen, sollen möglichst viele Menschen um das Gebäude joggen, walken, radeln oder gemütlich spazieren und so gegen eine Aufkündigung des Atomausstiegs protestieren.

´Wir laufen uns warm für die kommenden Proteste und geben CDU/CSU und FDP einen kleinen Vorgeschmack was ihnen blüht, wenn sie am Atomausstieg rütteln. Wir wollen den schwarz gelben Verhandlungsführern klar machen: Wer auf eine Renaissance der Atomkraft setzt, erlebt ein Comeback der Anti-Atom-Bewegung´, erklärte Christoph Bautz vom Kampagnen Netzwerk Campact . ´Alle Umfragen belegen, dass die Mehrheit der Menschen und sogar der Anhänger von Schwarz-Gelb am Atomausstieg festhalten will. Schwarz-Gelb hat kein Mandat für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke.´

Dies belege auch die große Unterstützung für den Offenen Brief ´Nicht rütteln am Atomausstieg!´, der innerhalb von drei Tagen bereits von über 40.000 Menschen unterzeichnet wurde.

Er wurde von Campact und der Kampagne .ausgestrahlt initiiert und wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der IPPNW und der Naturfreundejugend unterstützt.

´Die Auseinandersetzung um die Atomkraft ist mit der Wahl von Schwarz-Gelb nicht entschieden. CDU/CSU und FDP rudern mit ihren atompolitischen Plänen zurück und diskutieren jetzt offen, Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Das zeigt: Der gesellschaftliche Druck der Anti-Atom-Bewegung wirkt. Ob am Ausstieg gerüttelt wird ist völlig offen´, sagte Jochen Stay, Sprecher der Kampagne .ausgestrahlt. ´Wer dachte, Schwarz Gelb werde zum Selbstläufer für ein Comeback der Atomenergie, könnte sich täuschen. Da ist eine Menge Druck im Kessel - die Menschen haben keine Geduld mehr, noch länger auf den Ausstieg zu warten.´

Die Kampagne .ausgestrahlt unterhält während der Koalitionsverhandlungen eine ´Ständige Vertretung der Anti-Atom-Bewegung´ in Berlin.

Die einzelnen Etappen der Verhandlungen wird sie mit vielfältigen Protest-Aktionen begleiten. So soll aus hunderten zugesandten Protestbannern das ´längste Transparent der Welt´ entstehen.

Der BUND wies darauf hin, dass es den Stromkonzernen nicht um Klimaschutz oder Versorgungssicherheit, sondern um Zusatzgewinne von etwa 300 Millionen Euro je Atomkraftwerk pro Jahr Laufzeitverlängerung gehe. Scharf wies der Verband den Vorschlag von Union und FDP zurück, aus einem Teil dieser Gewinne die Forschung für Erneuerbare Energien zu fördern. ´Die Erneuerbaren brauchen die Atomkraft nicht als angebliche Brücke. Der Ausbau geht gut voran. Im Gegenteil sind längere AKW -Laufzeiten ein großes Risiko für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren´, so Thorben Becker, Energieexperte des BUND. ´Denn wenn in den nächsten vier Jahren keine Atomkraftwerke stillgelegt werden, verstopfen sie das Netz. Die unflexiblen Atomkraftwerke passen nicht zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und drohen diesen zu bremsen. Wirksamen Klimaschutz gibt es deshalb nur ohne Atomkraft.´

quelle   contratom.de  .  datum  01.10.2009

 

Falsche Annahmen in Schweden
Endlager verrostet

Kupfer-Ummantelungen für abgebrannte Brennstäbe taugen nicht zur Endlagerung, haben Wissenschaftler herausgefunden. Nicht einmal tausend Jahre bliebe das Metall dicht.

Das schwedische Atommüllendlagerkonzept wackelt. Es beruht auf falschen naturwissenschaftlichen Annahmen, meinen Forscher der Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm. Die vorgesehene Lagerung der abgebrannten Brennelemente in Kupferkapseln sei alles andere als sicher.

Schweden galt bislang als das Land mit den am weitesten vorangeschrittenen Atommüllplänen. Im Sommer hatte sich die Regierung darauf festgelegt, dass in der Nähe des Atomkraftwerks Forsmark bis zum Jahr 2022 ein unterirdisches Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen soll. Den will man in 6.000 je 5 Meter lange Kupferkapseln mit 5 Zentimeter dicken Wänden einschweißen. Die Schächte sollen mit Tonerde verfüllt werden. So soll der Strahlenmüll 100.000 Jahre lang sicher aufgehoben sein.

Nun haben Wissenschaftler an der KTH herausgefunden, dass Kupfer auch in sauerstofffreier Umgebung rosten kann. Sie verweisen sowohl auf Laborversuche mit Langzeitstudien von Kupferfolien als auch auf eine Analyse von Kupfermünzen, die mit dem Kriegsschiff ´Wasa´ vor über 300 Jahren untergegangen waren und in einem Sediment aus sauerstofffreiem Lehm auf dem Meeresboden gelegen hatten. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Schächte sicher vor Grund- und auch Salzwasser wären, das in Folge des steigenden Meeresspiegels eindringen könnte, wären die Kupferkapseln also Korrosion ausgesetzt.

Peter Szakalos, KTH-Projektleiter für Metallkorrosion, glaubt, dass sie nicht einmal 1.000 Jahre dicht bleiben. ´Sollen sie 100.000 Jahre halten, müssten die Wände statt 5 Zentimeter 5 Meter dick sein.´ Bereits die jetzigen Kapseln wiegen jedoch jeweils 8 Tonnen.

Die von den Atomkonzernen Vattenfall, Eon + Co betriebene Atommüll-Gesellschaft Svensk Kärnbränslehantering hält daran fest, dass Kupfer nach bisherigen Erkenntnissen ohne Sauerstoff nicht roste. ´Dann sollen sie das beweisen´, fordert Szakalos.

Schwedens Atomwirtschaft hatte sich bereits Mitte der Achtzigerjahre auf das unerprobte Lagerkonzept in Kupferkapseln festgelegt und aus Kostengründen keine Alternativmethoden erforscht. Die Theorie der Kupferkorrosion müsse jetzt gründlich untersucht werden, sagt Willis Forsling, Mitglied des staatlichen Kernabfallrats: ´Sonst kippt die zentrale Voraussetzung für das gesamte Konzept.´

quelle   contratom.de  .  datum  01.10.2009

 

Ist ja nicht alles schlecht
Nicht heulen!

Nicht alles war schlecht an dieser Wahl: Schwarz-Gelb hat auch seine guten Seiten (wenn auch nicht sonderlich viele).
taz-Autorinnen und Autoren spenden 23 Trostpflaster:

1. Das Superwahljahr ist vorbei. Endlich. ROLA

2. Ein Schwuler wird Außenminister. Guido Westerwelle wird der erste Schwule im Auswärtigen Amt seit … vermutlich seit Heinrich von Brentano. Das eröffnet wunderbare Spekulationen, ob und wie er zu Staatsempfängen in Saudi-Arabien oder Syrien mit seinem Lebensgefährten willkommen geheißen wird. Und ob Michael Mronz gemeinsam mit Joachim Sauer versuchen wird, sich auf Gipfeln und Staatsbesuchen vorm "Damenprogramm" zu drücken. UWI

3. Eine Frau bleibt Kanzlerin. Schön. Steinmeier gab ja nur allzu gern den Schröder-Imitator, es stand zu befürchten, dass dieses selbstgerechte Getöse wieder in die tägliche Berichterstattung einziehen würde. Auch wenn Angela Merkel verloren hätte, hätte sie keinen Auftritt hingelegt, der zum beliebtesten politischen YouTube-Video geworden wäre. "Frauen, die sich einer Auseinandersetzung stellen, können auch verlieren. Das gehört zur Emanzipation dazu", hat Merkel gesagt. Eine gute Verliererin wäre für die Frauenförderung hilfreich gewesen. Jetzt hat sie gewonnen. Für die Emanzipation ist das noch besser. Frauen können genauso schlecht und genauso gut Kanzler wie Männer. Angie machts vor. JUL

4. Es gibt wieder klare Verhältnisse: Auf der einen Seite stehen die marktliberalen Kündigungsschutzabschaffer, Steuersenker und Atomlobbyisten. Auf der anderen Seite die Guten. Dass die Guten nicht an der Regierung sind, macht nichts. Im Gegenteil: Denn nur in der Opposition können sie die Guten bleiben. KUZ

5. Die Länder werden wieder rot. Häufig ist es so: Regiert ein politisches Lager auf Bundesebene, werden diese Parteien in den Ländern nach und nach auf die Oppositionsbänke versetzt, weil den Wählern ein glatter Durchmarsch doch zu weit geht. Das erste Opfer eines neuen Swings könnte ausgerechnet der selbsternannte Arbeiterführer Jürgen Rüttgers werden, wenn im Mai in NRW gewählt wird. SAM

6. Die Neonazis spielen keine Rolle. Ihre besten Momente hatten die deutschen Neonazis stets, wenn sie radikaler, aber auf einer Linie mit der Bild-Zeitung waren (68: Dutschke stoppen, 92: Asylanten stoppen). Wenn sie aber dumm genug sind, Mesut-Özil -Fußballgott und damit Deutschlands Hoffnungen auf die nächste Fußballweltmeisterschaft und damit die Bild-Zeitung und damit Volkes Seele anzugreifen, machen sie, Krise oder her, keine Schnitte. DZY

7. Die CSU hat verloren. In Bayern ist es Horst Seehofer und seiner CSU nicht gelungen, sich in den letzten Tagen des Wahlkampfes noch schnell als die bessere FDP zu präsentieren. Mit dem Versprechen, die Steuern zu senken, umgarnten die Christsozialen die eingefleischten Kapitalisten bei den Konservativen, und sogar potenzielle Piraten-Wähler wollte Karl-Theodor zu Guttenberg abgreifen, als er am Vorabend der Wahl faselte, man solle der Union auch wegen "der Freiheiten im Internet" die Stimme geben. Doch so blöde waren die bayerischen Wähler nicht, diese Köder zu schlucken. KUZ

8. Die Piraten haben das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Die Abwehr gegen Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren bleibt auch unter Schwarz-Gelb auf der politischen Agenda. Mit 2,0 Prozent der abgegebenen Stimmen hat die Piratenpartei den Sprung in den Bundestag zwar nicht geschafft. Aber nicht zuletzt die Wahlkampfkostenerstattung in Höhe von fast 720.000 Euro wird dafür sorgen, dass die Piraten in der nächsten Legislaturperiode in Fragen rund um Netzpolitik Kurs halten. Ahoi! FLEE

9. Es gibt wieder Alternativen: Mit der Wahl von Schwarz-Gelb ist die Suche nach tragfähigen gesellschaftlichen Modellen für das 21. Jahrhundert eröffnet. Im Idealfall kommen zwei Alternativen heraus. Dann wird man sich für eine entscheiden. PU

10. Die Sozialdemokratie bekommt eine letzte Chance. Denn hätte es für Schwarz-Gelb nicht gelangt, die SPD hätte sich (Verantwortung, Vaterland, Tralala) abermals auf eine große Koalition eingelassen - um sich beim nächsten Mal endgültig zu ruinieren. Seit einem Jahrhundert kämpft die deutsche Sozialdemokratie gegen den Verdacht, vaterlandslose Gesellen zu sein, weshalb bei ihr im Zweifel das soldatische Pflichtgefühl stärker ist als das blanke Eigeninteresse (und alle so: Hartz IV!) Jetzt aber kann sich die SPD als Partei des Proletariats erneuern - Linke, zieht euch warm an! DZY

11. Die Demokratie ist gestärkt. Im postideologischen Zeiten drohen ja alle Katzen grau zu werden. Rot-Grün hat unter Schröder mit der Agenda FDP-Politik, Merkel mit der großen Koalition prima sozialdemokratische Politik gemacht. Dieses Crossover von konservativ und sozialdemokratisch führt auf die Dauer zu Politikverdruss. Warum soll man noch wählen, wenn sowieso alle das Gleiche machen? Demokratie ohne Konfrontation, ohne scharf ausgetragene Interessengegensätze geht kaputt. Dass es links und rechts nicht mehr gibt, haben uns viele Neunmalkluge seit 1989 immer wieder erzählt. Es hat nie gestimmt. Mit Westerwelle als Minister sieht man das wieder schärfer. SR

12. Ein Deutschtürke kann auch in der FDP was werden. Bislang passten Einwanderer und bürgerliche Parteien nicht gut zusammen: Als Wähler schlugen sich die Migranten mehrheitlich auf die linke Seite - und als Kandidaten hatten sie schlicht keine Chance. Doch dank des überraschend guten Abschneidens der FDP schafft es erstmals ein Deutschtürke aus dem bürgerlichen Lager in den Bundestag: Serkan Tören, der auf der Landesliste der niedersächsischen Liberalen auf dem alles andere als sicheren Listenplatz acht antreten durfte - ein Fortschritt. SAM

13. Es wird nie wieder ein Kanzlerduell geben. Bei mindestens fünf Parteien, die sich in ihrer Stärke immer weiter annähern, wird die archaische Form des "Duells" endgültig obsolet. Und spätestens nach der "Elefantenrunde" am Sonntagabend, als Nikolaus Brender offen der Kanzlerin vorwarf, die Debatte aller Spitzenkandidaten vor der Wahl verhindert zu haben, geht das nicht mehr. Die Meinungsvielfalt in Deutschland ist größer, als es zwei KandidatInnen abbilden könnten, selbst wenn sie weniger kuschlig miteinander umgingen. PKT

14. Politik wird wieder lustig. Grau gewordene Menschen lächeln, wenn sie an Verbrecher wie Franz Josef Strauß oder autoritäre Parteidespoten wie Herbert Wehner zurückdenken. Die galten als witzig. Und sie hatten etwas zu sagen. Guido Westerwelle galt immer schon als Witzfigur. Jetzt hat er etwas zu sagen. Das macht ihn zum Typen. Politisches Kabarett könnte wieder wirklich gut werden. RÜT

15. Die Linke steht gut da. Allen neoliberalen Möchtegerngewinnern kann man zurufen: Ja, die SPD hat selbstverschuldet verloren, weil sie dem Neue-Mitte-Gequatsche auf den Leim gegangen ist und ihre Herkunft verraten hat. Zur Strafe holte die Linkspartei bundesweit 11,9 Prozent der Zweitstimmen und gewann zudem 16 in Ostdeutschland liegende Wahlkreise direkt. Und sie übersprang in allen westlichen Bundesländern deutlich die Fünfprozenthürde. Das zeigt: Das soziale Gewissen in diesem Land ist nicht tot. ROT

16. Die Bildungspolitik kann nur besser werden. Mit Schwarz-Gelb endet die bildungspolitische Vollbremsung durch Annette Schavan. Die CDU-Bildungsministerin im Bund wurde liebevoll Föderastin gerufen, weil sie die Kultusministerkonferenz für den Gral der Bildungsweisheit hielt. Ihre mögliche Nachfolgerin Cornelia Pieper (FDP) findet die Föderalismusreform schlicht Pfusch. Sie ist bereit, Gas zu geben: Mehr Bundeszuständigkeiten ("16 Länder erdrücken jede Lernmotivation"), mehr Geld und mehr Freiheit für bessere Schulen und Hochschulen. CIF

17. Ströbele gewinnt Kreuzberg. Im Berliner Bezirk Friedrichhain-Kreuzberg ist die Welt noch in Ordnung. Denn hier regiert weiterhin Grünen-Ikone Christian Ströbele. 46,8 Prozent der Erststimmen holte der 70-Jährige diesmal, noch mal gut 3 Prozent mehr als 2005. Damit holte Deutschlands prominentester Radfahrer zum dritten Mal seinen Wahlkreis und auch diesmal das einzige grüne Direktmandat im ganzen weiten Bundesgebiet. Und das trotz der starken Konkurrenz aus CDU-Busen-Skandaleuse Vera Lengsfeld, SPD-Youngster Björn Böhning und Linke-Bundesvize Halina Wawzyniak. Wenigstens hier sind die Grünen richtig groß. Und Ströbele der Größte. KO

18. Die Zeit der Volksparteien ist vorbei. So wie der Klimawandel hat auch die Wahl Deutschland einen weiteren Schritt in Richtung italienische Verhältnisse gebracht. Es wird nicht nur wärmer, sondern auch bunter. Eine ausdifferenzierte, diversifizierte, pluralistische Gesellschaft braucht, wenn sie über Repräsentation funktionieren will, entsprechende politische Vertretung. Auf dass die Fetzen fliegen und kein Thema mehr unter den Tisch fällt. AKR

19. Eine Bürgerrechtspartei kommt in die Regierung: Die FDP hat einen engagierten Bürgerrechtsflügel, zu dem nicht nur prominente Politiker wie Gerhart Baum und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sondern auch weniger bekannte Liberale, die sich in den vergangenen vier Jahren an sperrigen, aber wichtigen Themen wie der Kontrolle der Geheimdienste oder dem Austausch von Fluggastdaten mit den USA abgearbeitet haben - oft ohne große mediale Aufmerksamkeit. Wer registriert hat, was das CDU-geführte Innenministerium aus dem Verfassungsschutz machen will, weiß, wie nötig die Politik diese Liberalen in den nächsten vier Jahren haben wird. Wenn sie Macht bekommen und sich parteiintern durchsetzen können. Denn: Eine FDP ohne den Kampf für Bürgerrechte braucht niemand. DAS

20. Berlin bleibt Hauptstadt. Als die letzte schwarz-gelbe Regierung 1998 abgewählt wurde, war Angela Merkel noch "Kohls Mädchen" und Deutschland wurde noch von einem rheinischen Städtchen namens Bonn aus regiert. Exakt elf Jahre später ist Berlin, seit 1999 Regierungssitz, längst ein politisches und kulturelles Zentrum Europas mit mehr Besuchern in einem Jahr, als sich je nach Bonn verirrt haben (na ja, fast) - nicht nur wegen seiner wechselvollen Geschichte, aber auch. Die "Berliner Republik", das Borchardt, die Townhouses und Til Schweiger kann uns keiner nehmen - selbst die FDP nicht. Und, keine Angst: Kohl kommt auch nicht zurück. DENK

21. Gut ist, dass die FDP mitten in der "Krise" des Neoliberalismus mit reinem Neoliberalismus ("Mehr Markt! Weniger Steuern!") eine Wahl gewinnt. Geschuldet ist dies dem Selbstbewusstsein einer "neuen Elite", wie der Philosoph Axel Honneth die in den USA sogenannte kreative Klasse nennt. Als Index für ihren Aufstieg gilt dem US-Soziologen Florida zufolge der Anteil von Schwulen in leitenden Funktionen. Ihr Loha-Ideologe im "Kampf um Anerkennung" ist jedoch nicht Westerwelle, sondern der "Freidenker" Sloterdijk, der die "Triple-down-Theorie" auch noch vom letzten sozialstaatlichen Korrektiv befreien möchte, um "die elende Lage der herrschenden Klassen" zu bessern. Für Honneth kommt das einem "Umsturz" gleich. Sloterdijk antwortete dem "glücklosen Philosophieprofessor" in der FAZ - mit aller gebotenen Schärfe. HH

22. Deutschland wird Weltmeister. Nichts wird die zweite Amtszeit von Angela Merkel so prägen wie der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die deutsche Mannschaft beim WM-Turnier in Südafrika im Sommer 2010. Die Deutschen sind gern konservativ bis hin zur provinziellen Dackeligkeit. Sie hassen Veränderungen und Überraschungen und brauchen, egal welcher politischen Couleur sie anhängen, mehr als alles andere das Gefühl von Kontinuität. Immer dann, wenn die Deutschen politisch ganz bei sich selbst waren und einen konservativen Volkskanzler gewählt hatten, der sie voll und ganz repräsentierte, wurde Deutschland auch Fußballweltmeister. Das war bei Adenauer 1954, bei Schmidt 1974 und bei Kohl 1990 der Fall. Und das wird auch bei Merkel 2010 so sein. Der Gewinn der Fußball-WM ist der einzige Grund, warum man sich mit der neuen Regierung anfreunden kann. Und nach 20 Jahren ist es ja auch mal wieder an der Zeit. MIR

23. 2013 wird wieder gewählt. Und dann gibt es Rot-Rot-Grün. Ganz bestimmt

quelle   taz.de  .  datum  30.09.2009

 

Zur Bundestagswahl 2009
Internationale Pressestimmen

Wie sehen die Medien im Ausland den Sieg von Schwarz-Gelb? Stimmen unter anderem aus Libération, The Times, New York Times und Hürryiet.

Libération (Paris): Die deutsche Sozialdemokratie hat sich nicht erneuern können, und ihre Männer sind durch eine allzu lange Anpassung an die Ordnung der Dinge verbraucht. Zudem sind die kritische und die regierende Linke unfähig gewesen, miteinander in Dialog zu treten, bis zu dem Punkt, dass, selbst wenn die SPD mit Linken und Grünen eine Mehrheit erzielt hätte, sie mangels Verständigung regierungsunfähig gewesen wäre. Mangel an Mut, Verschleiß im Regierungsgeschäft, gegenseitige Beschimpfungen: Für die Linke in Frankreich und in Deutschland ist der Rhein keine Grenze mehr.

The Times (London): Am Sonntagabend unterbrach das Staatsfernsehen die Stimmenauszählung, um die "Lindenstraße" zu senden. So mögen die Deutschen ihre Politik. Sie haben außerordentliche Veränderungen erlebt, aber sie brauchen sie in kleinen Dosen. Frau Merkel, die die Kunst, ausführlich über Kartoffeln zu sprechen, versteht, hat diesen Puls gefühlt. Aber jetzt muss sie Unbeliebtheit riskieren. Als bei ihrer letzten Wahlkundgebung die Nationalhymne erklang, sah es so aus, als habe sie Tränen in den Augen, so als sei ihr aufgegangen, was vor ihr liegt. Vielleicht war es aber auch nur ein Staubkorn.

La Repubblica (Rom): Das war eine wuchtige Niederlage für die deutschen Sozialdemokraten, noch schlimmer als angenommen, und sie bestätigt die schwierige Phase, in der alle Mitte-links-Parteien in Europa derzeit sind. Nach Vorhersagen und Umfragen wird auch Labour bei den im Frühjahr in Großbritannien vorgesehenen Wahlen die Macht abgeben müssen. Der Niedergang der Fortschrittlichen stellt einen tiefgehenden und anhaltenden Trend dar.

Die New York Times: Frau Merkel sollte insbesondere in der Wirtschaftspolitik dem Druck widerstehen, zu weit nach rechts zu rücken. Was die Welt von Deutschland am meisten braucht, ist eine weitere Runde breit angelegter Konjunkturprogramme, nicht regressive, angebotsorientierte Steuersenkungen.

Der Standard (Wien): Man kennt und schätzt sich seit Jahren. Und daher hat sich Angela Merkel ihre ersten Gespräche mit FDP -Chef Guido Westerwelle vielleicht so vorgestellt: "Also, die Ministerien teilen wir ja schnell auf, bei der Steuersenkung werden wir uns auch rasch einig. Noch ein Keks, Guido?" Doch nicht einmal 24 Stunden nach der Wahl muss Merkel mit Entsetzen feststellen: Westerwelle will nicht nur ein Keks. Er will fast die Hälfte der Packung. Merkel wird aufpassen müssen, dass die Tigerente nicht zu gelb wird.

De Volkskrant (Amsterdam): Es gibt eine rechte Regierung und eine vollständig linke Opposition. Aber so einfach ist das auch wieder nicht. Eine Frage für die kommenden Wochen ist, ob die FDP und die CDU/CSU tatsächlich so harmonisch zusammenarbeiten können, wie sie hoffen. Schwarz-Gelb dürfte diesmal anders aussehen als einst unter Kanzler Helmut Kohl. Die FDP ist heute viel größer als damals und dürfte viel mehr einbringen wollen. Auch wenn Angela Merkel bei bestimmten sozialen Themen nicht mit ihr einverstanden sein sollte.

Rzeczpospolita (Warschau): In der Außenpolitik sind wohl keine großen Änderungen zu erwarten. Streitfragen mit Polen werden nicht verschwinden. Das betrifft die Ostsee-Pipeline und die Geschichtspolitik. Die Liberalen hatten einst am lautesten Gerhard Schröder kritisiert, als er bei dem Gaspipeline-Bauer die Stelle annahm. Heute ist die FDP, deren Chef Westerwelle den Außenministerposten übernehmen will, mit dem Projekt versöhnt. In den Geschichtsfragen kann Polen nur hoffen, dass die FDP eine ähnliche Rolle spielen wird wie bisher die SPD: die Konservativen bremsen und mehr Sensibilität gegenüber den Nachbarn zeigen.

Hürryiet (Europaausgabe): Die Wahl wird sowohl für die Türken, die in Deutschland leben, als auch im Hinblick auf die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei die Dinge erschweren. Die eigentliche Wahlsiegerin, die FDP, bemüht sich, in Sachen eines türkischen EU-Betritts oder zu den Problemen der in Deutschland lebenden Türken nicht allzu deutlich Farbe zu bekennen. Zum EU-Beitritt scheint sie eine ambivalente Position einzunehmen und den Türken im Land wohlgesinnt zu sein, in Wahrheit aber ist sie auf derselben Linie wie Merkel.

 

23,1 MILLIONEN LITER CHEMIE
Gewässer vergiftet durch Chemieunfälle

Riesige Mengen giftiger Chemikalien belasten deutsche Flüsse und Seen oder sickern ins Grundwasser. Allein im vergangenen Jahr mussten die deutschen Gewässer 23,1 Millionen Liter gefährliche Substanzen verkraften, so das Statistische Bundesamt. Das entspricht ungefähr dem Kofferraumvolumen von 47.000 Kombis. Nur bei knapp 10 Prozent der durch Unfälle freigesetzten Chemikalien gelang es, eine Verschmutzung der Gewässer beispielsweise mit Pumpen oder Bindemittel noch zu verhindern.

quelle   taz.de  .  datum  30.09.2009

 

 

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